Wenn ein Autoriese wie Volkswagen plötzlich ins Stolpern gerät, wird es ungemütlich – vor allem dort, wo der Konzern jahrelang unangefochten schaltete und waltete. Der Blick nach China macht das besonders deutlich: Ein Markt, der VW jahrzehntelang wie auf einem goldenen Tablett serviert wurde, dreht dem Hersteller nun die kalte Schulter zu. Minus 8,4 Prozent im Absatz – das ist kein Schönheitsfehler, das ist ein Brett.
China läuft Volkswagen davon
Die Gründe liegen offen auf dem Tisch. Die chinesischen Hersteller ziehen bei Elektroautos inzwischen im Affenzahn vorbei, während VW noch versucht, die Zündschlüssel zu sortieren. Die Kooperation mit Xpeng soll das Debakel abfedern. Ein mutiger Schritt – oder ein Notnagel, je nach Blickwinkel. 2026 sollen die ersten gemeinsamen Modelle kommen, dazu über zehn neue elektrifizierte Fahrzeuge allein für China. Klingt nach „alles auf Angriff“. Gleichzeitig bleibt die Frage: Reicht das, um wieder ernsthaft mitzuspielen?
In den USA klemmt es ebenfalls
Währenddessen brennt es auch auf der anderen Seite des Pazifiks. Der US-Markt kippt um 8,2 Prozent nach unten. Ein Grund: Zölle, die Autos aus Europa oder Mexiko plötzlich deutlich teurer machen. Ein zweiter Grund: Die staatliche Förderung für E-Autos ist ausgelaufen – und mit ihr ist auch die Nachfrage für den lokal gebauten ID.4 in den Keller gerauscht. Das Werk in den USA hilft nur bedingt, wenn zentrale Baureihen weiterhin importiert werden müssen. Kurz gesagt: ein schwieriges Pflaster.
Europa hält den Laden zusammen
Dafür zeigt sich Europa erstaunlich stabil. Plus 5,1 Prozent – kein Feuerwerk, aber ein klares Zeichen, dass VW hier noch zieht. Vor allem der ID.7 sorgt für Bewegung im Markt. Und mit dem ID.Polo, der 2026 für rund 25.000 Euro starten soll, zielt Volkswagen auf die große Gruppe der Käufer, die zwar elektrisch fahren wollen, aber nicht bereit sind, dafür ein Vermögen hinzulegen. Genau dieses Preissegment könnte in den kommenden Jahren die Musik machen.
Unterm Strich steht Volkswagen vor einer echten Belastungsprobe. China und die USA schwächeln gleichzeitig – und das kann selbst ein Konzern dieses Kalibers nicht mit einer Handbewegung wegwischen. Ob die neuen Modelle und Strategien reichen, um den Trend zu drehen? Das wird sich schneller zeigen, als VW lieb sein dürfte.

