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4. Dezember 2025

Trade Republic im Beschwerde-Tsunami: Warum der Neobroker Anleger nervös macht

trade republic
Foto: depositphotos.com / Wirestock

Trade Republic gilt als günstige Alternative zur Hausbank – in den Beschwerdestatistiken wirkt der Neobroker inzwischen eher wie ein Dauerproblem. Die Zahl der Klagen steigt, die Technik knirscht, und die Finanzaufsicht nimmt die Entwicklung genau zur Kenntnis. Für einen Anbieter mit Millionen Kunden ist das mehr als ein Schönheitsfehler.

Beschwerden steigen rasant

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat bis zum 31. Oktober dieses Jahres rund 350 Beschwerden zu Trade Republic gezählt. Im gleichen Zeitraum 2024 waren es etwa 160. Fast eine Verdoppelung in nur einem Jahr – und das bei einem Anbieter, der sich als besonders effizient und digital aufstellt.

In absoluten Zahlen liegen Deutsche Bank und Postbank mit rund 540 Beschwerden noch vorne. Allerdings betreuen diese Institute rund 19 Millionen Privatkunden und bieten das volle Programm von Konto über Karte bis Kredit. Unter den schlanken Online-Anbietern fällt Trade Republic damit unangenehm auf. In der Liga der Neobanken und Neobroker ist der Berliner Player nicht mehr der coole Störenfried, sondern der Problemfall mit der dicksten Beschwerdemappe.

Auch bei der BaFin häufen sich Hinweise von Kunden. Offiziell bleibt die Behörde allgemein, spricht davon, nach wie vor viele Beschwerden von Nutzern von Neobrokern zu erhalten – vor allem zur Ausführung von Aufträgen und zur Erreichbarkeit. Zwischen den Zeilen ist klar: Angebote wie Trade Republic stehen besonders im Fokus.

Technik mit Aussetzern

Der Dienstleister Ookla, Betreiber von AlleStörungen, liefert eine weitere Perspektive. Im laufenden Jahr wurden bei der Deutschen Bank im Schnitt 149 Probleme pro Tag gemeldet. Bei Trade Republic waren es 418. Das ist für einen reinen Online-Broker, der komplett über App und Technik funktioniert, ein dicker Warnhinweis.

Am 9. April schoss die Statistik komplett nach oben: 27.400 gemeldete Probleme an einem Tag. Nach einer überraschenden Kehrtwende der US-Zollpolitik durch Präsident Donald Trump legten die Börsen zu – gleichzeitig waren die Systeme von Trade Republic zeitweise nicht in der Lage, Wertpapieraufträge zu verarbeiten. Wer gerade handeln wollte, schaute auf einen Broker, der in der entscheidenden Phase schwächelte.

Handfeste Schäden für Kunden

Zu den nackten Zahlen kommen Fälle, in denen es um viel Geld geht. Ein Beispiel: Eine Witwe ließ das Depot ihres verstorbenen Mannes übertragen. Anleihen im Wert von 320.000 Euro wurden umgebucht, aufgelaufene Zinsen von 28.000 Euro blieben auf der Strecke.

Ein anderer Kunde fiel einem Telefonbetrug zum Opfer. Die Täter gaben sich als Mitarbeiter von Trade Republic aus, der Mann überwies 9000 Euro. Wochen später teilte ihm der Kundenservice mit, die Empfängerbank könne nicht erstatten – obwohl es sich bei dieser Bank um Trade Republic selbst handelte.

Hinzu kommen Anleger, deren Zugang gesperrt ist und die seit Monaten nicht an ihr Geld kommen. Und rund 10.000 Kunden, deren Wertpapiere bei Depotüberträgen zwischen anderen Anbietern und Trade Republic hängen geblieben sein sollen. Für die Betroffenen ist das kein Technikproblem, sondern ein massiver Eingriff in ihr Vermögen.

Produkte mit Haken

Trade Republic hat den eigenen Boom stark über Zinsen befeuert. Das beworbene Zinskonto funktioniert allerdings anders als klassisches Tagesgeld. Kundengelder liegen nicht nur auf Konten von Partnerbanken, sondern fließen auch in Geldmarktfonds. Im Klartext: Im Krisenfall greift nicht die übliche Einlagensicherung, das Risiko bleibt beim Kunden. Verbraucherschützer haben das Modell im Februar abgemahnt.

Im Herbst folgte ein Produkt, mit dem Privatanleger in Private-Equity-Fonds investieren können – also in Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, teuer und schwer durchschaubar. Auch daran gibt es Kritik, etwa an den hohen Kosten. Selbst intern sorgt die Werbekampagne mit einem Rapper, der in seinen Songs über Schwarzgeld rappt, für Kopfschütteln.

Service als Dauerbaustelle

Parallel zu all dem hat Trade Republic den eigenen Kundenservice ausgedünnt. Das interne Team wurde zurückgefahren, stattdessen setzt der Broker auf externe Dienstleister und einen Chatbot, der mit Künstlicher Intelligenz arbeiten soll. Viele Nutzer berichten von Standardantworten, zähen Schleifen und dem Gefühl, mit ihren Problemen abgewimmelt zu werden.

Das Unternehmen stellt die Lage deutlich freundlicher dar. Man wolle Kunden über Jahrzehnte beim Vermögensaufbau begleiten, betont das Interesse an bestmöglichem Service und spricht davon, dass der Chat vielen bereits helfe. Zugleich räumt Trade Republic ein, die Kritik wahrzunehmen, und kündigt an, in der nächsten Ausbaustufe wieder stärker auf persönliche Kontaktwege zu setzen. Konkretere Pläne sollen im Frühjahr vorgestellt werden.

BaFin-Druck und offener Ausgang

Für die BaFin ist Trade Republic längst kein kleines Start-up mehr, das man nebenbei laufen lässt. Mehr als zehn Millionen Kunden, bis Jahresende möglicherweise zwölf Millionen, rund 150 Milliarden Euro an Kundengeldern und eine mögliche Bewertung von 12,5 Milliarden Euro – wer diese Dimension erreicht, rutscht automatisch in eine andere Aufsichtskategorie.

Ob die angekündigte Serviceoffensive reicht, um die Behörde zu besänftigen, ist offen. Klar ist: Je länger Beschwerden, technische Aussetzer und Produktkritik auf hohem Niveau bleiben, desto größer wird der Druck, formell einzugreifen. Entscheidend wird sein, ob Trade Republic seine Prozesse schneller in den Griff bekommt, als der Geduldsfaden der Aufsicht reißt.