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5. Dezember 2025

Swiss Re dreht an der Gewinnschraube: Was die neuen Ziele für Anleger wirklich bedeuten

Swiss Re
Foto: depositphotos.com / Piter2121

Swiss Re schraubt seine Gewinnziele hoch, während andere Großkonzerne auf die Bremse treten oder mit harten Sparprogrammen hantieren. An der Börse passt das ins Bild: Die Aktie des Rückversicherers hat in den vergangenen Jahren kräftig aufgeholt, steht seit Jahresbeginn im soliden Plus – liegt aber spürbar unter dem Sommerhoch. Viel Vorschusslorbeeren sind also eingepreist, aber der Markt wartet auf den nächsten Beweis, dass Swiss Re diese Latte auch reißfest überspringen kann.

Der Konzern plant für 2026 einen Nettogewinn von 4,5 Milliarden Dollar, nach einem Ziel von mehr als 4,4 Milliarden Dollar für das laufende Jahr. Die Eigenkapitalrendite soll weiter über 14 Prozent liegen, die Dividende in den kommenden zwei Jahren jährlich um mindestens sieben Prozent zulegen. Ab 2026 kommt ein Aktienrückkaufprogramm über 500 Millionen Dollar oben drauf. Für Anleger ist das ein ziemlich klares Signal: Swiss Re will verlässlich ausschütten und gleichzeitig den Aktienbestand verknappen – kein Stoff für Zocker, eher ein klassischer Dividendenbrocken mit Kursfantasie, wenn die Ziele auch wirklich sitzen.

Versicherer als Ruhepol im Durcheinander

Das Bild in der Branche: eher Stabilität als Drama. Uniqa meldet für die ersten neun Monate ein Ergebnis vor Steuern von 423 Millionen Euro, plus gut 24 Prozent, der Gewinn steigt auf 333 Millionen Euro. Die Prämien wachsen auf 6,4 Milliarden Euro, die Schaden-Kosten-Quote sinkt auf 91 Prozent – das heißt in Klartext: Die eingezahlten Beiträge decken die Schäden locker ab, es bleibt ordentlich etwas hängen. Entsprechend selbstbewusst bestätigt der Konzern die angehobene Jahresprognose von 490 bis 510 Millionen Euro.

Die Vienna Insurance Group legt noch einen drauf und hebt das Ziel für den Vorsteuergewinn 2025 auf 1,10 bis 1,15 Milliarden Euro an, nachdem bereits rund 873 Millionen Euro nach drei Quartalen erzielt wurden – mehr als 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Wer hier investiert ist, hat keinen Überflieger im Depot, aber einen Wert, der in unruhigen Zeiten eher den Ruhepol gibt als schlaflose Nächte.

Industrie zwischen Langstreckenlauf und Kriegswirtschaft

Im Industriekosmos geht es deutlich ruppiger zu. Die Deutsche Bahn rechnet unter der neuen Chefin Evelyn Palla für 2025 mit einem ganz leicht positiven operativen Ergebnis, bei mehr als 27 Milliarden Euro Umsatz – unterm Strich stehen aber weiter rund 820 Millionen Euro Verlust. 2026 soll der Umsatz auf gut 28 Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis auf etwa 500 Millionen Euro klettern, der Konzernverlust auf rund 180 Millionen Euro schrumpfen. Das ist kein Befreiungsschlag, eher der zähe Versuch, den Tanker langsam aus der Schieflage zu bekommen.

Aurubis zeigt, wie sich Anspruch und Wirklichkeit treffen: Das Ergebnis vor Steuern fällt von 413 auf 355 Millionen Euro, bleibt aber im Korridor der Prognose. Trotzdem erhöht der Kupferkonzern die Dividende auf 1,60 Euro je Aktie. Für 2025/26 wird ein EBT von 300 bis 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das ist vorsichtig formuliert, aber weit weg von Panik – eher die Botschaft: Das Geschäft schwankt, aber das Geschäftsmodell trägt.

Bilfinger kündigt bis 2030 jährlich acht bis zehn Prozent Umsatzwachstum und eine operative Marge von acht bis neun Prozent an, inklusive Zukäufen. Der Flughafen Wien macht dagegen kurzen Prozess mit einem Prestigeprojekt: Die dritte Piste wird gecancelt, eine Wertberichtigung von 55,9 Millionen Euro drückt die Gewinnerwartung 2025 von 230 auf 210 Millionen Euro.

