Fünf Jahre nach der Corona-Vollbremsung holt Tui ein altes Versprechen aus der Mottenkiste: Der Reisekonzern will wieder Geld an seine Aktionäre ausschütten – wenn auch nur 10 Cent pro Aktie. Finanziell reißt das niemanden vom Hocker, aber die Botschaft dahinter ist eindeutig: Der Laden traut seiner eigenen Gewinnmaschine wieder über den Weg.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September hat Tui kräftig abgeliefert. Fast 35 Millionen Kunden, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr, sorgten für ein bereinigtes Betriebsergebnis von 1,46 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte auf etwa 24 Milliarden Euro. Hotels und Kreuzfahrten liefen so rund, dass der Konzern die eigene Prognose übertroffen hat. Für das neue Geschäftsjahr legt Tui die Latte höher: Der Umsatz soll um zwei bis vier Prozent steigen, das bereinigte Ergebnis um sieben bis zehn Prozent. Die eigentliche Frage lautet: Hält dieses Tempo, wenn die Konjunktur wackelt und Kunden genauer auf den Preis schauen?
Vom Problemfall zum selbstbewussten Konzern
Wer sich an die Corona-Jahre erinnert, weiß, wie tief Tui damals im Schlamassel steckte. Ohne Staatshilfen und mehrere Kapitalerhöhungen wäre der Konzern schlicht platt gewesen. Statt Dividende gab es Verwässerung: immer neue Aktien, ein zerrupfter Kurs, Dauerfeuer an schlechten Nachrichten. Vor diesem Hintergrund ist die Rückkehr zur Ausschüttung mehr als ein nettes Extra – sie wirkt wie der Versuch, das Kapitel „Überlebenskampf“ endlich zuzuklappen.
In den Zahlen steckt aber auch ein klarer Kurswechsel. Das dicke Geld kommt nicht mehr aus dem klassischen Pauschalreise-Geschäft, sondern aus den Bereichen, die Tui stärker selbst steuern kann: eigene Hotels und Kreuzfahrten. Dort sind die Margen höher, dort lässt sich der Preis besser durchsetzen. Das Veranstaltergeschäft im Heimatmarkt Deutschland dagegen hat Stress: harter Wettbewerb, knallharte Preisvergleiche, Kunden, die wegen Inflation und höheren Lebenshaltungskosten genauer rechnen. Die Botschaft zwischen den Zeilen: Mit austauschbaren Katalogreisen ist kein großer Sprung zu holen.
Strategie mit klarer Schubrichtung
Konzernchef Sebastian Ebel setzt deshalb auf alles, was Tui unverwechselbarer macht. Eigene Markenhotels, eigene Schiffe, stärkeres Wachstum außerhalb des wackeligen europäischen Umfelds – das ist der Hebel, mit dem der Konzern seine Profitabilität weiter hochtreiben will. Es spricht einiges dafür, dass diese Linie konsequent fortgesetzt wird: Wer die Wertschöpfungskette kontrolliert, muss sich weniger dem Preiskampf der Online-Portale ausliefern.
Für Aktionäre ist die neue Dividende trotzdem eher ein Symbol als ein Zahltag. Zehn Cent je Anteilsschein sind ein Handzeichen: „Wir sind zurück im Normalmodus“, mehr nicht. Interessanter ist die Ansage für die Zeit ab dem Geschäftsjahr 2026: Dann sollen zehn bis zwanzig Prozent des bereinigten Gewinns je Aktie an die Aktionäre fließen. Hinter dieser Spanne steckt ein klares Kalkül. Der Konzern will genug Luft behalten – für Investitionen in neue Angebote, für den Abbau von Schulden und für den Fall, dass ein Reisejahr einmal nicht so glatt durchläuft.
Anleger müssen sich bewusst sein, wie stark Tui vom Reisedrang der Kunden abhängt. Momentan ist die Lust auf Urlaub trotz Kriegen, Krisen und hohen Preisen erstaunlich robust. Doch was passiert, wenn die Konjunktur weiter abkühlt oder Kreuzfahrten politisch stärker in den Fokus geraten? Wie lange akzeptieren Kunden immer höhere Preise, bevor sie den Rotstift bei Reisen ansetzen? Das sind keine theoretischen Risiko-Punkte, sondern ganz konkrete Belastungsproben für die nächsten Jahre.
Mit der ersten Dividende seit Beginn der Pandemie zieht Tui einen dicken Strich unter die Krisenzeit – zumindest auf dem Papier. Jetzt muss der Konzern zeigen, dass Rekordzahlen und Wachstumsziele nicht nur Momentaufnahmen sind, sondern sich wiederholen lassen. Spannend wird, ob Tui in einem nervösen Marktumfeld dauerhaft als stabiler Ertragsbringer wahrgenommen wird – oder ob schon der nächste Dämpfer reicht, um die neu gewonnene Selbstsicherheit wieder ins Wanken zu bringen.

