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18. Dezember 2025

Zinspause fast sicher: Warum die EZB diesmal keine Nerven zeigt

Europa EU
Foto: depositphotos.com

Wer heute auf einen Zins-Knall aus Frankfurt setzt, dürfte enttäuscht werden: Die EZB wird sehr wahrscheinlich einfach nichts tun. Drei Sitzungen hintereinander haben die Währungshüter das Zinsniveau im Euroraum schon stehen lassen – und genau dieses Muster spricht auch für den letzten Zinsentscheid des Jahres.

Der entscheidende Satz kommt am Nachmittag: Die geldpolitische Entscheidung wird – wie üblich – um 14.15 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz mit Christine Lagarde startet um 14.45 Uhr.

Die meisten Ökonomen erwarten, dass der Einlagenzins bei 2,0 Prozent bleibt. Das ist der Zinssatz, den Banken bekommen, wenn sie überschüssiges Geld über Nacht bei der EZB parken. Klingt nach Technokratie – ist aber der Hebel, an dem Spar- und Kreditzinsen im Alltag hängen.

Rat sendet ein klares „Lasst es so“

Auffällig ist, wie wenig Spielraum sich der EZB-Rat diesmal selbst lässt. Der slowakische Notenbankchef Peter Kazimir hat eine Bewegung im Dezember praktisch ausgeschlossen: „Auf keinen Fall“ werde es einen Schritt geben, danach werde man weitersehen. Auch andere Ratsmitglieder stellten sich öffentlich hinter Lagarde, die die Geldpolitik „in einer guten Position“ sieht. Übersetzt: Die EZB glaubt, sie hat gerade die richtige Flughöhe – und will nicht am Steuer reißen.

Vor dieser Pause hatte die Notenbank die Zinsen zwar stetig, insgesamt aber deutlich gesenkt. Der erhoffte Effekt ist weitgehend da: Die Inflation kommt runter, ohne dass die Wirtschaft komplett abgewürgt wirkt.

Inflation nah am Ziel – Kern bleibt zäher

Die jüngsten Daten liefern der EZB Rückenwind für den Stillstand. Die Teuerung im Euroraum lag im November bei 2,1 Prozent und damit nahe an der Zwei-Prozent-Marke. Der Punkt, der für die EZB meist mehr zählt als die Schlagzeile, ist die Kerninflation: Das ist die Rate ohne die besonders wackligen Teile (typisch: Energie, oft auch Lebensmittel) – sie lag bei 2,4 Prozent. Kerninflation ist so etwas wie der „harte Kern“ der Preisentwicklung: weniger Wetter, mehr Alltag.

Die Frage, die an den Märkten trotzdem rumort: War’s das mit dem Lockerungsmodus – oder kommt irgendwann die nächste Zinssenkung? Genau dafür werden die neuen EZB-Prognosen spannend.

Neue Projektionen verschieben den Blick nach hinten

Die EZB aktualisiert ihre Projektionen zu Wachstum und Inflation turnusmäßig bei jeder zweiten Sitzung – also auch heute. Lagarde hatte bereits angedeutet, dass die Wachstumsprognosen eher nach oben angepasst werden könnten, unter anderem weil der Euroraum widerstandsfähiger gegen US-Zölle sei. Im dritten Quartal lag das Wachstum bei 0,3 Prozent, und auch fürs vierte Quartal deuten Indikatoren auf Stabilität.

Zum ersten Mal nennt die EZB außerdem konkrete Werte für 2028. Das ist mehr als Zahlenkosmetik: Damit rückt ein möglicher Preisschub in den Fokus, der bisher weiter weg wirkte.

Denn in den Jahren 2026 und 2027 könnte die Inflation nach den aktuellen Annahmen sogar unter die Zwei-Prozent-Marke rutschen. Gleichzeitig wird in Brüssel an einer Verschiebung des neuen CO₂-Preissystems ETS 2 gearbeitet: Der Preisdruck, der durch teurere fossile Kraftstoffe wie Benzin und Diesel entstehen kann, würde sich eher später zeigen. Oder salopp: Der Preis-Hammer kommt nicht weg – er hängt nur länger am Nagel.

London zuerst, Washington gleich hinterher

Vor der EZB liefert heute schon die Bank of England ihren Zinsentscheid: Der Beschluss samt „Monetary Policy Summary“ wird um 13.00 Uhr in Berlin veröffentlicht.

Und kaum ist Frankfurt durch, schaut der Markt Richtung USA: Die US-Verbraucherpreisdaten (CPI) für November werden um 14.30 Uhr in Berlin veröffentlicht. Die entscheidende Frage für den Nachmittag lautet damit: Bleibt die EZB-Pause entspannt, wenn die US-Inflation wieder stärker wirkt – oder kippt die Debatte schneller zurück in Richtung „doch wieder mehr Vorsicht“?