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23. März 2026

UBS wagt den Frontalangriff in den USA – doch die eigentliche Probe kommt erst noch

UBS
Foto: Depositphotos.com / photogearch

UBS bekommt in den USA genau das, was der Bank zuletzt gefehlt hat: mehr Spielraum. Während sie in der Schweiz wegen möglicher schärferer Regeln unter Druck steht, hat sie sich in ihrem wichtigsten Auslandsmarkt eine nationale Banklizenz gesichert. Das ist kein bürokratischer Nebensatz, sondern ein ziemlich klarer Machtzug.

Mit der Genehmigung der US-Aufsicht Office of the Comptroller of the Currency darf UBS ihre US-Tochter in eine national lizenzierte Bank umwandeln. Klingt trocken, ist aber handfest: Damit kann die Bank in den Vereinigten Staaten künftig nicht nur Vermögen verwalten, sondern nach und nach auch das volle Alltagsprogramm anbieten – also Girokonten, Sparkonten und Hypotheken. Anders gesagt: UBS will dort nicht mehr nur die Reichen beraten, sondern im Zweifel auch ihr tägliches Bankgeschäft abgreifen.

Der wichtigste Markt im Visier

Das passt zur Stoßrichtung der Bank. Die USA sind für UBS der mit Abstand wichtigste Wachstumsmarkt im Wealth Management, also in der Vermögensverwaltung. Und dieser Markt ist riesig. Laut UBS kamen 2024 dort jeden Tag mehr als 1.000 neue Millionäre hinzu. Wer da stärker mitmischt, steht nicht am Rand, sondern mitten auf dem Platz.

Die Bank verkauft den Schritt folgerichtig als Anschub für die nächste Phase. Rob Karofsky, Präsident von UBS Americas, sprach von Rückenwind für den Anspruch, als global führender Vermögensverwalter aufzutreten. Auch Brian Carlin, der das US-Geschäft in der globalen Vermögensverwaltung mitverantwortet, macht klar, wohin die Reise gehen soll: UBS will künftig im täglichen Bankgeschäft direkt gegen amerikanische Institute antreten. Die Lizenz ist also der Schlüssel, nicht schon der Tresor voller Geld.

Große Chance, harte Bewährungsprobe

Genau da liegt der Punkt. Denn so ein Schritt sieht auf dem Papier erst einmal großartig aus, bringt aber nicht automatisch sofort mehr Gewinn. Produkte wie Giro- und Sparkonten sollen laut einer mit der Sache vertrauten Person erst gegen Ende 2027 für Kunden kommen. Bis daraus also ein breiteres Geschäft wird, vergeht noch Zeit. Die Lizenz öffnet die Tür – durchgehen muss UBS selbst.

Und das wird kein Spaziergang. In den USA läuft es für UBS längst nicht so rund, wie es die großen Ziele vermuten lassen. Die Bank ist dort weniger profitabel als Schwergewichte wie Morgan Stanley. Dazu kommt, dass der Umbau des US-Geschäfts zuletzt sichtbar geruckelt hat. Reuters hatte diese Woche berichtet, dass UBS dort Milliarden an Kundengeldern verloren und fast 200 Finanzberater eingebüßt hat. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Warnsignal.

Druck aus der Schweiz wächst

Noch brisanter wird die Sache durch den Blick nach Hause. Seit der Übernahme der zusammengebrochenen Credit Suisse im Jahr 2023 steht UBS in der Schweiz politisch und regulatorisch stärker im Schaufenster als ihr lieb sein kann. Die Regierung arbeitet an strengeren Regeln für den Bankensektor, ein Gesetzesentwurf wird im kommenden Monat erwartet. Im Raum stehen höhere Kapitalanforderungen. UBS hält das für überzogen und warnt vor Nachteilen im Wettbewerb. Übersetzt: Zu Hause könnte es teurer und enger werden, also braucht die Bank draußen mehr Luft.

Genau deshalb hat die neue US-Lizenz Gewicht. Einerseits verschafft sie UBS im wichtigsten Vermögensmarkt der Welt neue Möglichkeiten. Andererseits bleibt die eigentliche Bewährungsprobe noch aus. Denn was nützt die schönste Genehmigung, wenn das operative Geschäft weiter holpert? Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob UBS in den USA wirklich vom noblen Vermögensverwalter zum ernsthaften Vollanbieter wird – oder ob die neue Lizenz am Ende erst einmal nur gut aussieht.