Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


17. Februar 2026

VW will 60 Milliarden Euro sparen – und plötzlich steht das Wort Werksschließung im Raum

Volkswagen_VW
Foto: Depositphotos.com / bondvit

Volkswagen zieht die Sparschraube so fest an, dass es knirschen könnte. Bis Ende 2028 soll der Konzern seine Kosten konzernweit um 20 Prozent drücken – ein Ziel, das intern als Messlatte für alle Marken und alle Kostenarten gelten soll.

Die Ansage soll Mitte Januar vor rund 120 Top-Führungskräften gefallen sein, präsentiert von Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz. Im Raum sollen dabei auch Werksschließungen stehen. Volkswagen kommentiert das nicht. Blume will am 10. März zur Bilanz 2025 den Stand der seit Jahren laufenden Sparbemühungen darstellen.

Warum jetzt noch härter gespart wird

Der Grundton ist klar: Die Rendite macht Sorgen. Rendite heißt übersetzt schlicht: Wie viel Gewinn am Ende wirklich übrig bleibt. Drückend wirken eine Flaute in China, Unsicherheit durch die US-Zollpolitik und ein Wettbewerb, der eher Haifischbecken als Kuschelzone ist. Blume wird mit dem Satz zitiert, der die Richtung vorgibt: Der Konzern müsse die Gewinnschwelle senken. Also den Punkt, ab dem Volkswagen überhaupt anfängt, Geld zu verdienen.

Das Sparziel entspricht einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro. In den vergangenen zwei Jahren habe der Konzern bereits 33 Milliarden Euro eingespart. Zudem seien seit dem 2023 beschlossenen Plan zur höheren Profitabilität konzernweit Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe realisiert worden. Im Dezember habe die Konzernspitze bei einem Führungstreffen erneut einen anhaltenden Sparkurs angemahnt und dabei auf das schwierigere Marktumfeld verwiesen.

Betriebsrat stellt sich quer – zumindest bei Werksschließungen

Beim Thema Werke ist die Lage heikel. Der Betriebsrat erinnert an eine Vereinbarung von Ende 2024: Zwischen 2025 und 2030 sollen in Deutschland 35.000 Stellen abgebaut werden, sozialverträglich. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen seien dabei ausgeschlossen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo wird mit einer klaren Ansage zitiert: Mit dem Betriebsrat werde es keine Werksschließungen geben. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Sparen ja, aber nicht um jeden Preis und sicher nicht über die Schließung von Standorten.

Finanzdruck: Wenn das Rating wackelt, wird’s ungemütlich

Dazu kommt der Blick der Kreditwächter. Der Ausblick für Volkswagen sei kurz vor Weihnachten auf negativ gesetzt worden. Das heißt: Es besteht ein erhöhtes Risiko, dass Volkswagen wichtige Finanzkennziffern nicht hält, die für die Bonitätsnote entscheidend sind, und das kann Finanzierung teurer machen.

Antlitz soll deshalb zuletzt sechs Milliarden Euro an Liquidität organisiert haben. Liquidität ist nichts anderes als sofort verfügbares Geld. Ein Teil soll über den Verkauf von Forderungen gekommen sein, also über das schnelle Zu-Geld-Machen von Ansprüchen. In einem internen Interview wird Antlitz außerdem mit der Einschätzung zitiert, 2025 liege die Rendite bei rund drei Prozent, kein nachhaltiges, robustes Ergebnisniveau und zu wenig, um kraftvoll investieren zu können. Sein Fazit: Die Restrukturierung müsse weiter entschieden vorangetrieben werden.

Entscheidend wird nun, ob Volkswagen bis März mehr liefern kann als Ansagen und ob der Konzern einen Weg findet, die Kosten wirklich zu drücken, ohne dass der nächste Streit um Werke und Jobs zur Dauerbaustelle wird.