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26. März 2026

Temu wächst weiter – doch bei PDD läuft etwas gewaltig schief

Temu
Foto: Depositphotos.com / NEW_PHOTOS

Temu läuft im Ausland weiter wie geschnitten Brot – doch zu Hause bekommt PDD gerade die Grenzen seines Modells ziemlich unsanft vorgeführt. Der chinesische Online-Händler und Mutterkonzern der Billig-App hat im vergangenen Quartal die Umsatzerwartungen verfehlt. Damit rückt plötzlich genau das in den Mittelpunkt, was Anleger nicht gern sehen: internationales Wachstum auf der einen Seite, Schwäche im Kerngeschäft auf der anderen.

Der eigentliche Bremsklotz sitzt im Heimatmarkt. Die chinesische Plattform Pinduoduo lieferte ein schwaches Quartal ab und überlagerte damit das starke Wachstum von Temu im Ausland. Im vorbörslichen US-Handel reagierte die Aktie zunächst kaum. Das wirkt erst einmal gelassen – ist aber eher ein Zeichen dafür, dass der Markt diese Baustelle längst auf dem Schirm hat.

Das Geschäftsmodell gerät unter Druck

Denn das Geschäftsmodell von PDD steht zunehmend unter Beschuss. Der Konzern verschickt billige Waren wie Kleidung oder Elektronik direkt aus China an die Kunden und profitierte dabei in vielen Ländern von Zollbefreiungen für Pakete mit geringem Wert. Genau dieser Vorteil wird nun Stück für Stück kleiner. Einzelhändler laufen seit Längerem Sturm – von Deutschland bis Argentinien. In den USA ist die Zollfreigrenze für Pakete unter 800 Dollar im vergangenen Jahr gestrichen worden. In der EU fällt die Zollfreiheit für Sendungen unter 150 Euro ab Juli weg. Übersetzt: Das, was Temu groß gemacht hat, wird politisch und regulatorisch immer teurer.

Auch bei den Zahlen sieht das nicht hübsch aus. Der Nettogewinn von PDD fiel im vierten Quartal um rund elf Prozent auf 24,5 Milliarden Yuan, also umgerechnet etwa 3,1 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 17,69 Yuan und damit klar unter den Analystenschätzungen von 20,76 Yuan. Beim Umsatz reichte es für 123,9 Milliarden Yuan – ebenfalls weniger als die erwarteten 124,4 Milliarden Yuan. Das ist kein Absturz, aber eben auch kein Ausrutscher, den man locker wegwischen kann.

Investitionen helfen nicht sofort

Finanzvorstand Jun Liu verweist auf notwendige Investitionen und ein Umfeld, das sich schnell verändert. Der Wettbewerb werde härter, die Bedürfnisse der Verbraucher verschöben sich, deshalb müsse PDD weiter forschen und investieren. Das klingt plausibel und ist im Grunde die übliche Logik: Jetzt Geld raus, später ernten. Nur liegt genau da das Problem. Solche Investitionen sind langfristig angelegt – die Belastung für die Finanzergebnisse kommt dagegen sofort. Und an der Börse zählt erst einmal, was heute in den Zahlen steht, nicht was irgendwann vielleicht daraus wird.

Unterm Strich bleibt ein schiefer Befund: Temu wächst, aber das reicht derzeit nicht, um die Schwäche im China-Geschäft sauber zu kaschieren. Für Anleger ist das ein ziemlich deutlicher Fingerzeig. PDD hat weiter Reichweite, Tempo und eine starke internationale Marke – doch der Konzern merkt gerade, dass billiges Wachstum nicht automatisch stabiles Wachstum ist. Genau das dürfte in den kommenden Quartalen die entscheidende Baustelle bleiben.