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18. November 2025

Siemens Healthineers-Aktie: Neuer Plan, alte Kursflaute

Siemens Healthineers
Foto: depositphotos.com / jetcityimage2

Siemens Healthineers sortiert sich neu – und das mitten im laufenden Ausstieg des Mehrheitsaktionärs Siemens. Auf einem Kapitalmarkttag hat Vorstandschef Bernd Montag am Montag seine Pläne für die kommenden Jahre vorgestellt. Die Siemens Healthineers-Aktie tut sich an der Börse damit bislang schwer, während das Unternehmen den Übergang in eine Phase größerer Eigenständigkeit vorbereitet.

Kurswechsel mit „Elevating Health Globally“

Kern der neuen Ausrichtung ist das Programm „Elevating Health Globally“. Healthineers bündelt seine Aktivitäten dabei rund um zwei große Standbeine: die Bildgebung mit Geräten wie MRT- und CT-Systemen sowie die neu formierte Einheit Precision Therapy. In dieser Sparte fasst der Konzern den Krebstherapiespezialisten Varian, die bisherige Einheit Advanced Therapies und das Ultraschallgeschäft zusammen.

Für dieses sogenannte Kerngeschäft stellt das Management ein mittelfristiges Umsatzwachstum von 6 bis 9 Prozent pro Jahr in Aussicht. Auf Konzernebene liegt die Zielspanne bei 5 bis 7 Prozent jährlich. Das Ergebnis je Aktie soll nach Unternehmensangaben weiter im zweistelligen Prozentbereich zulegen. Die neue Strategiephase folgt damit auf die frühere Agenda „New Ambition“, in der Healthineers noch von 6 bis 8 Prozent Wachstum pro Jahr ausgegangen war.

Inhaltlich orientiert sich der Konzern künftig stärker an vier großen Krankheitsbildern: Schlaganfälle, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen. Die Bildgebung soll Diagnostik und Prävention unterstützen, Precision Therapy die Behandlung übernehmen. Künstliche Intelligenz – also Software, die Muster in umfangreichen Datenbeständen erkennen kann – soll entlang dieser Kette verstärkt eingesetzt werden.

Zahlen liefern die Grundlage

Die neue Strategie knüpft an das abgelaufene Geschäftsjahr 2024/25 (bis 30. September) an. Auf vergleichbarer Basis erhöhten sich die Erlöse auf knapp 23,4 Milliarden Euro, ein Plus von 5,9 Prozent. Besonders die Bildgebung legte zu: Die Sparte steigerte ihren Umsatz um 8,5 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro und gewann nach Unternehmensangaben Marktanteile hinzu. Das bereinigte operative Ergebnis des Gesamtkonzerns lag bei fast 3,9 Milliarden Euro und damit rund 10 Prozent über dem Vorjahreswert.

An der Börse spiegelt sich diese Entwicklung bislang jedoch nur eingeschränkt wider. Nach Daten von comdirect lag der Xetra-Schlusskurs zuletzt bei 41,78 Euro. Die Spanne der vergangenen zwölf Monate reicht von 41,21 bis 58,48 Euro. Damit bewegt sich die Siemens Healthineers-Aktie eher im unteren Bereich ihres Jahreskorridors, obwohl Umsätze und Gewinne gestiegen sind.

Diagnostik im Fokus möglicher Strukturentscheidungen

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin der Diagnostiksparte. In diesem Segment bietet Healthineers unter anderem Laborstraßen und Reagenzien für die Blutanalyse an. Der Umsatz lag 2024/25 mit rund 4,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Die operative Marge verbesserte sich jedoch von 5,3 auf 7,7 Prozent. Damit bleibt der Bereich profitabel, erreicht aber noch nicht das Niveau der übrigen Sparten.

Da die Überschneidungen mit dem Kerngeschäft begrenzt sind, stehen unterschiedliche strategische Optionen für die Diagnostik im Raum. Eine Abspaltung wurde in der Vergangenheit immer wieder diskutiert. Montag bezeichnete den Bereich zwar als „zweiten Kern“ des Unternehmens, schloss strukturelle Schritte aber nicht aus. Ziel sei es, sich bei Diagnostik einem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich anzunähern.

Siemens zieht sich zurück – Markt bleibt vorsichtig

Parallel zur strategischen Neuausrichtung läuft der Rückzug von Siemens. Der Industriekonzern hält derzeit noch rund zwei Drittel der Anteile, will aber 30 Prozent der Aktien an die eigenen Aktionäre ausgeben und den verbleibenden Anteil anschließend über den Markt reduzieren. Healthineers hatte zuvor mehrfach eine Klarstellung der Eigentümerstruktur eingefordert.

Mehrere Analysehäuser sehen trotz der derzeit schwachen Kursentwicklung Raum nach oben. Banken wie JPMorgan und Jefferies haben ihre positiven Einstufungen für Siemens Healthineers bestätigt und Kursziele deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus veröffentlicht. Während der Konzern an Strategie, Portfolio und Struktur arbeitet, bleibt die Aktie damit im Spannungsfeld zwischen soliden Kennzahlen, offenen Weichenstellungen und einer bislang zurückhaltenden Bewertung an der Börse.