Bei RTL geht es gerade nicht nur um Quoten, sondern ums Eingemachte: Der Konzern plant in Deutschland den Abbau von rund 800 bis 1000 Stellen – ein Schlag, der quer durch die Sendergruppe gehen soll, von RTL und Vox über n-tv bis RTL+. Grundlage ist ein neuer Sozialplan, den die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat ausgehandelt hat, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Mehrere Einheiten sollen dichtmachen, dort drohen ganz klassisch betriebsbedingte Kündigungen.
Unterm Strich trifft es fast jeden siebten der rund 7500 Mitarbeiter hierzulande. Für die Betroffenen ist das alles andere als eine Randnotiz, sondern ein tiefgreifender Umbau im laufenden Betrieb. Die Details will die Führung zunächst der oberen Management-Ebene vorstellen, erst danach ist die gesamte Belegschaft dran. Offiziell hält sich RTL auffallend bedeckt und verweist lediglich darauf, dass man „Spekulationen“ grundsätzlich nicht kommentiere.
TV-Werbung bricht weg, Streaming fängt es nicht auf
Hinter dem Kahlschlag steckt ein Problem, das jeder Werber inzwischen im Schlaf herunterbeten kann: Die Budgets wandern weg vom klassischen Fernsehen, hin zu Online, Social Media und Streaming-Plattformen. Der Markt für TV-Werbung in Deutschland schrumpft deutlich, gleichzeitig schauen weniger Menschen lineares Fernsehen – und zwar nicht nur ein bisschen, sondern im zweistelligen Prozentbereich. Für ein Geschäftsmodell, das jahrzehntelang auf Werbeblöcke zwischen Shows und Filmen gebaut hat, ist das ein echter Stresstest.
RTL versucht, die Flucht nach vorn anzutreten: RTL+ soll die Antwort auf Netflix & Co. sein. Im dritten Quartal meldete der Konzern 7,6 Millionen zahlende Abonnenten, ein Plus im mittleren zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr. Auf dem Papier sieht das ordentlich aus, in der Praxis aber offenbar nicht gut genug. Intern ist zu hören, dass sowohl Reichweite als auch Werbeeinnahmen hinter den ursprünglichen Plänen zurückbleiben, selbst die Abozahlen sollen unter den ehrgeizigen Zielen liegen. Kurz gesagt: Streaming wächst, aber zu langsam, um das Loch im klassischen TV-Geschäft zu stopfen.
Sky-Deal als große Wette – und Druck auf die Kosten
Parallel läuft die nächste Großbaustelle: die geplante Übernahme von Sky Deutschland. Konzernchef Thomas Rabe hat Synergien von rund 250 Millionen Euro in Aussicht gestellt – in normalem Deutsch heißt das: Doppelstrukturen raus, Technik bündeln, Inhalte gemeinsam verwerten. Das mögliche Gesamtvolumen des Deals liegt bei gut einer halben Milliarde Euro. Für RTL wäre das die größte Transaktion seit Gründung der Gruppe und eine klare Ansage: Größe soll die Schwächen im Kerngeschäft überdecken.
Genau hier passt der aktuelle Stellenabbau ins Bild. Wenn Sky in RTL integriert wird, braucht der Konzern weniger Parallel-Teams, weniger Verwaltung, weniger Technik doppelt. Der Umbau wird also nicht mit ein paar Teams erledigt sein, sondern dürfte die Organisation noch Jahre beschäftigen. In der Belegschaft wächst die Sorge, dass das erst der Anfang ist.
Im Mai 2026 steht zudem ein Wechsel an der Spitze an: Dann übernimmt Clément Schwebig den Chefposten von Thomas Rabe. Schwebig kennt das Pay-TV- und Streaming-Geschäft aus verschiedenen Märkten – und wird liefern müssen. Denn die Konkurrenz heißt nicht mehr nur ProSiebenSat.1, sondern vor allem Netflix, Amazon und andere Plattformen. Entscheidend wird, ob RTL mit Stellenabbau, Sky-Integration und Streaming-Offensive tatsächlich schlagkräftiger wird – oder ob der Konzern am Ende zwar schlanker, aber nicht wirklich stärker dasteht.

