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24. März 2026

Was Oracle jetzt mit KI plant, könnte den Büroalltag komplett verändern

Oracle
Foto: Depositphotos.com / Joeppoulssen

Wer bei Unternehmenssoftware immer noch an graue Masken, Excel-Mief und stumpfes Datengekloppe denkt, liegt bei Oracle inzwischen daneben. Der Konzern schraubt seine Finanz- und Einkaufslösungen gerade so um, dass künftig nicht mehr der Mitarbeiter jeden Kleinkram selbst eintippt, sondern KI-Agenten einen guten Teil der Arbeit wegfräsen.

Das ist kein nettes Software-Update für die IT-Abteilung, sondern ein ziemlich klarer Machtkampf um die Zukunft von Büroarbeit. Denn seit Monaten steht die Frage im Raum, ob Künstliche Intelligenz klassische Business-Software irgendwann plattmacht. Oracle versucht jetzt, den Spieß umzudrehen: Die Software soll nicht vom KI-Boom überrollt werden, sondern selbst zur Kommandozentrale für genau diesen Boom werden.

KI soll die Fleißarbeit übernehmen

Konkret baut Oracle seine cloudbasierte Fusion-Suite um. Das ist die Softwarefamilie, mit der große Konzerne zentrale Abläufe steuern – also etwa Produktionsplanung, Einkauf, Zahlungsströme oder offene Forderungen. Statt dass sich Mitarbeiter mühsam durch verschiedene Programme wühlen, sollen sie künftig eher eine Geschäftsfrage stellen. Die KI soll dann selbst herausfinden, wo die Daten liegen, was zusammengehört und was als nächster Schritt sinnvoll ist.

Oracle-Manager Steve Miranda formuliert das erstaunlich offen. Menschen sollen sich stärker auf Entscheidungen konzentrieren: etwa darauf, wie ein neues Produkt schneller und billiger entwickelt werden kann, ohne dass die Lieferkette dabei auseinanderfliegt. Lieferkette heißt am Ende schlicht: Kommt die Ware pünktlich und ohne Chaos an – oder eben nicht. Die Sucherei, das Einsammeln von Daten und das Vorbereiten von Abläufen soll stärker die Maschine übernehmen.

Besonders interessant ist, wie unverblümt Oracle über Routinejobs spricht. Rechnungen eintippen, Bestellungen anlegen, Informationen zusammensuchen – all das wird nicht mehr als wertvolle Kernarbeit verkauft, sondern als Tätigkeiten, die KI weitgehend ersetzen soll. So deutlich hört man das aus den Chefetagen nicht immer. Die Botschaft ist klar: Wer heute nur Formulare füllt, sitzt in einem Bereich, in dem es ungemütlich werden kann.

Oracle steht selbst unter Druck

Der Vorstoß kommt nicht aus einer Position völliger Stärke. Laut Reuters hat die Oracle-Aktie in diesem Jahr bislang rund 40 Prozent verloren. Das ist kein kleiner Kratzer, sondern ein ordentlicher Schlag. Dahinter steckt auch die Sorge von Investoren, dass KI komplizierte Unternehmenssoftware am Ende eher entwertet als aufwertet. Genau gegen dieses Szenario argumentiert Oracle nun mit voller Wucht.

Das passt in einen breiteren Trend. Viele Anbieter spezialisierter Unternehmenssoftware bauen ihre Produkte gerade für KI-Agenten um – also für digitale Helfer, die nicht nur antworten, sondern Aufgaben direkt ausführen. Oracle will dabei offenkundig nicht hinterherrennen. Der Konzern versucht, früh festzulegen, wie diese neue Arbeitsteilung aussieht: Mensch für Urteil und Verhandlung, Maschine für Fleißarbeit und Ausführung.

Einerseits hat diese Strategie Charme. Wenn Unternehmen weniger Zeit mit Klickerei, Datensuche und Doppelpflege verschwenden, ist das ein echter Produktivitätsschub. Andererseits wird sich erst noch zeigen müssen, ob das im Alltag sauber funktioniert oder am Ende nur eine schicke KI-Schicht über alten Softwareproblemen ist. Genau da liegt der Knackpunkt: Große Versprechen gibt es derzeit im Wochentakt, belastbare Ergebnisse deutlich seltener.

Oracle setzt damit jedenfalls ein deutliches Signal. Der Konzern will nicht der nächste Altanbieter sein, der sich von der KI-Welle nass machen lässt, sondern einer, der auf dem Brett stehen bleibt. Ob das trägt, wird nicht auf der Bühne in London entschieden, sondern dort, wo Unternehmen täglich mit solchen Systemen arbeiten müssen – unter Zeitdruck, mit echten Kosten und ohne Geduld für technischen Hokuspokus.