Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


30. Oktober 2025

Volkswagen-Aktie: 1,3-Milliarden-Delle – kommt jetzt der Turnaround?

Volkswagen VW
Foto: depositphotos.com / OceanProd

Volkswagen hatte sich das Jahr vermutlich wie eine ruhige Landstraße vorgestellt: Tempomat rein, Motor schnurrt, alles easy. Stattdessen gibt’s ein ordentliches Schlagloch, und zwar direkt in der Bilanz. Der Konzern fährt (laut Pressemitteilung von heute) im dritten Quartal operativ rund 1,3 Milliarden Euro Verlust ein. Der Umsatz steigt auf 80,3 Milliarden Euro, aber das reicht nicht, wenn hinten ein Sack Beton am Stoßfänger hängt.

Das Minus kommt nicht, weil VW plötzlich keine Autos mehr loswird. Der Laden verkauft weiter – nur eben mit Ballast. Das Ergebnis rauscht runter, und zwar nicht ein bisschen, sondern so, dass man es beim ersten Blick auf die Zahlen merkt.

Porsche bremst, Zölle drücken: Willkommen im Sandkasten der Wirtschaftspolitik

Mit dem Kerngeschäft kann VW sich nicht beschweren, denn das liefert. Das Problem: Sonderkosten, und davon reichlich. Die USA schmeißen mit Zöllen um sich wie Kinder mit Sand, und VW steht ohne Sonnenbrille daneben. Dazu kommt die strategische Kehrtwende bei Porsche, inklusive gestrichener Projekte, Wertbereinigungen und Umbau-Baustelle. Da verschwinden Milliarden schneller aus der Bilanz, als man „Modellpalette“ sagen kann.

Ohne diesen Kostenbrocken hätte VW sich im dritten Quartal eine operative Marge von 5,4 Prozent gegönnt. Heißt: Motor läuft, Werk dreht, Kunden da – nur eben mit Mehraufwand im Hintergrund. Transformation ist nicht gratis, sondern fühlt sich an, als würde man bei Vollgas gleichzeitig Betonplatten in den Kofferraum stapeln.

Zahlencheck: Kein Totalschaden, aber auch kein Glanzlack

Trotz des Quartalsrutschers stehen für die ersten neun Monate starke Brocken: 238,669 Milliarden Euro Umsatz, 5,408 Milliarden Euro operatives Ergebnis. VW fährt also kein Wrack vor, sondern einen robusten Klotz Metall, dem jemand eine Delle reingehauen hat. Und der Vorstand tut nicht so, als wäre der Wagen schrottreif.

Der Ausblick bleibt wie zuletzt kommuniziert: 2 bis 3 Prozent Rendite, Netto-Cashflow im Automobilbereich um null, Netto-Liquidität rund 30 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Viel Baustelle, aber keine Panik im Maschinenraum.

Anleger wollen Schraubenschlüssel statt Konferenzfolien

Wer VW kennt, weiß: Die Zahlen allein entscheiden nicht. Entscheidend ist, ob das Management jetzt liefert, und zwar nicht nur im Pressezentrum, sondern im Werk. PowerPoint-Folien polieren ist das eine. Modelle planen, Kosten senken und Absatz stabil halten ist das, was Fragen beantwortet.

Aktionäre haben schon genug „Wir krempeln alles um“-Phasen gesehen, bei VW und anderswo. Die nächste Zeit wird zeigen, ob dieses Mal wirklich Schraubenschlüssel fliegen oder nur Flipcharts. Dass der Vorstand an seinem Kurs festhält, ist gut. Dass der Markt Beweise will, ist besser.

Was nun? Weiterfahren mit Warnlampe

Die kommenden Quartale sind kein Sonntagsausflug für VW. Es wird Prüfungen geben, Marktreaktionen, vielleicht auch unerwartete Bremsmanöver. Aber wer einen globalen Autokonzern umbaut, muss eben durch Werkstattlärm, Feinstaub und schmutzige Hände.

VW steht nicht am Randstreifen, aber die gelbe Kontrollleuchte blinkt. Läuft die Strategie an, wird der Wagen wieder sauber durchziehen. Bleiben Fortschritte aus, schaut der Markt genauer unter die Motorhaube. Eins ist klar: Das hier wird kein gemütliches Rollen, sondern eine Strecke, bei der man das Lenkrad besser festhält.