Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


16. Februar 2026

Siemens Energy rettet den Dax: Aus 7 Euro werden 161 Euro – und SAP wird zum Problemfall

Siemens ENergy
Foto: Depositphotos.com / JHVEPhoto

Vor nicht mal drei Jahren war Siemens Energy für viele Anleger ein Fall fürs Gruselkabinett – heute zieht ausgerechnet dieser Konzern den Dax mit nach oben. 2023 dümpelte die Aktie zeitweise bei knapp sieben Euro herum, inzwischen stehen 161 Euro auf dem Kurszettel. Das ist eine Drehung, bei der man als Marktbeobachter zweimal hinschaut.

Die Gründe sind handfest. Bei Siemens Gamesa, der Windkraft-Tochter, sollen die größten Baustellen erledigt sein. Und dann kommt der Treiber, den gerade keiner ignorieren kann: Künstliche Intelligenz frisst Strom wie ein Hochofen – und genau deshalb steigt der Bedarf an Netzen, Energieinfrastruktur und vor allem Gasturbinen.

Zahlen, die nicht nach Schönwetter aussehen

Die jüngsten Quartalszahlen passen ins Bild: Der Gewinn hat sich verdreifacht, die Bestellungen für Gasturbinen lagen 81 Prozent über dem Vorjahresquartal. Statt Milliardenverlusten stehen plötzlich Milliarden-Gewinne in Aussicht – für Anleger ist das der Stoff, aus dem Kursfantasie gemacht ist.

Wer einen Dax-ETF hält, profitiert davon automatisch. Siemens Energy kam im September 2020 zu 22 Euro an die Börse – und auf Jahressicht hat sich der Kurs fast verdreifacht. Das ist kein Detail am Rand, das ist ein richtig dicker Brocken im Index.

Ein Retter – weil woanders der Kurs bröckelt

Denn der Dax hätte ohne solche Gewinner ein Problem. Die Siemens-Energy-Aktie hat zuletzt wie kaum ein anderer Titel zum Dax-Erfolg beigetragen: Über zwölf Monate steht der Leitindex bei plus 7,7 Prozent, davon gehen 3,8 Prozentpunkte allein auf Siemens Energy (Berechnungsstand Anfang der Woche).

Auf der anderen Seite drückt SAP. Der Softwarekonzern hat in zwölf Monaten 37 Prozent Börsenwert verloren – und den Dax damit um 5,9 Prozentpunkte nach unten gezogen. Gut für den Index, dass es neben Siemens Energy auch Rheinmetall oder Allianz gab, die in die andere Richtung liefen.

SAP wächst – und wird trotzdem abgestraft

Der Timing-Faktor ist für SAP besonders unerquicklich. Im März 2024 hat die Deutsche Börse die Dax-Regeln geändert: Früher durfte ein einzelner Wert maximal zehn Prozent Gewicht haben, inzwischen sind es 15 Prozent. SAP war trotz seines riesigen Börsenwerts selbst mit zehn Prozent noch unterrepräsentiert – die neue Obergrenze war also praktisch eine Einladung, im Index stärker mitzuspielen.

Das hat der Kurs zunächst gefeiert, auch weil große Indexfonds ihre SAP-Positionen aufstocken mussten. Vor einem Jahr markierte die Aktie bei über 280 Euro ein Allzeithoch. Seitdem ist die Luft raus – nicht, weil das Geschäft plötzlich kippt, sondern weil sich die Angst in den Kurs frisst.

Disruption heißt: KI räumt den Laden um

Operativ läuft SAP weiter ordentlich: Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich, im letzten Geschäftsjahr sogar eine Nettomarge von 20 Prozent – also grob gesagt: Von 100 Euro Umsatz bleiben 20 Euro als Gewinn übrig. Das Problem ist die Zukunftserzählung. Anleger fürchten, dass KI teure Software irgendwann ersetzt – Disruption klingt schick, meint aber schlicht: Ein Umbruch, der alte Geschäftsmodelle zersägt.

Dieses Misstrauen trifft nicht nur SAP. Auch Microsoft oder kleinere Anbieter wie Salesforce und Adobe verlieren bei Anlegern an Glanz. Und tatsächlich kommen neue KI-Anwendungen auf den Markt, die zeigen, wie schnell die Technik gerade nach vorne marschiert – genannt werden etwa Anthropic und das junge OpenClaw. Da ist es nachvollziehbar, dass Investoren die sonst üblichen hohen Bewertungen bei Softwareaktien zusammenstutzen.

Das Absurde – und für den Dax zugleich ziemlich praktisch: Die KI-Sorge drückt SAP, aber derselbe KI-Boom treibt den Strombedarf und hilft Siemens Energy. Ob das reicht, um beide Geschichten dauerhaft zu stabilisieren, ist offen.