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12. März 2026

RWE setzt in den USA jetzt auf Gas – und das hat es in sich

RWE
Foto: Depositphotos.com / rafapress

Der KI-Boom frisst Strom ohne Ende – und genau darauf setzt RWE jetzt mit voller Wucht in den USA. Der Essener Konzern will dort nicht nur mit Wind, Solar und Batteriespeichern wachsen, sondern ganz bewusst auch mit neuen Gaskraftwerken. Darin steckt die eigentliche Botschaft: Wenn Rechenzentren rund um die Uhr laufen sollen, reicht grüner Schönklang allein eben nicht.

RWE will bis 2031 rund 17 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten investieren. Das ist fast die Hälfte der gesamten geplanten Ausgaben des Konzerns in diesem Zeitraum. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die USA sind für RWE längst mehr als nur ein interessanter Markt. Sie werden zum zentralen Wachstumsfeld.

Der Grund ist schnell erklärt. In den USA schießen Rechenzentren aus dem Boden, das Stromnetz ist an vielen Stellen alt, und der Bedarf an neuer Erzeugung steigt kräftig. Getrieben wird das vor allem von den ganz großen Tech-Konzernen, den sogenannten Hyperscalern – also den Schwergewichten, die ihre KI-Infrastruktur mit gewaltigen Summen hochziehen. Wer solche Maschinenparks betreibt, braucht keine Stromromantik, sondern verlässliche Versorgung.

Gas rückt plötzlich wieder ins Zentrum

Genau deshalb baut RWE beim Thema Gas jetzt sichtbar Druck auf. Der Konzern entwickelt in den USA eine Pipeline von Gaskraftwerksprojekten mit 5 Gigawatt Leistung. Mehr als 3 Gigawatt davon sollen bis 2035 umgesetzt werden. Die Logik dahinter ist simpel: Gaskraftwerke liefern Strom, wenn er gebraucht wird – auch dann, wenn gerade kein Wind geht und keine Sonne scheint. Für Industrie und Rechenzentren ist das kein Nebenthema, sondern knallharte Voraussetzung.

Ganz nebenbei ist RWE in den USA schon heute alles andere als ein Leichtgewicht. Der Konzern verfügt dort bereits über 13 Gigawatt installierte Kapazität aus Solar, Wind und Batteriespeichern. Bis 2031 soll diese Kapazität auf 22 Gigawatt steigen. Das zeigt, wie groß die Ambitionen inzwischen sind. RWE bastelt dort nicht an ein paar Einzelprojekten herum, sondern legt in einem der wichtigsten Energiemärkte der Welt eine ziemlich breite Spur.

Zahlen besser als gedacht, Börse trotzdem vorsichtig

Bei den Jahreszahlen ergibt sich ein gemischtes Bild. Das operative Kernergebnis sank 2025 um 10 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Das klingt zunächst nicht nach einer Jubelmeldung. Allerdings lag der Wert immer noch über der Analystenschätzung von 4,9 Milliarden Euro. Ganz so schlecht, wie es auf den ersten Blick aussieht, ist die Lage also nicht.

An der Börse kam das trotzdem nur verhalten an. Die Aktie, die seit Jahresbeginn bereits fast ein Fünftel zugelegt hat, wurde im vorbörslichen Handel 1,1 Prozent schwächer erwartet. Händler verwiesen auf einen leicht gesenkten Ausblick für das operative Ergebnis im Jahr 2027. Einerseits also ein Konzern mit großem Plan, starkem US-Fokus und Rückenwind durch den Stromhunger der KI-Branche. Andererseits bleibt die Frage hängen, ob dieser Expansionskurs am Ende auch genau das liefert, was der Markt sehen will: nachhaltig mehr Ertrag statt nur großer Ansagen.