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9. Februar 2026

Warsh bremst die Fed aus: Warum die Bilanz jetzt nicht schrumpft

FED
Foto: Depositphotos.com / DmitriyDemidovich

Wer gehofft hat, dass die Fed bald den großen Bilanz-Bulldozer anwirft, bekommt erst mal einen Dämpfer: Ausgerechnet unter dem designierten Notenbankchef Kevin Warsh soll es beim Abbau nicht schnell gehen.

Ein Jahr Pause statt schneller Kurswechsel

US-Finanzminister Scott Bessent hat im Interview bei Fox News ziemlich klar durchblicken lassen, wie er die nächsten Schritte einschätzt. Die Entscheidung über die Bilanz liege zwar bei der Notenbank, sagte er. Aber: Die Fed werde sich „mindestens ein Jahr Zeit“ nehmen, um überhaupt zu entscheiden, was sie tun will. Das ist kein technisches Detail, sondern ein Signal an Märkte, Banken und Hauskäufer: Hier wird erst mal geprüft, nicht geprescht.

Bessent legte noch nach und betonte, Warsh werde als Fed-Chef „sehr unabhängig“ agieren. Das klingt nach dem klassischen Satz für die Beruhigungspille: Keine politische Fernsteuerung, kein Durchregieren aus dem Weißen Haus. Nur: Genau an dieser Stelle wird es spannend. Denn Warsh ist nicht gerade als Fan der gigantischen Fed-Bilanz bekannt.

Was diese Bilanz überhaupt ist

Die Bilanzsumme ist im Kern das Vermögen der Fed – hauptsächlich US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere. Auf Deutsch: Papiere, mit denen die Notenbank die Zinsen und damit die Kreditkosten beeinflussen kann. Wird diese Bilanz kleiner, zieht die Fed tendenziell Geld aus dem System. Wird sie größer, bleibt mehr Liquidität im Umlauf. Klingt sperrig, ist aber am Ende simpel: Mehr Notenbankgeld macht Finanzbedingungen meistens lockerer, weniger macht sie straffer.

Warsh als Kritiker – aber ohne Sofort-Abriss

Warsh, der von 2006 bis 2011 im Direktorium der Fed saß, hat genau diese Anleihebestände in der Vergangenheit kritisiert. Seine Linie: Die riesigen Bestände verzerren die Finanzmärkte und sollten drastisch reduziert werden. Für ihn sind die Käufe kein harmloses Werkzeug, sondern eher eine Art Dauer-Stützräder für die Märkte. Wer daraus ableitet, Warsh werde sofort die Abrissbirne schwingen, hört jetzt von Bessent: eher nicht.

Trumps Hypothekenwunsch trifft auf Fed-Realität

Und dann kommt der politische Elefant im Raum. US-Präsident Donald Trump fordert deutlich niedrigere Hypothekenzinsen. Genau hier kann ein schneller Bilanzabbau zum Problem werden. Experten sagen: Wenn die Fed ihre Bestände zügig verkleinert, kann das die langfristigen Zinsen nach oben drücken – und damit Hypotheken teurer machen. Heißt: Das, was Trump will, könnte die Notenbank mit zu viel „Aufräumen“ aus Versehen kaputtmachen. Dazu kommt das Risiko für die Finanzstabilität: Wenn im System plötzlich zu wenig Liquidität ist, kann es an den Märkten schneller rumpeln, als vielen lieb ist.

Neun Billionen, dann der Rückwärtsgang

Zur Einordnung: Die Fed hat ihre Bilanz in zwei großen Wellen aufgebläht – erst in der globalen Finanzkrise, später in der Corona-Pandemie. Ziel war, die langfristigen Zinsen zu drücken und das System am Laufen zu halten. Im Sommer 2022 lag die Bilanzsumme bei rund neun Billionen Dollar, also in einer Größenordnung, die früher kaum vorstellbar war.

Danach begann der Rückwärtsgang. Die Fed ließ Anleihen auslaufen, statt sie zu ersetzen. Dieser Abbauprozess heißt „Quantitative Tightening“ – im Klartext: Die Notenbank dreht den Geldhahn etwas zu, ohne gleich den Leitzins anzuheben. Dadurch schrumpfte das Volumen bis Ende 2025 auf 6,6 Billionen Dollar.

Warum die Fed im Dezember wieder kaufte

Nur ganz so geradlinig ist es eben nicht. Im Dezember begann die Fed, ihren Bestand durch den Kauf kurz laufender Staatsanleihen technisch zu erhöhen. Warum? Damit genug Liquidität im Finanzsystem bleibt – also genügend „Schmieröl“, damit Banken und Märkte nicht trockenlaufen. Einerseits läuft also das Programm zum Schrumpfen weiter, andererseits gibt’s eine Maßnahme, die wie eine kleine Gegenbewegung wirkt. Das zeigt: Bei der Bilanz geht es nicht nur um Prinzipien, sondern um Funktionieren.

Die Gratwanderung unter Warsh

Unterm Strich spricht vieles dafür, dass Warsh – trotz seiner Kritik – erst mal genau hinschaut, bevor er große Schritte macht. Die nächste Runde wird zur Gratwanderung: nicht zu zaghaft, damit die Märkte nicht auf Dauer an Notenbank-Stützräder gewöhnt werden – aber auch nicht zu hart, damit Hypothekenzinsen und Finanzstabilität nicht unnötig unter die Räder kommen. Entscheidend wird sein, ob die Fed diesen Spagat hinbekommt, ohne dass es irgendwo knallt.