ZF braucht in diesen Tagen jede gute Nachricht – und genau so eine kommt jetzt von BMW: Der Autobauer bestellt bei den Friedrichshafenern ein Paket, das richtig groß ist. Mehrere Milliarden Euro schwer, Laufzeit bis in die späten 2030er-Jahre. Geliefert und weiterentwickelt werden soll das Acht-Gang-Automatikgetriebe 8HP.
Das ist ein Vertrag, der nicht nur auf dem Papier gut aussieht. Er zeigt vor allem: Verbrenner und Hybride sind noch lange nicht tot. Genau dort verdient ZF mit dem 8HP weiter Geld, weil das Getriebe sowohl zu klassischen Benzin- und Dieselautos als auch zu Hybridmodellen passt.
Für ZF ist das intern ein dickes Ausrufezeichen. Ein Sprecher nennt es den größten Einzelauftrag für Getriebe, den die Division E seit 2019 eingesammelt hat. Diese Sparte ist nicht irgendeine Abteilung, sondern die Kernsparte – und damit auch der Maschinenraum der aktuellen Sanierung. Dort baut ZF alles rund um Antriebe: elektrisch, hybrid und eben auch klassisch mit Verbrennungsmotor.
Gute Auslastung – aber kein Job-Rettungsring
Vom Auftrag sollen alle Getriebewerke profitieren. Produziert wird in Saarbrücken, im US-Bundesstaat South Carolina und in Shanghai. Heißt: ZF verteilt die Stückzahlen global, so wie es große Zulieferer heute machen.
Wer jetzt aber glaubt, das sei der große Befreiungsschlag für deutsche Standorte, liegt daneben. ZF sagt klar: Auf die geplanten Stellenstreichungen in Deutschland hat der Deal keinen Einfluss. Bis Ende 2028 sollen nach früheren Angaben bis zu 14.000 Jobs wegfallen. Tausende sind schon gestrichen, vielerorts wurde die Arbeitszeit gekürzt. Der Vertrag kann die Werke beschäftigen – er stoppt aber nicht den Rotstift.
BMW schweigt, ZF ringt um Luft
Für den Konzern ist der Auftrag trotzdem ein wichtiges Signal. Er deutet darauf hin, dass sich ZF mit seinem wichtigsten deutschen Kunden zumindest beim Getriebe-Thema langfristig sortiert hat. BMW wollte sich dazu nicht äußern – was in solchen Fällen eher die Regel als die Ausnahme ist.
Der Deal kommt nämlich aus einer Phase, in der ZF sich mit Altlasten herumplagt. In den vergangenen Jahren hat der Zulieferer Aufträge für elektrische Antriebsstränge im Wert von 30 Milliarden Euro eingesammelt – teilweise zu Preisen, bei denen am Ende kaum etwas hängen bleibt. Darunter war auch ein großer Teil von BMW. Und wenn Verträge nicht mal die Kosten decken, wird es schnell unerquicklich: Es wurde monatelang nachverhandelt.
Kurz vor Weihnachten hat der neue ZF-Chef Mathias Miedreich dann hörbar aufgeräumt und bei einigen Projekten die Reißleine gezogen. Seine Ansage: Schluss mit dem Geldverbrennen. Die Sonderbelastungen daraus sollen für 2025 zu einem buchhalterischen Verlust von rund anderthalb Milliarden Euro führen. Übersetzt: In der Bilanz sieht es erstmal übel aus, weil man Fehler aus der Vergangenheit sauber wegschreibt.
Der neue Getriebeauftrag hat mit diesen Verlustprojekten offiziell nichts zu tun. In der Autoindustrie läuft es aber oft so: Alte Probleme werden gern mit neuen Deals glattgezogen – zumindest im Gesamtpaket. Wie genau das hier verrechnet wird, sagen die Unternehmen meistens nicht. Transparenz ist in diesem Geschäft keine Lieblingsdisziplin.
Der Druck bleibt gewaltig
ZF steckt weiter tief in der Krise. Rund elf Milliarden Euro Schulden aus Übernahmen drücken, dazu kommen schwache Bestellungen der Autobauer. Das ist der Cocktail, der selbst große Zulieferer ins Taumeln bringt.
Trotzdem bleibt ZF ein Riese: rund 161.600 Mitarbeiter, 161 Standorte, 30 Länder. 2024 lag der Umsatz bei etwa 41,4 Milliarden Euro. Die Zahlen für 2025 will der Konzern am 19. März vorlegen.
Bis dahin bleibt die entscheidende Frage: Wird der Milliardenauftrag zum stabilen Geländer, an dem sich ZF wieder hochzieht – oder ist es nur ein kräftiger Schluck Wasser, während das Feuer im Hintergrund weiter brennt?

