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13. März 2026

Trump öffnet Russland plötzlich die Tür – steckt dahinter blanke Panik am Ölmarkt?

USA Russland
Foto: Depositphotos.com / InkDropCreative

Washington lockert ausgerechnet jetzt die Russland-Sanktionen ein Stück weit – und das sagt vor allem eines: Am Ölmarkt brennt es lichterloh. Die USA haben eine 30-tägige Ausnahmegenehmigung erteilt, damit Länder russisches Rohöl und russische Ölprodukte kaufen können, die bereits auf Schiffen geladen wurden und nun auf See festhängen. Gemeint sind Ladungen, die bis zum 12. März an Bord gebracht wurden. Die Regel läuft bis Mitternacht Washingtoner Zeit am 11. April. Nach der Ankündigung gaben die Ölpreise in Asien am Freitagmorgen zunächst etwas nach.

Das ist keine Randnotiz und auch kein technischer Verwaltungsakt, den man achselzuckend abhaken kann. Die Trump-Regierung reagiert damit auf einen Energiemarkt, der durch den Krieg mit Iran und die Störungen rund um die Straße von Hormus massiv unter Druck geraten ist. Die Internationale Energieagentur spricht bereits von der größten Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte. Wenn selbst Washington in so einer Lage russische Fracht vorübergehend wieder durchwinkt, dann ist das ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wie angespannt die Versorgungslage inzwischen ist.

Krisenfeuerwehr statt eiserner Linie

Auffällig ist, wie hektisch die USA inzwischen an mehreren Stellschrauben zugleich drehen. Schon am Mittwoch hatte Washington angekündigt, 172 Millionen Barrel aus der strategischen Ölreserve freizugeben. Das ist Teil eines größeren Pakets der IEA, die zusammen mit ihren Mitgliedern insgesamt 400 Millionen Barrel mobilisieren will. Anders gesagt: Die Politik wirft gerade alles auf den Markt, was sich kurzfristig irgendwie losschicken lässt.

Der historische Vergleich zeigt, wie außergewöhnlich die Lage ist. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die IEA im Frühjahr 2022 einen Rekordzugriff auf Notfallreserven organisiert. Jetzt geht die Reaktion noch weiter, weil es nicht nur bei Reserveöl bleibt. Hinzu kommt nun sogar eine befristete Öffnung für sanktionierte russische Fracht, die bereits auf dem Wasser ist. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ist Krisenmodus, kein Routinegeschäft.

Finanzminister Scott Bessent versucht, die Brisanz herunterzukochen. Die Ausnahme sei eng zugeschnitten, kurzfristig und bringe Russland keinen nennenswerten zusätzlichen finanziellen Vorteil, so seine Linie. Nur: Ganz so sauber lässt sich das politisch nicht wegerklären. Einerseits kann die Maßnahme das weltweite Angebot erhöhen und den Preisdruck dämpfen. Andererseits kratzt sie an genau jener Sanktionsfront, mit der der Westen Russland wegen des Kriegs gegen die Ukraine wirtschaftlich treffen will. Dass Ursula von der Leyen fast zeitgleich klarmachte, jetzt sei nicht der Moment für eine Lockerung gegenüber Moskau, passt ins Bild.

Der Markt diktiert plötzlich die Politik

Noch interessanter ist der innenpolitische Unterton. Das Weiße Haus fürchtet offenkundig, dass der Ölpreisschock amerikanische Verbraucher und Unternehmen mitten im Wahljahr hart trifft. Die Benchmark-Preise waren zwischenzeitlich bereits über 100 Dollar je Barrel geschossen. Das ist für jeden Präsidenten unangenehm, für Trump erst recht. Hohe Spritpreise sind in den USA kein abstraktes Makrothema, sondern ein Stimmungskiller an der Zapfsäule. Genau deshalb wirkt die Maßnahme auch weniger wie Außenpolitik als wie Schadensbegrenzung im eigenen Laden.

Dazu passt, dass Washington längst weitere Hebel prüft. Im Gespräch ist eine zeitweise Aussetzung des Jones Act, damit ausländische Schiffe Energie zwischen US-Häfen transportieren können. Das würde Transporte billiger und schneller machen. Außerdem sollen politische Risikoabsicherungen und Finanzgarantien für den Handel im Golf bereitgestellt werden. Selbst eine Eskorte von Schiffen durch die US Navy steht im Raum. Das alles zeigt: Die Regierung versucht mit Hochdruck, die Versorgung zu stabilisieren, bevor aus einem Preisschub ein echter wirtschaftlicher Bremsklotz wird.

Für den Ölmarkt ist die Botschaft klar. Die USA sind im Zweifel bereit, ideologische Härte gegen pragmatische Krisenabwehr einzutauschen. Das kann kurzfristig beruhigen, weil zusätzliches Angebot in den Markt kommt. Es macht die westliche Linie gegenüber Russland aber zugleich löchriger. Genau darin liegt der Widerspruch dieser Entscheidung. Sie soll den Markt entspannen – und legt gleichzeitig offen, wie dünn das Eis geworden ist.