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1. April 2026

Volkswagen prüft 1500 Firmen: Jetzt wackelt das eigene Imperium

VW Volkswagen
Foto: depositphotos.com / OceanProd

Volkswagen hat sich über Jahrzehnte einen Konzern gebaut, der inzwischen selbst für Insider eher nach Wimmelbild als nach sauberem Industrieapparat aussieht. Genau da setzt der Vorstand nun an: Nach Informationen der WirtschaftsWoche wird das komplette Firmenportfolio durchleuchtet, also mehr als 1500 Tochtergesellschaften und Beteiligungen. Das ist keine Randnotiz aus der Verwaltung, sondern ein Eingriff in den Maschinenraum des Konzerns.

Hinter der Aktion steckt ein ziemlich nüchterner Gedanke: Diese gewaltige Struktur frisst Aufwand, bindet Leute und macht Entscheidungen langsam. In Konzernkreisen heißt es, man wolle die Komplexität des Volkswagen-Konzerns reduzieren und die Beteiligungsstruktur klarer und fokussierter aufstellen. VW selbst wollte sich dazu nicht äußern. Allein das zeigt schon, wie heikel das Thema intern offenbar ist.

Der Konzern räumt sein eigenes Dickicht auf

Zu tun gibt es reichlich. Laut Jahresabschluss kommt Volkswagen auf 1525 Tochterfirmen und Beteiligungen. Im Geschäftsbericht tauchen seitenweise Gesellschaften mit teils sperrigen Namen auf, darunter Hangzhou Q-Car Automobile Sales and Service, James Young Limited, PCTX LLC, die P911 AG oder die A4nXT GmbH von Audi. Letztere ist im Kern eine Beteiligungshülle, also eine Gesellschaft, die vor allem Anteile kauft, hält, verwaltet und notfalls wieder verkauft.

Der Vorstand will nun jede einzelne Beteiligung darauf abklopfen, ob sie dem Konzern in den kommenden Jahren überhaupt noch etwas bringt. Ein Insider brachte es gegenüber der WirtschaftsWoche auf die knappe Formel: „Wir gehen alle Beteiligungen mit dem Kamm durch.“ Das klingt erst einmal trocken, ist aber in Wahrheit ziemlich brisant. Denn wer so vorgeht, sortiert am Ende nicht nur Aktenordner, sondern womöglich ganze Unternehmensteile aus.

Erst Überblick, dann mögliche Verkäufe

Zunächst geht es offenbar darum, in das unübersichtliche Geflecht überhaupt wieder Ordnung zu bekommen. Danach sollen mögliche Verkäufe vorbereitet und umgesetzt werden. Denkbar ist dem Bericht zufolge auch, dass Volkswagen Beteiligungen an größeren börsennotierten Gesellschaften reduziert, um Kapital freizuschaufeln. Der Prozess dürfte sich nicht in ein paar Wochen erledigen, sondern eher über Jahre ziehen. Auch große Töchter wie Audi oder Porsche sind laut den Insidern eingebunden und prüfen ihrerseits die bei ihnen angedockten Beteiligungen.

Ein größerer Verkauf läuft bereits: Der konzerneigene Motorenhersteller Everllence soll abgestoßen werden. Im Unternehmen wird außerdem über weitere Einheiten spekuliert, die nun auf den Markt kommen könnten. Das passt ins Bild eines Konzerns, der nicht mehr alles mitschleppen will, nur weil es historisch irgendwann einmal ins Haus geholt wurde.

Bei IAV, Italdesign und MHP wird es konkret

Besonders konkret wird es laut Bericht beim Ingenieurdienstleister IAV. Volkswagen sondiere demnach einen Verkauf seiner Anteile. IAV ist keine kleine Bastelbude, sondern einer der wichtigsten Entwicklungsdienstleister der deutschen Autoindustrie. Weltweit arbeiten dort 6600 Menschen, davon rund 5500 in Deutschland. Das Unternehmen betreibt Prüfzentren, optimiert das Motormanagement von Fahrzeugen und entwickelt autonom fahrende Shuttle-Dienste für den Nahverkehr.

Auch ein Verkauf des Designstudios Italdesign und der Unternehmensberatung MHP erscheint laut WirtschaftsWoche möglich. Nicht zur Disposition stehen sollen dagegen die kleineren Autobauer im Portfolio, darunter Bugatti, Rimac und Lamborghini. Genau dieser Kontrast ist spannend: Einerseits will Volkswagen offenbar Kasse machen und Komplexität abbauen, andererseits werden prestigeträchtige Marken weiter als strategisch wertvoll betrachtet. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Hier wird gerade sehr genau getrennt zwischen Ballast und Tafelsilber.

Die eigentliche Frage ist nun, wie radikal der Konzern am Ende wirklich vorgeht. Ein bisschen Aufräumen kann jeder Großkonzern verkünden. Interessant wird es erst, wenn Volkswagen nicht nur an den Rändern stutzt, sondern die Struktur tatsächlich schlanker macht. Dann wäre diese Prüfung weit mehr als ein Verwaltungsprojekt. Dann wäre sie ein ziemlich deutliches Signal, dass sich der Konzern von alten Gewohnheiten verabschieden muss.