
Alte Marktindikatoren seit ChatGPT-Start kaputt: Fondsmanager lanciert neue Indikator-ETFs
Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
Kernaussagen
- Harbor Capital Advisors behauptet, dass traditionelle Wirtschaftsindikatoren wie der Manufacturing PMI seit dem ChatGPT-Launch im November 2022 ihre historische Korrelation mit dem S&P 500 verloren haben, wobei diese Divergenz-These von unabhängigen Quellen bislang nicht verifiziert werden konnte.
- Als Reaktion auf die diagnostizierte Marktveränderung lancierte Harbor Capital den 800VDC AI Datacenter Ecosystem ETF (NYSEARCA: HUMM) mit einer Nettogebührenquote von 0,49 Prozent, der die neue KI-getriebene Wirtschaft abbilden soll.
- Spenser Lerner von Harbor Capital schätzt, dass Hyperscaler und Datencenter-Betreiber bis Ende des Jahrzehnts knapp eine Billion US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren werden, was die erste Phase des KI-Booms darstellt.
- Die kommerzielle Interessenlage von Harbor Capital wirft Fragen auf: Die Firma verkauft ETF-Produkte, die direkt von der eigenen Argumentation über den Zusammenbruch traditioneller Indikatoren profitieren.
- Experimente mit ChatGPT als Anlageberater zeigten gemischte Ergebnisse: Ein Test von Juni 2023 erzielte in etwa drei Wochen sechs Prozent Rendite, doch Fachleute warnen vor Parallelen zu früheren Spekulationswellen wie dem GameStop-Hype.
Im November 2022 veröffentlichte OpenAI die KI-Chatbot-Plattform ChatGPT. Was zunächst als technologischer Meilenstein galt, markiert nach Darstellung von Harbor Capital Advisors einen fundamentalen Bruch in der Funktionsweise von Finanzmärkten. Kristof Gleich, Präsident und Chief Investment Officer der Firma, argumentiert, dass etablierte Wirtschaftsindikatoren ab diesem Zeitpunkt ihre Rolle als zuverlässige Börsenprognosen verloren haben.
These vom Zusammenbruch der Prognosekraft
Gleich führt als zentrales Beispiel den Manufacturing Purchasing Managers' Index (PMI) an – eine Umfrage zur Entwicklung der Fabrikaktivität, die jahrzehntelang eine starke Korrelation mit dem S&P 500 zeigte. Der PMI misst monatlich die Stimmung von Einkaufsmanagern in der Fertigungsindustrie und gilt als Frühindikator für die Konjunktur. Nach November 2022 divergierte diese historische Beziehung: Der PMI blieb relativ stabil, während der Markt deutlich stieg. 24/7 Wall St. weist darauf hin, dass diese Divergenz-These nicht unabhängig verifiziert werden konnte.
„Die KI-Ökonomie erfordert unterschiedliche Rahmenwerke, unterschiedliche Benchmarks, neue Messgrößen und frankreich eine andere Sprache, um sie zu beschreiben, zu messen und in sie zu investieren", erklärte Gleich laut Harbor Capital Advisors. Die Argumentation lautet: Traditionelle Industrieindikatoren erfassen die Wertschöpfung von Software, Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur nicht angemessen.
Neue ETFs als Antwort auf diagnostizierte Marktverschiebung
Harbor Capital Advisors reagierte auf die eigene Analyse mit der Lancierung neuer Fondsprodukte. Der prominenteste ist der 800VDC AI Datacenter Ecosystem ETF (NYSEARCA: HUMM) mit einer Nettogebührenquote von 0,49 Prozent. Der Fonds zielt darauf ab, Unternehmen im KI-Rechenzentrum-Ökosystem abzubilden – von Chipherstellern über Kühlsysteme bis zu Energieversorgern für Datencenter.
Die Produktentwicklung wirft Fragen zur kommerziellen Interessenlage auf. 24/7 Wall St. formuliert es deutlich: „Harbor's argument is real. So is the commercial interest behind it." Die Firma verkauft ETFs, die direkt von der eigenen These profitieren, dass alte Indikatoren nicht mehr funktionieren und neue Anlageinstrumente benötigt werden.
Eine Billion US-Dollar für KI-Infrastruktur
Spenser Lerner, Leiter der Multi-Asset-Lösungen bei Harbor Capital, unterteilt den KI-Boom in zwei Phasen. Die erste Phase umfasst den Infrastruktur-Aufbau bis Ende des Jahrzehnts. Hyperscaler – Anbieter massiver Cloud-Computing-Kapazitäten wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud – und Datencenter-Betreiber investieren nach Lerners Schätzung knapp eine Billion US-Dollar in KI-Infrastruktur. Diese Summe fließt in Hochleistungschips, spezialisierte Kühlsysteme, Stromversorgung und Netzwerkinfrastruktur.
