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23. März 2026

Tesla, SpaceX, xAI: Warum Musk jetzt seine eigenen Chips bauen will

Tesla
Foto: depositphotos.com / MuhammadAlimaki

Elon Musk dreht bei seinen Chip-Plänen jetzt richtig auf: In Austin sollen gleich zwei Spezialfabriken entstehen – eine für Tesla-Autos und den Roboter Optimus, die andere für KI-Rechenzentren im All. Das ist keine kleine Erweiterung am Rand, sondern ein ziemlich brachialer Versuch, sich bei einer der wichtigsten Technologien der nächsten Jahre weniger abhängig zu machen.

Auffällig ist, wie schnell Musk hier nachlegt. Erst hatte er den neuen Komplex „Terafab“ angekündigt, kurz darauf schob er nach, dass es dabei technisch um zwei getrennte Fabriken gehen soll, von denen jede nur ein einziges Chipdesign baut. Das klingt erst einmal nerdig, ist aber im Kern simpel: Musk will hochspezialisierte Produktion statt Bauchladen. Neu und bemerkenswert ist vor allem, dass SpaceX nun offen mit auf dem Tisch liegt. Bisher war vor allem von Tesla die Rede, jetzt wird klar, dass Musk seine Firmen noch enger zusammenzurren will.

Mehr Kontrolle, weniger Abhängigkeit

Dahinter steckt eine ziemlich harte Logik. Musk sagt, die heutige globale Chipproduktion decke gerade einmal rund 3 % dessen, was seine Firmen künftig brauchen würden. Das ist eine Ansage mit Ansage. Denn wer so spricht, sagt im Grunde: Warten auf Zulieferer reicht nicht mehr, wir müssen den Kram selbst bauen. Genau darum geht es hier. Weniger Abhängigkeit, mehr Kontrolle, mehr Tempo – zumindest in der Theorie.

Dabei tut Musk nicht so, als könne er morgen komplett ohne die etablierten Chipriesen auskommen. Er lobte ausdrücklich Samsung, TSMC und Micron als bestehende Partner. Trotzdem ist die Richtung klar: Einerseits hängt er weiter an den großen Produzenten, andererseits reicht ihm genau das langfristig offenbar nicht mehr. Diese Spannung macht die Geschichte interessant. Denn hier geht es nicht nur um neue Fabrikhallen, sondern um vertikale Integration – also darum, immer mehr wichtige Teile der eigenen Wertschöpfung selbst in die Hand zu nehmen, statt sie von außen einzukaufen.

Vom Auto bis in den Orbit

Noch ambitionierter wird das Ganze beim Blick auf die geplanten Chips. Der eine soll Tesla-Fahrzeuge und den humanoiden Roboter Optimus antreiben. Der andere ist für KI-Satelliten im Weltraum gedacht und müsste deshalb mit härteren Umweltbedingungen und höheren Temperaturen klarkommen. Spätestens an dieser Stelle wird klar: Musk denkt nicht in normalen Industrieprojekten, sondern in riesigen Systemen, die vom Auto über den Roboter bis hoch in den Orbit reichen. Man kann das visionär nennen. Man kann aber auch sagen: Der Mann baut an einer Infrastruktur, die nach Science-Fiction klingt und in der Praxis erst einmal brutal teuer und kompliziert wird.

Große Worte, offene Fragen

Genau deshalb ist Vorsicht angesagt. Einen Zeitplan nannte Musk nicht. Und das ist kein Detail, das man mal eben überliest. Denn bei ihm kommt die große Vision oft sehr früh, während belastbare Termine und harte Umsetzungsschritte gern hinterherhinken. Wer Musks Projekte länger verfolgt, kennt das Muster nur zu gut: groß angekündigt, spektakulär aufgeladen, dann zäh in der Realität. Das muss Terafab nicht automatisch zum Luftschloss machen. Aber es heißt eben auch: Die Ankündigung allein ist noch kein industrieller Durchbruch.

Für Tesla, SpaceX und xAI ist das trotzdem ein Signal mit Gewicht. Sollte Musk auch nur einen Teil dieser Pläne tatsächlich umsetzen, würde er sich tiefer denn je in die strategisch wichtigste Engstelle der KI- und Robotikbranche hineingraben: die Versorgung mit Rechenleistung. Genau dort entscheidet sich in den kommenden Jahren, wer liefern kann – und wer trotz großer Visionen irgendwann dumm aus der Wäsche schaut.