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6. Januar 2026

Rheinmetall, Telekom, Airbus: Wo Profis jetzt 2026 noch Luft nach oben sehen

Aktien

Analysten lagen 2025 bei manchen deutschen Aktien verblüffend gut: Heidelberg Druck, Bilfinger und Nordex legten jeweils um mehr als 100 Prozent zu – und standen schon zu Jahresbeginn auf der Favoritenliste. Genau deshalb lohnt der Blick auf das neue Ranking für 2026: Nicht, weil es die Zukunft kennt, sondern weil es zeigt, wo die Profis gerade Blut geleckt haben.

Das Handelsblatt hat dafür mit Daten des Finanzdienstes LSEG rund 1600 Analysten-Reports ausgewertet und sich 160 Aktien aus Dax, MDax und SDax vorgenommen. Heraus kam ein Ranking mit je drei „Top Picks“ pro Index – also die Titel, bei denen die Experten im Schnitt besonders optimistisch sind. Klingt trocken, ist aber praktisch: Wer wissen will, wo am Markt gerade Hoffnung, Fantasie und auch ein bisschen Übermut stecken, findet hier ziemlich klare Fingerabdrücke.

Dax: Viel Rückenwind, aber auch genug Fallhöhe

Rheinmetall ist der Posterboy dieser Liste – und zugleich ein Papier, das schnell mal ruckelt. Von Januar bis Oktober 2025 ging es wegen steigender Verteidigungsausgaben in Europa um mehr als 200 Prozent nach oben. Zum Jahresende lag der Kurs dann aber 22 Prozent unter dem Höchststand. Der Auslöser: Zweifel an der inzwischen teuren Bewertung und mehr Gespräche über einen möglichen Frieden in der Ukraine. Genau da sitzt das Risiko: Wenn Frieden näher rückt, kann die Aktie weiter empfindlich reagieren. Trotzdem bleibt der Analystenchor fast geschlossen: 19 von 22 raten zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2200 Euro – knapp 41 Prozent über dem Schlusskurs 2025. Dazu kommt: Die Auftragsbücher sind laut Text voll, und Analystenschätzungen sehen den Gewinn sowohl im abgelaufenen Jahr als auch in diesem und im nächsten um etwa 50 Prozent wachsen. UBS-Analyst Sven Weier schrieb im Dezember, im Kurs seien eher Verteidigungsausgaben von zwei Prozent eingepreist, obwohl Nato-Mitglieder sich verpflichtet hätten, künftig 3,5 Prozent des BIP für klassische Verteidigung auszugeben. JP-Morgan-Analyst David Perry nennt den Rücksetzer deshalb einen Einstieg – auch, weil das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis, grob: wie teuer ein Gewinn-Euro an der Börse bezahlt wird) gefallen ist: Auf dem Rekordhoch lag es auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne bei 48, zuletzt bei 37; auf Basis der 2027er Gewinne sinkt es auf 25.

Bei der Deutschen Telekom ist das Bild fast umgekehrt: nicht heiß gelaufen, sondern abgekühlt. Nach fünf Gewinnjahren in Folge war 2025 für Aktionäre enttäuschend. Nach einem Kursplus von 98 Prozent von Ende 2019 bis Ende 2024 schloss die Aktie 2025 mit gut vier Prozent Minus, vom Jahreshoch im März beträgt der Abschlag sogar 23 Prozent. Hauptproblem: der schwache Dollar. Fast zwei Drittel des Umsatzes macht die Telekom inzwischen über die US-Tochter T-Mobile US in den Vereinigten Staaten. Dazu kamen Sorgen über den aggressiveren Kurs des Rivalen Verizon und die Befürchtung, Starlink könnte vom Partner zum Konkurrenten werden. Viele Analysten halten das für überzogen. Ottavio Adorisio verweist auf die US-Marktstruktur: drei große Netzbetreiber, ausgeglichene Anteile, wenig Platz für neue Angreifer – und das Wachstum von T-Mobile US als Beleg für die starke Position. Ergebnis: 19 von 21 Experten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 38 Euro, ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Schlusskurs 2025. Obendrauf kommt eine Dividende, die Dividendenrendite liegt laut Text aktuell bei 3,6 Prozent.

