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24. März 2026

TotalEnergies schmeißt Offshore-Wind raus – und steckt fast 1 Milliarde Dollar in Öl und Gas

Foto: depositphotos.com

Ausgerechnet Offshore-Wind fliegt raus – und das Geld wandert stattdessen zurück in Öl, Gas und LNG. Genau dieser Schwenk macht den Deal zwischen TotalEnergies und der US-Regierung so bemerkenswert.

Das ist nämlich keine kleine Korrektur im Konzernportfolio, sondern ein ziemlich deutlicher Richtungswechsel mit Ansage. In Washington hat sich der energiepolitische Kompass gedreht, und zwar hart. Die Regierung von Donald Trump legt Offshore-Wind offen Steine in den Weg und drückt lieber aufs Gaspedal bei fossilen Energieträgern. TotalEnergies macht dieses Spiel nicht nur mit, sondern kassiert dabei auch noch kräftig ab.

Ein Milliardendeal mit Ansage

Nach Angaben der US-Regierung soll TotalEnergies rund 1 Milliarde Dollar zurückbekommen, die der Konzern zuvor für Offshore-Wind-Leasingrechte auf den Tisch gelegt hatte. Im Gegenzug sagt das Unternehmen zu, in den USA keine neuen Offshore-Windprojekte mehr anzugehen.

Stattdessen fließen 2026 rund 928 Millionen Dollar in klassische Energieprojekte: in vier Verflüssigungszüge am Rio-Grande-LNG-Projekt in Texas, in konventionelle Ölförderung im Golf von Mexiko und in Schiefergas. Klingt trocken, ist aber ziemlich eindeutig. Übersetzt heißt das: Weg vom teuren Wind auf See, rein in Geschäfte, mit denen sich unter der neuen politischen Linie in den USA sehr viel entspannter Geld verdienen lässt.

Offshore-Wind gerät politisch unter die Räder

Betroffen sind Flächen in Carolina Long Bay und in der New York Bight, beide 2022 vergeben. Gerade der Fall New York zeigt, wie brutal sich der Ton gedreht hat. TotalEnergies hatte dort bei einer spektakulären Auktion noch 795 Millionen Dollar für eine Fläche geboten. Damals galt Offshore-Wind in den USA als Vorzeigeprojekt der Energiewende. Heute wirkt das wie ein Modell von gestern.

Besonders pikant ist, dass Washington die Projekte nicht einfach abräumt, sondern dem Konzern die gezahlten Summen auch noch erstatten will. Genau daran reibt sich die Branche. Der Offshore-Wind-Verband Oceantic Network spricht von politischem Theater auf Kosten der Steuerzahler. Der Vorwurf sitzt. Einerseits redet die Regierung von günstiger und verlässlicher Energie. Andererseits wird eine Technologie aus dem Markt gedrückt, die ihre Befürworter genau dafür eigentlich gebraucht sehen.

Für Total zählt am Ende die Kasse

Total-Chef Patrick Pouyanné begründet den Rückzug damit, dass Offshore-Wind in den USA nicht der günstigste Weg zur Stromerzeugung sei. Das klingt erstmal nach nüchterner Manager-Prosa, ist aber im Kern ein ziemlich simples Signal: Wenn ein Projekt politisch wackelt, wirtschaftlich zäh wird und regulatorisch dauernd Ärger macht, fliegt es irgendwann raus. So brutal ist die Rechnung.

Dazu passt, dass eines der betroffenen Projekte ohnehin schon Schlagseite hatte. Attentive Energy One kam ins Stocken, nachdem der Bundesstaat New York Anfang 2024 keinen Zuschlag für einen Stromabnahmevertrag erteilt hatte. Ein zweites Projekt, Attentive Energy Two, bekam zwar im Januar 2024 einen Vertrag in New Jersey. Die entscheidende Frage ist aber längst eine andere: Was sind solche Zusagen noch wert, wenn sich das politische Umfeld weiter gegen Offshore-Wind stellt?

Für Anleger ist das alles andere als eine Randnotiz. Hier zeigt sich ziemlich klar, wohin die Reise in den USA gerade geht. Energiepolitik, Renditedruck und Standortinteressen greifen wieder viel direkter ineinander. TotalEnergies setzt dort nun auf Geschäftsfelder, bei denen der politische Wind im Rücken weht und die Kasse schneller klingeln kann. Spannend wird jetzt, ob andere Konzerne ähnlich kaltblütig umschichten.