Der US-Automarkt wirkt gerade wie ein Laden, in dem viele zwar schauen, aber immer weniger wirklich unterschreiben. Autos sind teuer, Kredite auch, und genau diese Mischung drückt jetzt selbst bei den großen Namen sichtbar auf die Verkaufszahlen.
General Motors und Toyota meldeten für das erste Quartal rückläufige Verkäufe in den USA. GM kam auf 626.429 Fahrzeuge und damit auf ein Minus von fast 10 Prozent. Toyota verkaufte 569.420 Einheiten und lag damit leicht unter dem Vorjahreswert. Laut Daten des Marktforschers Omdia schrumpfte der US-Automarkt im gesamten Quartal um 5,3 Prozent. Das ist kein kleiner Ausrutscher mehr, sondern ein ziemlich klares Signal: Viele Käufer ziehen sich zurück, weil Autos und Finanzierung schlicht zu teuer geworden sind.
Die Branche fährt nicht mehr im Gleichschritt
GM konnte sich trotz des Rückgangs immerhin an der Spitze des US-Quartalsmarkts halten. Der Konzern verwies auf Winterstürme zu Beginn des Quartals und auf einen besonders starken Vergleichszeitraum im Vorjahr. Toyota hielt sich vergleichsweise ordentlich, auch weil Crossover-SUVs wie der RAV4 weiter gefragt bleiben. Wer die Zahlen nüchtern ansieht, merkt schnell: Der Markt bricht nicht überall gleichermaßen weg, sondern sortiert brutal aus.
Mazda traf es härter. Der Hersteller meldete ein Absatzminus von rund 14 Prozent im Quartal. Stellantis dagegen schaffte nach längerer Schwächephase ein Plus von 4 Prozent in den USA, getragen von Fortschritten bei Ram und Jeep. Hyundai und Honda legten ebenfalls zu. Dort half vor allem die Nachfrage nach SUVs, Pick-ups und Hybridmodellen. Einerseits ist also noch Kaufbereitschaft da. Andererseits fließt das Geld deutlich gezielter in jene Modelle, die im Alltag brauchbar wirken und beim Verbrauch nicht völlig aus der Zeit gefallen sind.
Hohe Spritpreise ändern die Richtung, aber nicht das Problem
Zusätzlichen Druck bringt der Krieg mit Iran. Steigende Ölpreise setzen den Markt weiter unter Spannung, der landesweite Benzinpreis nähert sich 4 Dollar pro Gallone. Das klingt zunächst wie Rückenwind für sparsamere Autos. Und tatsächlich schauen viele Verbraucher wieder stärker auf Hybride, E-Autos und generell auf Kraftstoffeffizienz.
Nur: Teurer Sprit macht einen teuren Neuwagen noch lange nicht erschwinglich. Genau da liegt der Haken. Charlie Chesbrough, Chefökonom bei Cox Automotive, erwartet wegen des Wegfalls von EV-Steuergutschriften, der weiter hohen Zinsen und der hohen Fahrzeugpreise ein langsameres Tempo im Markt. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wer sich ein Auto nur mit teurem Kredit leisten kann, wird auch bei wachsendem Interesse an effizienteren Antrieben nicht automatisch zum Käufer.
E-Autos bleiben ein Widerspruch in sich
Besonders widersprüchlich ist die Lage bei Elektroautos. Laut Cox dürften die EV-Verkäufe im ersten Quartal um rund 28 Prozent gefallen sein. Gleichzeitig sagte Erin Keating von Cox Automotive, das Interesse an reinen E-Autos sei 2026 auf den bislang höchsten Stand gestiegen. Das klingt erst mal paradox, ist es aber nur auf den ersten Blick: Viele informieren sich, viele denken um, aber am Ende schlägt an der Kasse eben doch der Preis zu.
Auch Hyundai rechnet damit, dass höhere Kraftstoffpreise die Verbraucher noch eine Weile in Richtung Hybrid, E-Auto und Effizienz schieben werden. Nordamerika-Chef Randy Parker sagte, genau das bringe die Kunden zurück zum Nachdenken über sparsamere Antriebe. Die entscheidende Frage ist nur, ob dieses Nachdenken auch in genügend Kaufverträge mündet. Bislang spricht mehr dafür, dass viele lieber rechnen als kaufen.
Mehr Autos auf dem Hof, mehr Druck im System
An den Händlerstandorten selbst verschärft sich der Wettbewerb zusätzlich. Höhere Lagerbestände sorgen dafür, dass sich die Verkäufer stärker anstrengen müssen, um Fahrzeuge überhaupt vom Hof zu bekommen. Jason Hoff, CEO von Mercedes-Benz North America, brachte es ziemlich direkt auf den Punkt: Wenn mehr Fahrzeuge da sind als Kunden, wird es sehr wettbewerbsintensiv.
Davon könnten Käufer profitieren, weil der Druck auf bessere Angebote steigt. Für Hersteller und Händler ist das dagegen kein gemütliches Umfeld. Jim Walen, Händler für Stellantis und Hyundai in Seattle, rechnet für das laufende Jahr nur mit stagnierenden Verkäufen, weil sich die Verbraucherstimmung eintrübt. Gleichzeitig drängen die Hersteller weiter auf Wachstum. Das kann am Ende nur eines bedeuten: mehr Rabatte, mehr Preisdruck und ein Markt, in dem Bezahlbarkeit plötzlich wichtiger ist als große Versprechen.