Airbus rutschte gegen Jahresende aus einem ganz anderen Grund: nicht wegen fehlender Nachfrage, sondern wegen Problemen in der Produktion. Softwarethemen und mangelhafte Rumpfteile setzten dem Flugzeugbauer in den letzten Monaten 2025 zu. Gegenüber dem Jahreshoch im November stand am Ende ein Minus von knapp neun Prozent. Im Gesamtjahr blieb trotzdem ein Kursplus von 29 Prozent. Für 2026 sehen Analysten im Schnitt noch einmal 16 Prozent Luft bis 230 Euro – aber die Zustimmung ist weniger eindeutig als bei Rheinmetall oder Telekom: Von 21 Analysten raten 16 zum Kauf, vier zum Halten, einer zum Verkaufen. Goldman-Sachs-Analyst Sam Burgess dreht die December-Probleme sogar positiv: Verzögerte Auslieferungen im Schlussquartal 2025 könnten das erste Quartal 2026 stärker aussehen lassen. Holger Schmidt von der DZ Bank setzt darauf, dass Lieferkettenprobleme langsam abebben – wichtig, weil Airbus die Produktionsraten erhöhen will. Mit einem KGV von 25 ist die Aktie laut Text nicht billig. Andererseits steht Airbus zusammen mit Boeing in einem Duopol – das rechtfertigt höhere Bewertungen. Und: Boeing ist aktuell dreimal so hoch bewertet.

MDax: Ticketkasse, KI-Tempo und eine Reise-Wette

CTS Eventim ist der Titel, der am wenigsten Erklärung braucht: Wer Konzerte besucht, landet fast zwangsläufig bei Eventim. Der Ticketing-Anbieter ist nach eigenen Angaben die Nummer eins in Europa und vermarktet pro Jahr mehr als 300 Millionen Tickets. Pro Karte kassiert das Unternehmen Gebühren, dazu kommen eigene Konzerte und Festivals. 2025 schwächelte das Livegeschäft zeitweise, was den Kurs drückte. Mit den Zahlen fürs dritte Quartal überraschte Eventim dann aber positiv. Bank-of-America-Analyst Henrik Paganetti sieht sich bestätigt: Live-Events gewännen in einer digitalen Welt eher an Bedeutung. Er rechnet mit mehr verkauften Tickets und höheren Preisen – unter anderem wegen knapper Angebote bei Top-Künstlern und weil soziale Medien die „gefühlte Wertigkeit“ hochschieben. 13 von 15 Analysten empfehlen Kaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 105,50 Euro, rund 34 Prozent über dem Schlusskurs 2025 von 78,50 Euro. Das KGV liegt bei knapp 22 – im Text steht der Vergleich: Live Nation Entertainment kommt auf ein KGV von 62.

Auto1 ist die Wette auf Effizienz statt Glanz. Der Online-Gebrauchtwagenhändler hinter Autohero ist seit 2021 an der Börse. Gegenüber dem Ausgabepreis liegt die Aktie zwar noch ein Viertel im Minus, aber Analysten glauben an eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. 2025 erhöhte Auto1 dreimal die Prognose, der Kurs stieg um 73 Prozent. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 34 Euro – das wäre noch einmal knapp 25 Prozent Plus auf Jahressicht. Zwölf von 15 Experten raten zum Kauf, beim Bankhaus Metzler steht Auto1 sogar in einer Liste der zehn vielversprechendsten deutschen Aktien für 2026. Metzler-Analyst Pal Skirta begründet das mit operativer Effizienz: KI-gesteuerte Preis- und Aufbereitungsprozesse sollen die Stückwirtschaftlichkeit und Renditen verbessern. Analysten rechnen damit, dass Auto1 den Nettogewinn pro Aktie in diesem Jahr um 68 Prozent steigern kann und 2027 um weitere 41 Prozent. Dadurch würde das KGV von derzeit 69 auf 29 sinken.

