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7. April 2026

USA nehmen ASML ins Visier: Jetzt gerät selbst ältere Chiptechnik unter Beschuss

ASML
Foto: Depositphotos.com / JHVEPhoto

Im Chipkrieg mit China reicht Washington offenbar nicht mehr, nur die modernsten Maschinen abzuriegeln. Jetzt geht es auch an die Technik, die zwar nicht mehr ganz vorne an der Speerspitze steht, für Chinas Halbleiterindustrie aber immer noch verdammt wichtig ist.

Eine parteiübergreifende Gruppe von US-Politikern hat dazu den sogenannten MATCH Act vorgelegt. Der Entwurf soll den Export von Anlagen zur Chipfertigung nach China weiter beschneiden und würde damit Firmen wie ASML treffen – also genau jene Anbieter, ohne die viele chinesische Hersteller bei zentraler Produktionstechnik ziemlich alt aussehen würden.

Washington dreht an der nächsten Schraube

Der Kern des Vorstoßes ist schnell erklärt: Die USA wollen ihren Vorsprung bei Künstlicher Intelligenz absichern, indem sie China den Zugang zu Maschinen erschweren, die das Land selbst nicht in ausreichender Qualität bauen kann. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass Unternehmen aus verbündeten Staaten am Ende das Geschäft machen, das US-Firmen wegen bestehender Beschränkungen längst nicht mehr machen dürfen.

Das ist politisch durchaus bemerkenswert. Frühere Exportbremsen gegen Chinas Chipsektor kamen aus dem Weißen Haus – unter Donald Trump ebenso wie unter Joe Biden. Diesmal kommt der Druck aus dem Kongress. Das zeigt: Die harte Linie gegenüber China ist in Washington längst kein Projekt mehr einer einzelnen Regierung, sondern sitzt deutlich tiefer.

Warum ausgerechnet DUV jetzt so wichtig ist

Im Fokus stehen Technologien, bei denen China noch immer stark auf Importe angewiesen ist. Dazu gehört vor allem die sogenannte Immersions-DUV-Lithografie. Das klingt sperrig, ist aber am Ende nichts anderes als eine entscheidende Fertigungstechnik, mit der feine Strukturen auf Chips gebracht werden. In diesem Markt dominiert ASML aus den Niederlanden, Nikon aus Japan spielt nur die kleinere Nebenrolle.

Der Gesetzentwurf würde nicht nur den Verkauf solcher Anlagen an führende chinesische Chipkonzerne wie SMIC, Hua Hong, Huawei, CXMT und YMTC unterbinden. Auch Wartung und Service sollen gestoppt werden. Und genau das hat es in sich. Denn eine Maschine nur nicht mehr neu zu liefern, ist das eine. Bestehende Systeme nicht einmal mehr am Laufen halten zu dürfen, ist eine ganz andere Hausnummer.

Für ASML wird es heikel

ASML wollte den Vorstoß nicht kommentieren. Verständlich ist das schon: Der Konzern sitzt hier in einer ziemlich unangenehmen Zwickmühle. Die modernsten Systeme darf ASML wegen bestehender Regeln ohnehin nicht nach China liefern. Ältere DUV-Anlagen gingen bislang aber weiter an chinesische Hersteller – und auch an südkoreanische und taiwanische Konzerne mit Produktion in China. Genau diese Resttür könnte nun zugeschlagen werden.

Für ASML wäre das kein Randthema, sondern ein echter Einschnitt. China war 2025 der wichtigste Markt des Unternehmens und stand für 33 Prozent des Umsatzes. Im Januar hatte ASML bereits gesagt, dass dieser Anteil 2026 wohl auf 20 Prozent sinken werde. Doch selbst dieser Rückgang zeigt eher, wie groß die Bedeutung des China-Geschäfts bislang noch ist, als dass er Entwarnung gäbe.

Der Streit geht in die nächste Runde

Aus Den Haag kam entsprechend kein großes Donnerwetter, aber auch keine Unterstützung. Ein Sprecher des niederländischen Außenministeriums, das für Handels- und Exportpolitik zuständig ist, erklärte, man sehe es nicht als Aufgabe an, Gesetzesvorschläge aus anderen Ländern zu kommentieren. Das ist diplomatisch formuliert und heißt unterm Strich vor allem: erst mal abwarten.

Trotzdem ist die Richtung klar. Washington will nicht nur chinesische Chipkonzerne treffen, sondern zugleich verhindern, dass westliche Partner bei den Beschränkungen Schlupflöcher offenlassen. Einerseits ist der MATCH Act bisher nur ein Entwurf. Andererseits passt er nahtlos in das Muster der vergangenen Jahre: Die Schrauben werden im Halbleiterstreit Stück für Stück weiter angezogen. Die entscheidende Frage ist nun, ob daraus bloß zusätzlicher Druck wird – oder der nächste harte Schnitt für das Geschäft von ASML und anderen Ausrüstern.