Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


15. Dezember 2025

Rotation statt Crash: Warum nicht der ganze Nikkei fällt, aber die Stimmung kippt

Foto: depositphotos.com

Die Börsen in Asien starten in die letzte volle Handelswoche 2025 mit dem typischen „Bloß nichts Dummes mehr kurz vor Schluss“-Reflex: Erst mal vom Gas gehen, bevor Notenbanken und US-Daten den Markt durchschütteln. Besonders bitter für Technikfans: Ausgerechnet KI-nahe Aktien stehen heute mit dem Fuß auf der Bremse.

In Japan rutscht der Nikkei 225 um 1,7 Prozent auf 49.993 Punkte ab. Der breiter gefasste Topix verliert 0,3 Prozent auf 3.414 Zähler. In China wirkt das Ganze weniger dramatisch: Shanghai gibt nur minimal nach und steht bei 3.884 Punkten, der CSI 300 (die 300 wichtigsten Festlandwerte) fällt 0,2 Prozent auf 4.573 Punkte.

Chris Weston, Analysechef bei Pepperstone, bringt die Lage auf den Punkt: Viele Händler starten in die letzte Handelswoche, bevor sie ihre Bücher fürs Jahr schließen. Das heißt übersetzt: Es wird dünner an der Börse, weniger Liquidität, weniger Leute, die große Wetten eingehen. „Liquidität“ klingt geschniegelt, ist aber simpel: Wenn weniger gehandelt wird, können schon kleinere Orders den Kurs stärker bewegen.

Zins-Showdown und US-Daten: jeder wartet, keiner will sich verbrennen

Der große Grund für die Vorsicht ist die Zinswoche. Von der Bank of Japan erwarten viele eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent. Basispunkte sind nur eine andere Schreibweise für Zins-Schritte: 25 Basispunkte = 0,25 Prozentpunkte. Gleichzeitig könnte die Bank of England ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent senken. Die EZB dürfte die Zinsen ebenso unverändert lassen wie die Notenbanken in Schweden und Norwegen.

Dazu kommt: Die Anleger warten auf US-Konjunkturdaten, die sich wegen einer „Haushaltssperre“ verzögert hatten. Konkret geht es unter anderem um den Arbeitsmarktbericht für November und die monatlichen Verbraucherpreise. Wer an solchen Tagen zu früh voll reinläuft, steht schnell doof da – genau deswegen wird lieber abgewartet.

KI-Titel im Rückwärtsgang – eher Rotation als Crash

Die Schwäche hängt in Tokio vor allem an zwei Namen: SoftBank Group, die stark in KI-Startups investiert, und Advantest, ein Hersteller von Chiptestgeräten und Zulieferer von Nvidia. Dass ausgerechnet solche Titel drücken, passt zu dem, was eine Strategin von Nomura Securities, Fumika Shimizu, beobachtet: keine breite, branchenübergreifende Schwäche, sondern eher eine Sektorrotation. Heißt auf Deutsch: Geld wandert weg von den großen Technologiewerten, die 2025 besonders stark gelaufen sind, hin zu anderen Bereichen.

Das wird auch in der Marktbreite sichtbar: Im Nikkei halten sich Gewinner und Verlierer die Waage – 110 Aktien im Plus, 110 im Minus, fünf unverändert. Klingt langweilig, ist aber eine wichtige Botschaft: Das ist kein pauschales „Alles raus“, sondern eher ein Umschichten.

Im Devisenhandel gibt der Dollar 0,3 Prozent auf 155,34 Yen nach und legt leicht auf 7,05 Yuan zu. Er bewegt sich damit nahe seinem höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Später am Tag werden außerdem Daten zu Hauspreisen und Wirtschaftsaktivität im November erwartet. Zum Schweizer Franken rückt der Dollar auf 0,8 Franken vor. Der Euro bleibt fast unverändert bei 1,17 Dollar und zieht zum Franken leicht auf 0,93 Franken an.

Am Rohstoffmarkt geht es ebenfalls leicht nach oben: Brent steigt um 0,5 Prozent auf 61,45 Dollar je Barrel, WTI legt 0,5 Prozent auf 57,74 Dollar zu. Zuvor hatte Imperial Oil gemeldet, in seiner Raffinerie in Ontario (Kapazität: 120.000 Barrel pro Tag) habe es einen Feueralarm gegeben. Und aus Russland hieß es, eine Raffinerie in Afipski sei bei einem ukrainischen Drohnenangriff nicht beschädigt worden. Jetzt entscheidet sich, ob das Warten vor den Zinsentscheiden nur ein kurzer Sicherheitsgurt ist – oder ob die Märkte bis Jahresende generell lieber auf Nummer sicher gehen.