Ausgerechnet Samsungs Dauerbaustelle im Chipgeschäft bekommt jetzt Schub aus der wichtigsten Ecke der Branche. Wenn Nvidia-Chef Jensen Huang Samsung öffentlich als Produzenten neuer KI-Chips nennt, ist das eben kein höfliches Schulterklopfen, sondern ein Signal mit Wumms.
Die Börse hat genau das sofort geschnallt. Die Samsung-Aktie stieg am Dienstag zeitweise um bis zu 5 % und lag zuletzt 4,3 % im Plus bei 196.800 Won, nachdem sie zuvor 198.000 Won erreicht hatte. Der südkoreanische Gesamtmarkt zog mit plus 2,7 % zwar ebenfalls an, blieb aber klar dahinter. Übersetzt heißt das: Hier wurde nicht einfach der Markt gekauft, hier wurde ganz gezielt auf Samsung gesetzt.
Nvidia liefert den Steilpass
Auf der Entwicklerkonferenz GTC in Kalifornien sagte Huang, Samsung fertige bereits den neuen KI-Inferenzchip Groq LP30 für Nvidia. Die Produktion laufe, die Auslieferung solle in der zweiten Jahreshälfte starten. Samsung zeigte die Chips auf Basis seines 4-Nanometer-Verfahrens dort auch selbst. Viel deutlicher kann man so eine Botschaft kaum verpacken: Samsung ist bei einem heißen KI-Thema nicht nur irgendwie dabei, sondern mitten drin.
Das ist vor allem deshalb brisant, weil es um die Foundry-Sparte geht. Also um jenen Teil des Konzerns, der Chips für andere baut – für Kunden wie Tesla, Apple oder die eigene Smartphone-Sparte. Genau dieses Geschäft war zuletzt eher Klotz am Bein als Goldgrube und schrieb über Jahre Milliardenverluste. Wenn nun ausgerechnet Nvidia, der Taktgeber des KI-Hypes, Samsung an dieser Stelle nach vorn schiebt, verändert das die Lage. Noch nicht komplett, aber doch spürbar.
Hoffnung ja, Selbstläufer nein
Denn so sauber die Nachricht klingt: Ein Freifahrtschein ist sie nicht. Analyst Sohn In-joon von Heungkuk Securities hält es zwar für möglich, dass Samsungs Foundry-Geschäft später im kommenden Jahr den Break-even erreicht, also endlich die Gewinnschwelle packt. Aber er verweist zugleich auf ein Problem, das nicht einfach verschwindet: Die Nachfrage nach Smartphones könnte unter Druck geraten, weil die Preise für Speicherchips kräftig gestiegen sind. Anders gesagt: Der eine Motor springt gerade an, während ein anderer weiter stottert.
Genau darin steckt der Reiz dieser Geschichte. Einerseits bekommt Samsung plötzlich Glaubwürdigkeit im KI-Geschäft zurück – und das aus erster Hand. Andererseits bleibt das operative Bild widersprüchlich. Wer nur auf den Kurssprung schaut, sieht die halbe Wahrheit. Wer tiefer gräbt, merkt schnell: Die Wette auf Samsung ist jetzt interessanter geworden, aber längst noch kein Selbstläufer.
Jetzt schaut der Markt auf AMD
Zusätzliche Würze bekommt die Sache durch den nächsten Termin. Medienberichten zufolge will AMD-Chefin Lisa Su am Mittwoch Samsung-Chef Jay Y. Lee in Südkorea treffen. Im Markt schaut man nun genau hin, ob dabei auch eine mögliche Zusammenarbeit bei Speicher- und Logikchips auf den Tisch kommt. Das wäre kein Nebensatz, sondern potenziell der nächste Fingerzeig, wie ernst Samsung im KI- und Halbleiterrennen wieder genommen wird.
Entscheidend ist damit nicht nur, dass Nvidia Samsung jetzt Rückenwind gibt. Entscheidend ist, ob daraus ein echter Turnaround im Chipgeschäft wird – oder nur ein kräftiger, aber kurzer Börsenzucker. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob Samsung hier gerade den Hebel gefunden hat oder nur einmal kurz schön im Scheinwerferlicht stand.

