Ein Bloomberg-Gerücht hat gereicht – und PayPal bekam an der Börse plötzlich Rückenwind: Die Aktie schloss fast 7% höher.
Stripe erwägt laut einem Bericht von Bloomberg News den Kauf von PayPal oder zumindest von Teilen des Geschäfts. Bloomberg beruft sich dabei auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Stripe habe demnach zunächst nur „vorläufiges“ Interesse signalisiert. PayPal und Stripe wollten den Bericht nicht kommentieren, Reuters konnte ihn nicht unabhängig bestätigen.
Was Stripe da überhaupt prüft
PayPal bringt es laut LSEG auf eine Marktbewertung von über 40 Milliarden Dollar. Stripe ist dagegen nicht börsennotiert, gilt aber als einer der teuersten Brocken der Branche: Am Dienstag wurde das Unternehmen in einem sogenannten Tender Offer für Mitarbeiter und Anteilseigner mit 159 Milliarden Dollar bewertet – vereinfacht gesagt ein interner Anteilskauf, der einen aktuellen Preis für die Firma festzurrt.
Stripe verkauft Zahlungs-Infrastruktur: Unternehmen können damit Zahlungen annehmen, Geld auszahlen und Abläufe rund ums Bezahlen automatisieren. Wenn Stripe bei PayPal anklopft, geht es also nicht um Spielerei, sondern um Reichweite, Kunden und eine dicke Portion Marktmacht.
PayPal steckt selbst mitten im Umbau
PayPal ist zuletzt ohnehin kein Selbstläufer mehr. Anfang des Monats wurde CEO Alex Chriss abgelöst – er sollte eigentlich durch eine Phase mit langsamerem Wachstum und härterem Wettbewerb führen. Auslöser war ein verhaltener Gewinnausblick für 2026, der deutlich unter den Erwartungen der Wall Street lag. Der Verwaltungsrat begründete den Schritt damit, dass Tempo und Umsetzung der Transformation unter Chriss nicht reichten. Zum neuen Präsidenten und CEO wurde der Chairman Enrique Lores ernannt.
Dazu kommt das Umfeld: PayPal verweist auf schwächere Konsumlaune. Hohe Zinsen, hartnäckig hohe Lebenshaltungskosten und erste Anzeichen eines weicheren Arbeitsmarkts drücken auf Käufe, die nicht zwingend nötig sind – und genau dort hängt viel Zahlungsvolumen.
Und über allem schwebt seit Jahren die gleiche Sorge: Apple und Google schieben sich mit eigenen Bezahllösungen immer weiter nach vorn. PayPal war lange der Platzhirsch und profitierte stark vom Pandemie-Schub Richtung Onlinehandel – seitdem ist das Wachstum aber abgekühlt, und der Turnaround zieht sich.
Die Frage ist jetzt: Bleibt es bei einem Sondieren, das den Kurs kurz hochzieht – oder wird aus dem Gedankenspiel tatsächlich ein Angriff auf die alte Ordnung im Payment-Markt?

