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12. Februar 2026

Umsatz rauf, Gewinn rauf, Prognose rauf: Was Siemens jetzt wirklich antreibt

Foto: depositphotos.com / photogearch

Siemens liefert zum Start ins neue Geschäftsjahr genau das, was Anleger nach all dem Weltchaos sehen wollen: mehr Umsatz, mehr Gewinn – und diesmal zieht sogar die lange zickige Digitalsparte wieder mit.

Der Konzern kam im ersten Quartal 2025/26 (Geschäftsjahr endet am 30. September) besser aus der Kurve als viele erwartet hatten. CEO Roland Busch sagt: Siemens sei in seinen Wachstumsmärkten sehr gut positioniert. Als Treiber nennt er Künstliche Intelligenz – übersetzt: KI ist nicht nur Show, sondern soll Aufträge und Geld bringen.

Der Umsatz stieg auf vergleichbarer Basis um acht Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Vergleichbar heißt: so gerechnet, dass Währungseffekte und Zukäufe nicht alles verzerren. Der Auftragseingang wuchs um zehn Prozent auf 21,4 Milliarden Euro – ein wichtiger Punkt, weil Aufträge das Futter für die nächsten Quartale sind.

Beim operativen Ergebnis des industriellen Geschäfts legte Siemens um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Das lag über dem, was Analysten im Schnitt auf dem Zettel hatten (rund 2,6 Milliarden). Unterm Strich wirkt das wie: Siemens dreht gerade eher am Gas als an der Handbremse.

Zum Vergleich ordnet der Konzern das auch selbst ein: Im vergangenen Geschäftsjahr 2024/25 waren die Umsätze auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 78,9 Milliarden Euro gestiegen. Der Nettogewinn lag bei 10,4 Milliarden Euro – der dritte Rekord in Folge. Das aktuelle Quartal zeigt: Das Tempo nimmt eher zu als ab.

Vorstand wird kleiner – und die Kronprinzen rücken vor

Mitten in diese Zahlen legt Siemens auch personell nach. Der Vorstand wird von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert. Technologie- und Strategiechef Peter Körte bekommt ab 1. Juli zusätzlich Smart Infrastructure – also Gebäudetechnik und Energiemanagement. In der internen Rangordnung gilt er neben Cedrik Neike als einer der Kronprinzen von Busch. Der Haken: Wer den Chefsessel will, muss irgendwann auch beweisen, dass er einen großen Bereich im Alltag führen kann – nicht nur PowerPoint.

Außerdem wechselt die Finanzspitze: Veronika Bienert, bisher Chefin der Finanzdienstleistungssparte SFS, wird ab 1. April Finanzvorständin und löst Ralf Thomas ab. Das ist nicht nur Personalien-Kleinklein, sondern ein Signal: Siemens stellt sich schlanker auf und verteilt Macht neu.

Digital Industries: lange Problemfall, jetzt wieder Zugpferd

Am genauesten schauen Investoren traditionell auf die Kernsparte Digital Industries – Industriesoftware und Automatisierung. Die stand eine Zeitlang sichtbar unter Druck, jetzt zeigt sie weiter Erholungszeichen. Im ersten Quartal 25/26 steigerte DI die Umsätze um vergleichbar zehn Prozent auf 4,8 Milliarden Euro.

Noch wichtiger: Das operative Ergebnis schoss um mehr als ein Drittel auf 804 Millionen Euro hoch. Die Umsatzrendite lag bei 17,8 Prozent. Das ist nicht nice to have, das ist die Sorte Marge, bei der der Markt wieder aufhorcht.

Der Vergleich mit dem US-Wettbewerber Rockwell Automation macht die Messlatte klarer: Dort stiegen die Umsätze im ersten Quartal 2025/26 ebenfalls um zehn Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis legte auf 435 Millionen Dollar zu, die Marge lag bei 20,7 Prozent. Siemens ist bei der Rendite also noch nicht ganz auf Rockwell-Höhe – aber deutlich näher dran als in der Krisenphase.

Bei Siemens kommt noch ein Punkt dazu: Der Konzern ist Weltmarktführer bei Industriesoftware. Trotzdem geriet die Aktie zuletzt – ähnlich wie SAP – unter Druck, weil in den USA die Sorge aufkam, KI könnte ausgerechnet Software-Geschäftsmodelle gefährden. Siemens hält dagegen mit Wachstum: Die Software-Erlöse von Digital Industries stiegen auf vergleichbarer Basis um elf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Während DI wieder besser aussieht, liefern auch Smart Infrastructure und Mobility ordentliche Beiträge: Beide steigerten die Erlöse um etwa zehn Prozent und verbesserten das Ergebnis. Ein Ausreißer nach unten ist im Konzernvergleich Siemens Healthineers. Siemens hatte im Herbst eine Abspaltung der Medizintechniktochter angekündigt, ein genauer Zeitplan steht aber noch nicht fest – und genau das nervt Investoren. Zur Hauptversammlung fordern Anleger eine zügige Trennung; Ingo Speich von Deka Investment sagt, das dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Beim Ausblick bleibt Siemens grundsätzlich bei der bisherigen Linie: Für das Gesamtjahr 2025/26 erwartet der Konzern weiter ein Umsatzplus von sechs bis acht Prozent auf vergleichbarer Basis. Beim Ergebnis je Aktie vor bestimmten akquisitionsbedingten Sondereffekten (PPA – vereinfacht: rechnerische Effekte aus Kaufpreisen von Übernahmen, die das Bild verzerren können) wird die Spanne leicht angehoben: 10,70 bis 11,10 Euro je Aktie statt bisher 10,40 bis 11,00 Euro.

Unterm Strich ist das ein Fingerzeig: Siemens traut sich wieder ein bisschen mehr zu – aber der nächste Härtetest kommt nicht im Präsentationsraum, sondern im Auftragseingang der kommenden Quartale. Entscheidend wird sein, ob die Digitalsparte den neuen Schwung hält und KI nicht nur als Schlagwort verkauft, sondern als Geschäft.