An der Wall Street wird gerade brutal nüchtern durchgerechnet: Wenn Öl teuer bleibt, werden selbst bullische Kursziele kleiner. Genau deshalb hat UBS ihr Ziel für den S&P 500 im Jahr 2026 gesenkt – nicht, weil der Markt komplett kippt, sondern weil der Nahostkonflikt den Preis für Energie hochhält und damit Wachstum und Inflation gleichzeitig nervt.
Die Vermögensverwaltung der Schweizer Bank hat ihr Jahresendziel für den US-Leitindex auf 7.500 Punkte reduziert, nach zuvor 7.700. Auch das Ziel zur Jahresmitte wurde gestutzt: von 7.300 auf 7.000 Punkte. Der Grund ist schnell erklärt, auch für Leute, die mit Makrosprache sonst wenig anfangen können: Wenn Öl teurer wird, frisst das Kaufkraft, treibt Kosten hoch und macht den Job der Notenbank unangenehmer.
Ölpreis, Krieg und ein nervöser Markt
Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar hat der S&P 500 laut Reuters rund 3,9 Prozent verloren. Das passt ins Bild. Anleger haben sich aus Aktien ein Stück weit zurückgezogen, weil steigende Ölpreise und geopolitischer Stress nun einmal Gift für die Stimmung sind. Der Markt mag vieles verzeihen – Unsicherheit im Nahen Osten und ein springender Ölpreis gehören eher nicht dazu.
Im Basisszenario geht UBS trotzdem davon aus, dass der Konflikt in den kommenden Wochen nachlässt. Dann könnten die Energieflüsse schrittweise wieder anlaufen. Nur: Selbst wenn sich die Lage beruhigt, heißt das noch lange nicht, dass sofort wieder alles rund läuft. Beschädigte Infrastruktur repariert sich nicht von selbst, und Förderkapazitäten kommen nicht auf Knopfdruck zurück. Genau deshalb dürfte Öl länger teuer bleiben, als es Börsianern lieb ist.
Warum die Fed jetzt wieder wichtiger wird
Die Bank warnt entsprechend, dass höhere Energiepreise das Wirtschaftswachstum moderat bremsen und den Inflationsdruck am Rand weiter erhöhen dürften. Übersetzt: Die Teuerung wird nicht explodieren, aber sie bleibt hartnäckiger, als der Markt gehofft hatte. Und genau das könnte die US-Notenbank zwingen, mit weiteren Zinssenkungen länger zu warten.
Bereits im vergangenen Monat hatte UBS ihre Erwartungen an die Fed nach hinten geschoben. Statt Zinssenkungen im Juni und September rechnet das Haus jetzt mit zwei Schritten um jeweils 25 Basispunkte erst im September und Dezember. Auch das ist so ein klassischer Börsenmoment: Einerseits warten alle auf billigeres Geld, andererseits sorgt der Ölpreis dafür, dass die Notenbank den Fuß lieber noch etwas auf der Bremse lässt.
Weniger Euphorie, aber noch kein Bruch
Trotz der gesenkten Ziele bleibt UBS für US-Aktien bemerkenswert optimistisch. Das neue Jahresendziel liegt immer noch 13,43 Prozent über dem letzten Schlusskurs des S&P 500 bei 6611,83 Punkten. Anders gesagt: Die Bank nimmt etwas Schaum vom Bier, kippt es aber nicht weg.
Dazu passt auch, dass UBS ihren Gewinnblick für 2026 nicht anfasst. Die Prognose für die Gewinne im S&P 500 bleibt bei 310 Dollar je Aktie. Das ist ein wichtiges Signal, denn damit sagt die Bank im Kern: Ja, der Krieg und der Ölpreis machen die Lage ungemütlicher. Aber nein, daraus wird aus ihrer Sicht noch kein grundlegender Bruch für den Aktienmarkt.
UBS hält deshalb an ihrer Einschätzung fest, dass US-Aktien weiter attraktiv sind. Sobald die negativen Kriegseffekte nachlassen, könnten laut Bank wieder drei bekannte Kurstreiber übernehmen: solides Gewinnwachstum, eine im Grundsatz weiter unterstützende Fed – auch wenn sie später lockert – und die anhaltende Einführung sowie Monetarisierung von KI. Oder weniger geschniegelt gesagt: Wenn der geopolitische Rauch sich verzieht, schaut der Markt wieder auf das, was ihn zuletzt getragen hat. Die spannende Frage ist nur, wie lange dieser Rauch noch in der Luft hängt.

