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12. November 2025

Trade Republic: Beschwerden schießen hoch – und der Support schweigt

Foto: depositphotos.com / Wirestock

Bei Trade Republic knirscht es gewaltig hinter der schicken Fintech-Fassade. Während der Neobroker weiter rasant wächst und längst Millionen Kunden anlockt, brodelt im Hintergrund der Unmut. Immer mehr Nutzer beschweren sich, dass beim Kundenservice Funkstille herrscht – und das ausgerechnet bei einem Unternehmen, das sich „demokratisches Investieren“ auf die Fahne geschrieben hat. Wer sein Depot bei Trade Republic führt, braucht derzeit vor allem eins: Geduld.

Kundenservice? Fehlanzeige

Die Beschwerden nehmen spürbar zu. Laut Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sind zwischen Januar und September über 300 Meldungen über Trade Republic eingegangen – gut doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Das Hauptproblem: Der Support ist kaum erreichbar. Wer Hilfe sucht, landet oft in einer Endlosschleife aus automatischen Antworten oder Chatbots. Ein Anruf? Fehlanzeige – eine Hotline gibt es schlicht nicht. Kontakt läuft nur per E-Mail oder Chat, und selbst da scheint vieles im Sande zu verlaufen.

Verbraucherschützer wie Niels Nauhauser aus Baden-Württemberg berichten von zahlreichen Fällen, in denen Kunden schlicht hängen bleiben. Konto gesperrt? Depotübertrag klemmt? App spinnt? Vieles dauert – oder bleibt liegen. Auf LinkedIn und in Foren häufen sich Berichte frustrierter Anleger, die sich vom einst gefeierten Neobroker im Stich gelassen fühlen.

Wachstum mit Nebenwirkungen

Trade Republic selbst sieht die Sache gelassener. Die Zahl der Beschwerden sei vor allem deshalb gestiegen, weil das Unternehmen stark gewachsen sei. Über zehn Millionen Kunden in 18 Ländern – da könne es nun mal öfter haken, heißt es. Eine Sprecherin betont, man wolle „exzellenten Kundenservice“ bieten und habe massiv in Automatisierung und Personal investiert. Klingt gut – doch viele Kunden erleben davon offenbar noch wenig.

Die Finanzaufsicht Bafin schaut inzwischen genauer hin. Auch dort mehren sich die Beschwerden, wie ein Sprecher bestätigte. Offiziell kommentieren darf die Behörde keine einzelnen Unternehmen, aber das Thema scheint auf dem Tisch zu liegen: Immer mehr Privatanleger melden Probleme bei Aufträgen oder beim Kontakt mit Neobrokern.

Erfolg mit Beigeschmack

Dabei steht Trade Republic eigentlich blendend da. Das Berliner Fintech, 2019 gestartet, bekam Ende 2023 eine Vollbanklizenz – ein Meilenstein in der jungen Firmengeschichte. Seitdem bietet das Unternehmen nicht nur den Handel mit Aktien und ETFs an, sondern auch eine eigene Karte und nach und nach Girokonten. Im Geschäftsjahr 2023/24 machte Trade Republic nach eigenen Angaben fast 35 Millionen Euro Gewinn – zum zweiten Mal in Folge.

Doch mit Erfolg wächst auch der Druck. Viele Kunden erwarten von einer Bank mehr als eine App mit Chatbot. Sie wollen Ansprechpartner, gerade wenn es um ihr Geld geht. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Effizienz schön und gut, aber wer den Kontakt zur Basis verliert, riskiert Vertrauen – und das ist in der Finanzwelt die härteste Währung.

Ob Trade Republic die Kurve kriegt, wird sich zeigen. Der Markt ist hart, die Konkurrenz schläft nicht, und die Bafin schaut genau hin. Die große Frage bleibt: Kann das Unternehmen den Spagat schaffen – zwischen schlankem Digitalbetrieb und echter Kundenbetreuung? Die nächsten Monate werden zeigen, ob das Fintech nur clever gewachsen ist oder tatsächlich erwachsen wird.