Wer Roche zuletzt nur noch als müden defensiven Tanker gesehen hat, bekommt gerade Gegenwind in die eigene Erwartung: Zwei positive Studien-Updates, dazu ein Deal in den USA, der die Zollkeule vom Tisch nimmt – und auf einmal wirkt die Aktie wieder wie ein Titel, der laufen will.
Auf dem Roche-Campus in Rotkreuz putzen Arbeiter die Fenster, im Hintergrund steht der Pilatus – drinnen im Konzern geht es derweil um etwas Handfesteres als Glas: Erst kamen erfreuliche Ergebnisse zu Fenebrutinib gegen Multiple Sklerose und Giredestrant gegen Krebs, dann die Nachricht, die Anleger besonders mögen: Roche hat sich mit der US-Regierung so verständigt, dass der Konzern von US-Zöllen befreit ist – und gleichzeitig seine Investitionen in den USA massiv hochfährt. Dass die Aktie seit Kurzem kräftig zulegt, hat also einen ziemlich klaren Treiber.
USA: Wo die Musik spielt
Das ist nicht irgendein Nebenschauplatz. Das US-Geschäft macht mehr als die Hälfte des Pharmaumsatzes aus. Wenn dort Ruhe einkehrt und die Perspektive stimmt, dann ist das für Roche so etwas wie Rückenwind auf offener See: langfristig dürfte der Bereich weiter wachsen.
Und noch wichtiger: Nach der Zitterpartie 2024 hat der Gesamtkonzern jetzt wieder Planungssicherheit. Für den Markt ist das bares Gold – nicht, weil damit schon alles gewonnen wäre, sondern weil das ständige „Was kommt als Nächstes?“ erst mal leiser wird.
Patentabläufe: Risiko, aber nicht nackt ausgeliefert
Die zweite große Baustelle bleibt trotzdem: Patente laufen aus, und das kann bei Pharmariesen weh tun. Aber Roche steht dabei nicht mit leeren Händen da. In diesem Jahr dürften 15 Einzelmedikamente jeweils mehr als eine Milliarde Schweizer Franken Jahresumsatz einbringen. Übersetzt: Der Konzern hängt nicht an einem einzigen Kassenschlager, sondern verteilt das Risiko auf viele Beine.
Dazu kommt die Pipeline – also die Produkt-Pipeline, nicht irgendein abstraktes Buzzword: Roche hat 64 Medikamente oder Anwendungen in einem fortgeschrittenen Stadium oder schon in der Zulassungsphase. Heißt: Viele Projekte sind nicht mehr im Labor-„Vielleicht“, sondern ziemlich nah dran an der Frage „Kommt das in den Markt – ja oder nein?“.
Unterm Strich dürfte Roche 2025 (die genauen Zahlen kommen am 29. Januar) mit einem Nettogewinn von rund 13 Milliarden Schweizer Franken den geschäftlichen Tiefpunkt von 2024 hinter sich gelassen haben – und 2026 dann weiter zulegen. Ob der aktuelle Schwung mehr ist als eine freundliche Momentaufnahme, hängt jetzt daran, ob aus Studienerfolg, US-Deal und Pipeline am Ende auch verlässlich Wachstum wird.
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