Rheinmetall wiederum reitet knallhart auf der Aufrüstungswelle. Der Konzern will den Umsatz bis 2030 auf rund 50 Milliarden Euro treiben, mit einer operativen Marge von über 20 Prozent. Bisher lagen die Ziele bis 2027 bei 20 Milliarden Umsatz und 18 Prozent Marge. Die neue Marine-Sparte aus der Lürssen-Übernahme soll ihren Teil dazu beitragen. Man muss es nicht schön finden – aber an der Börse wird diese Art von Wachstum zurzeit gnadenlos bezahlt.

Tech: KI-Raketen und Problemkinder

Im Tech-Sektor sortiert der Markt gnadenlos nach Nutznießer und Nachzügler der KI-Welle. Crowdstrike hebt seine Umsatzprognose für das vierte Quartal auf 1,29 bis 1,30 Milliarden Dollar an, nach einem Umsatzzuwachs von 22 Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar im dritten Quartal. Unternehmen geben Geld dafür aus, dass ihre Systeme nicht ständig von Hackern zerlegt werden – und wenn das mit KI schneller geht, umso besser.

Dell setzt noch einen drauf: 27 Milliarden Dollar Umsatz, plus elf Prozent, Gewinn je Aktie 2,59 Dollar, plus 17 Prozent. Die Prognose für 2025/26 wird von 105 bis 109 auf 111,2 bis 112,2 Milliarden Dollar angehoben. Der Plan: Allein im Geschäft mit KI-Servern sollen 25 Milliarden Dollar Umsatz drin sein. Wer hier investiert, wettet direkt auf das Rückgrat der neuen Rechenzentren.

HP steht am anderen Ende der Skala. 4000 bis 6000 Stellen weg bis 2028, rund zehn Prozent der Belegschaft, eine Milliarde Dollar Einsparziel – und trotzdem nur ein erwarteter Gewinn je Aktie von 2,90 bis 3,20 Dollar statt der erhofften 3,33 Dollar. Steigende Speicherchip-Preise und notwendige Preiserhöhungen kratzen am Geschäftsmodell. Die Reaktion: Die Aktie rauscht im nachbörslichen Handel um gut fünf Prozent in den Keller.

In China wiederum treffen Rabattschlachten und Konjunkturfrust auf Tech-Fantasie. Alibaba übertrifft mit 247,8 Milliarden Yuan Umsatz die Erwartungen, PDD Holdings legt Umsatz und Gewinn deutlich zu, während Baidu unter einem Einbruch im Werbegeschäft leidet und nur im Cloud-Bereich zulegen kann. Hier zeigt sich: Auch in der größten Volkswirtschaft der Welt ist nicht jeder Internetwert automatisch ein Gewinner.

Konsum, Mode und Medien im Härtetest

Bei Hugo Boss steht 2026 als Umbaujahr im Kalender. Unter dem Schlagwort Claim 5 Touchdown werden Sortiment und Vertrieb neu sortiert, mit allen Konsequenzen: währungsbereinigter Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, Ebit nur noch 300 bis 350 Millionen Euro statt bis zu 440 Millionen Euro im laufenden Jahr. Das ist eine Rosskur mit Ansage – die Frage ist, ob der Patient danach fitter oder nur erschöpft ist.

Inditex zeigt die freundliche Variante der Story: Im November steigen die Umsätze währungsbereinigt um 10,6 Prozent, im dritten Quartal wächst der Umsatz auf 9,8 Milliarden Euro, der Bruttogewinn auf 6,1 Milliarden Euro. Die Marken rund um Zara trotzen warmem Herbstwetter und Konsumlaune – der Konzern wirkt wie der Klassenprimus der Fast-Fashion-Branche. Easyjet meldet mit 703 Millionen Pfund Betriebsgewinn ein dickes Plus und schraubt das Gewinnziel für das Pauschalreisengeschäft bis 2030 auf 450 Millionen Pfund hoch. Reisen ist offenbar eines der letzten Dinge, auf die viele Verbraucher verzichten wollen.

RTL und Remy Cointreau bekommen zu spüren, wie schnell Stimmung kippen kann. RTL senkt wegen mauer TV-Werbung das Umsatzziel auf 6,0 bis 6,1 Milliarden Euro und das erwartete bereinigte Ergebnis auf rund 650 Millionen Euro. Remy Cointreau meldet einen Umsatzrückgang, der operative Gewinn bricht ein, auch wenn der Konzern noch an leichtem Wachstum im Gesamtjahr festhält. Hier wird sich zeigen, welche Marken stark genug sind, höhere Preise und schwankende Nachfrage durchzudrücken – und welche nur noch vom Glanz vergangener Jahre leben.