Die zweite Phase, die Lerner erwähnt, wird im Recherchematerial nicht detailliert beschrieben. Sie soll inflationäre Komponenten enthalten, Details zur zeitlichen Einordnung oder konkreten Charakteristika fehlen jedoch.
ChatGPT als Anlageberater: Experimente und Empfehlungen
Parallel zur Debatte über Marktindikatoren testeten deutsche Finanzmedien ChatGPT im Lauf von 2023 und 2024 als Anlageberater. Im Dezember 2025 präsentierte die KI konkrete Einzelaktien-Empfehlungen – mit explizitem Hinweis, dass diese keine Kaufaufforderungen darstellen:
- Microsoft (NASDAQ: MSFT): Die Cloud- und KI-Plattform mit Azure und Copilot verfügt über hohe Kapitalstärke. ChatGPT begründet die Nennung mit der breiten, margenstarken Plattform und anhaltenden KI-Hebeln. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt über 30, Bewertungsdetails nennt die KI nicht.
- ASML (EURONEXT/NASDAQ: ASML): Der niederländische Halbleiterausrüster hält eine quasi-monopolistische Position bei EUV-Lithografie für modernste Chips. ChatGPT charakterisiert ASML als „Picks & Shovels im Halbleiter-Zyklus" mit hohen technologischen Eintrittsbarrieren. Kritik: extreme Volatilität und starke Abhängigkeit vom Chip-Zyklus.
- Nestlé (SIX: NESN): Das defensive Konsumgüter-Portfolio bietet eine stabile Dividende und globale Markenposition. Kritik: Die Aktie stagniert seit Jahren, Margen stehen unter Druck, das Wachstum fällt bescheiden aus.
- LVMH (Euronext Paris: MC): Der führende Luxuskonzern mit über 70 Marken profitiert laut ChatGPT von Strukturwachstum im Luxussegment, starken Marken und hohen Margen.
ChatGPT betont, keine persönliche Anlageberatung geben zu dürfen. Die KI bietet „allgemeine Standard-Bausteine" für langfristige Portfolios an. Beobachter kritisieren, dass ChatGPT eher auf bekannte Namen setzt statt auf unterbewertete Positionen und Bewertungsdetails ignoriert.
Experimente mit gemischten Ergebnissen
Ein Experiment vom Juni 2023 testete ChatGPTs ETF-Auswahl im KI-Sektor. In etwa drei Wochen erzielte das Portfolio rund sechs Prozent Rendite. Doch Experten, die bereits im April 2023 zu KI-Aktien-ETFs Stellung nahmen, warnten vor Euphorie. Sie verglichen die Begeisterung mit früheren Spekulationswellen wie dem GameStop-Hype und warnten vor möglichen deutlichen Korrekturen nach kometenhaftem Aufstieg.
Nach ChatGPTs Bekanntheit im November 2022 entwickelten mehrere ETF-Anbieter, darunter WisdomTree, KI-fokussierte Fonds. Die Begeisterungswelle für den KI-Sektor setzte direkt nach dem Launch ein und hält bis heute an.
Marktumfeld und technische Einordnung
Am 2. Oktober 2026 notierte der S&P 500 bei 7.722,72 Punkten, ein Plus von 0,73 Prozent. Der NASDAQ Composite stand bei 27.190,86 Punkten (+1,19 Prozent), der DAX bei 25.273 Punkten (+1,16 Prozent). Diese Stände liefern den aktuellen Kontext für Harbor Capitals Argument, dass traditionelle Indikatoren die Marktentwicklung seit November 2022 nicht mehr adäquat erfassen.
Kritische Würdigung: Datenlage und Interessenlage
Harbor Capital Advisors präsentiert eine klare These: ChatGPTs Launch veränderte die Marktdynamik fundamental. Doch die zentrale Behauptung – die Divergenz zwischen PMI und S&P 500 nach November 2022 – konnte bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Die Firma verkauft gleichzeitig Produkte, die von dieser Argumentation profitieren. Der 800VDC AI Datacenter Ecosystem ETF positioniert sich als Lösung für ein Problem, das Harbor selbst diagnostiziert.
Ob traditionelle Indikatoren tatsächlich ihre Aussagekraft verloren haben oder ob die Phase seit Ende 2022 eine zyklische Anomalie darstellt, lässt sich mit den verfügbaren Daten nicht abschließend beurteilen. Die Investitionsschätzung von knapp einer Billion US-Dollar für KI-Infrastruktur bis Ende des Jahrzehnts stammt ausschließlich von Harbor Capital selbst.
ChatGPT als Anlageberater bleibt ein experimentelles Werkzeug. Die KI bietet Standardempfehlungen mit etablierten Namen, ignoriert jedoch Bewertungsniveaus und liefert keine Analyse von Chancen-Risiko-Profilen. Für Privatanleger im DACH-Raum gilt: KI-Tools können bei der Informationsbeschaffung helfen, ersetzen aber keine eigene Analyse oder professionelle Beratung.