Tui wirkt auf dem Papier wie die klassische „zu billig, um sie zu ignorieren“-Geschichte – nur hat der Kurs das bisher nicht wirklich gefeiert. Der Konzern hat sich von der existenzbedrohenden Coronakrise erholt, im Kursbild sieht es aber noch mager aus: 2025 stieg die Aktie nur knapp acht Prozent und liegt mehr als 70 Prozent unter dem Niveau von 2019. Analysten trauen ihr im Schnitt trotzdem einen Anstieg auf 11,50 Euro zu, also 28 Prozent Plus. Zwölf von 16 raten zum Kauf. Bei der Deutschen Bank gehört Tui 2026 zu einem Korb mit den zehn attraktivsten deutschen Aktien. Die Analysten um Maximilian Uleer beschreiben Tui als voll integrierten, weltweit führenden Reiseveranstalter, der fast 30 Prozent seines Umsatzes in Deutschland macht und von steigenden Reiseausgaben durch eine Erholung des Wirtschaftswachstums profitieren dürfte. Der große Reiz liegt laut Text in der Bewertung: KGV sechs – mehr als 50 Prozent Abschlag gegenüber dem historischen Durchschnitt. Außerdem zahlt Tui erstmals seit der Pandemie wieder eine kleine Dividende.

SDax: Abgestraft, unterschätzt, wieder auf dem Zettel

GFT Technologies hat Anlegern lange Zeit eher Bauchschmerzen gemacht: Seit den Höchstständen im Juni 2022 ist die Aktie um mehr als 60 Prozent gefallen, 2025 endete mit minus 14 Prozent. Jetzt hoffen Analysten auf den Turnaround. Alle sechs Experten, die die Aktie laut LSEG beobachten, raten zum Kauf. Im vergangenen Jahr drückten Umbaukosten, ab dem laufenden Jahr sollen die Gewinne wieder steigen. GFT setzt auf KI-gestützte Lösungen für Finanzinstitute, Versicherungen und Industrie – zum Beispiel für Echtzeithandel, frühe Betrugserkennung oder Risikobewertungen mit KI. Mit einem KGV von zehn gilt die Aktie als günstig bewertet; vom Korrekturtief im September hat sie sich 17 Prozent entfernt. Die Analysten sehen 58 Prozent Kurspotenzial bis 30 Euro. Der Haken steht aber gleich mit im Text: Ein Auslöser für eine richtig dynamische Erholung fehlt bislang.

Kontron verdient Geld mit einem Trend, der selten laut ist, aber überall durchzieht: Maschinen und Geräte ins Netz bringen – Internet of Things. Der Konzern profitiert laut Text vom Bedarf an industrieller Automatisierung, von der Digitalisierung der Bahn- und Schienensysteme und von höheren Verteidigungsausgaben. DZ-Bank-Analyst Armin Kremser setzt dabei auf den wachsenden Softwareanteil als Hebel für bessere Erträge. Das IoT-Betriebssystem KontronOS soll als Abo-Modell langfristig wiederkehrende Erlöse bringen. Alle elf Experten raten zum Kauf. Jefferies-Analyst Martin Comtesse hebt den Fokus auf Rentabilität und schnelles Wachstum in margenstarken Segmenten wie Eisenbahninfrastruktur und Verteidigung hervor – dort liegen die Margen laut Text jeweils bei mehr als 20 Prozent. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 31,80 Euro, knapp 40 Prozent über dem Schlusskurs 2025. Das KGV liegt bei elf.

Cewe ist die ruhigere Nummer in der Runde – solide, aber an der Börse seit zwei Jahren im Standgas. Der Konzern aus Oldenburg ist Europas größter Fotodienstleister, bekannt für Fotobücher. Inzwischen hilft KI bei der Erstellung: Kunden bekommen Vorschläge zu Bildauswahl und Layout, ein KI-Chatbot unterstützt bei Fragen, schlechte Fotos werden hochgerechnet. 2023 und 2024 erreichten Umsatz und Ergebnis jeweils Rekordstände. Analysten erwarten, dass sich der Trend 2025 fortgesetzt hat, und rechnen im laufenden Jahr mit einer weiteren Verbesserung. Trotzdem tritt der Kurs seitwärts. Thilo Kleibauer von Warburg Research nennt die Aktie „äußerst attraktiv“, vor allem wegen der im historischen Durchschnitt niedrigen Bewertung: KGV elf. Er rät wie fünf weitere Analysten zum Kauf, Halten oder Verkaufen empfiehlt keiner. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 140 Euro, knapp 38 Prozent über dem Schlusskurs 2025.

Hinweis: Der Artikel ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der genannten Aktien. Er soll zur Diskussion anregen und kann Ausgangspunkt für weitere Recherchen sein. Entscheidend wird sein, ob aus den Kurszielen 2026 echte Treffer werden – oder ob der Markt den Experten wieder einmal zeigt, wer am Ende das letzte Wort hat.