Tim Scott haut eine Ansage raus, als wäre die Sache schon durch: Kevin Warsh werde „zu 100 Prozent“ neuer Fed-Chef. Nur dumm, dass im Senat schon ein einziger Wackler reicht, damit aus dem großen Versprechen ein politischer Stau wird.
Scott, der im US-Senat den wichtigen Bankenausschuss führt, sagte das am Mittwoch bei Fox Business. Warsh ist der Kandidat von Präsident Donald Trump – und genau deshalb hängt an dieser Personalie mehr als nur ein Name auf einem Türschild. Es geht um Macht über Zinsen, Geld und damit über das Nervensystem der US-Wirtschaft.
Seine Zuversicht begründet Scott mit einem Gespräch am Wochenende: Er habe mit Thom Tillis gesprochen, einem Parteikollegen und ebenfalls Ausschussmitglied. Tillis ist ausgerechnet der Mann, der vorher den harten Blockierer gab. Seine Drohung: Er könne Fed-Nominierungen stoppen, bis die Ermittlungen des Justizministeriums gegen den amtierenden Fed-Chef Jerome Powell durch sind.
Ermittlungen gegen Powell: Was dahintersteckt
Worum geht’s bei diesen Ermittlungen? Laut Bericht stehen zwei Punkte im Raum: mögliche Unregelmäßigkeiten bei der milliardenschweren Sanierung von Fed-Gebäuden und der Verdacht, Powell habe vor dem Kongress womöglich nicht sauber ausgesagt. Übersetzt: Es geht um teure Bauprojekte und um die Frage, ob der Chef dabei ehrlich war.
Tillis legte am Mittwoch bei CNBC nach – und klang dabei wie jemand, der Warsh eigentlich will, aber die Handbremse nicht ganz lösen mag. Warsh sei eine „großartige Wahl“, sagte er. Das Problem seien aber Bedenken hinsichtlich des Verfahrens. Gemeint ist das politische Drumherum: Erst soll geklärt sein, was an den Powell-Vorwürfen dran ist, dann könne man weiterreden. Gleichzeitig nannte Tillis die Anschuldigungen gegen Powell „unsinnig“ und meinte, man müsse darüber hinwegkommen. Einerseits also Verfahrenstreue, andererseits Augenrollen – die Mischung ist explosiv.
Eine Stimme kann alles kippen
Und dann ist da die Mathematik, die im Senat gnadenlos ist: Im Bankenausschuss haben die Republikaner nur 13 zu 11 Stimmen. Heißt: Ein einziger Abweichler kann eine Pattsituation erzwingen – und dann hängt alles. Genau deshalb setzten die Demokraten am Dienstag den Hebel an: Alle elf Ausschussmitglieder forderten Scott auf, Warshs Anhörung zu verschieben, bis die Powell-Untersuchung abgeschlossen ist.
Der Bankenausschuss ist dabei mehr als ein Wartezimmer. Dort wird der Kandidat hart befragt, danach stimmt der Ausschuss ab. Erst wenn Warsh dort eine Mehrheit bekommt, geht die Personalie in den gesamten Senat – und erst dann fällt die endgültige Entscheidung. Wer hier stolpert, stolpert früh.
Scott gegen Powell: Kritik ohne Strafkeule
Scott versucht, das Thema Powell gleichzeitig klein und groß zu machen. Klein, wenn es um Strafrecht geht: Er sehe keine strafrechtlichen Bedenken, sagte er. Groß, wenn es um Leistung geht: Inhaltlich gebe es tiefgreifende Differenzen, Powell habe schlecht gearbeitet, und es sei Zeit für einen Wechsel. Scotts Satz dazu sitzt: Inkompetenz ist keine Straftat. Übersetzt: Powell sei aus seiner Sicht vielleicht schlecht, aber nicht kriminell.
Powell bleibt im Spiel – auch ohne Chefposten?
Der Knackpunkt: Powells Rolle ist damit nicht erledigt. Seine Amtszeit als Vorsitzender endet am 15. Mai. Sein Mandat als Mitglied im Gouverneursrat läuft aber bis Januar 2028. Und genau da steckt der Haken: Wenn Powell trotz Verlust des Chefsessels im Rat bleibt – ein historisch seltener Schritt –, kann er weiter mitreden, wenn über Zinsen entschieden wird. Das würde die Linie der Fed künftig komplizierter machen, weil plötzlich ein Ex-Chef mit am Tisch sitzt.
Der Platzhalter Miran und das nächste Stühlerücken
Außerdem hat das Folgen für die Personalplanung, die in Washington inzwischen wie ein Schachspiel wirkt. Warsh muss einen der sieben Gouverneursposten besetzen, um überhaupt zum Vorsitzenden gewählt werden zu können. Genau diesen Platz hält aktuell Stephen Miran als Platzhalter warm.
Miran ist nicht irgendwer. Trump berief ihn im September 2025 in den Gouverneursrat, nachdem Adriana Kugler, die von Ex-Präsident Joe Biden ernannt worden war, überraschend zurückgetreten ist. Offiziell bleibt Miran auf dem Posten, bis Warsh bestätigt ist.
Parallel dazu gibt es das nächste Signal aus dem Trump-Lager: Miran hat am Dienstag seinen Rücktritt als Chef des Wirtschaftsberaterstabs im Weißen Haus bekannt gegeben – ein Schritt, den er laut Bericht schon im Herbst angekündigt hatte. Das wirkt wie Aufräumen vor einer neuen Runde, ist aber noch längst kein Freifahrtschein für die Fed.
Denn wenn Powell im Rat bleibt und ein Amtsenthebungsverfahren gegen Gouverneurin Lisa Cook scheitert, wäre in den kommenden Jahren schlicht kein Platz mehr für Miran im siebenköpfigen Gouverneursrat. Miran gilt als loyal gegenüber Trump und stimmte zuletzt im Offenmarktausschuss gegen die Mehrheit für stärkere Zinssenkungen – also für eine aggressivere Lockerung, wie Trump sie seit Langem fordert. Die entscheidende Frage ist damit nicht nur, ob Warsh durchkommt, sondern ob Washington der Fed am Ende noch enger die Leine anlegt.

