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10. März 2026

Renault überrascht mit radikalem Auslandsplan

Renault
Foto: Depositphotos.com / alexeynovikov

Renault zieht die Reißleine – allerdings nicht aus Panik, sondern mit einem ziemlich klaren Plan. Der französische Autobauer will raus aus der engen Europa-Logik und bis 2030 deutlich mehr Autos in anderen Weltregionen verkaufen. Mehr als 2 Millionen Renault-Fahrzeuge pro Jahr sollen es dann sein. 2025 waren es noch 1,63 Millionen. Das wäre ein Plus von 23 %.

Der entscheidende Punkt steckt aber an anderer Stelle: Bis 2030 soll die Hälfte aller Renault-Verkäufe außerhalb Europas stattfinden. Zuletzt lag dieser Anteil bei 38 %. Das ist kein kosmetischer Eingriff und auch kein hübscher Satz für eine Investorenpräsentation. Renault will sein Geschäftsmodell breiter aufstellen, weil der Druck im europäischen Heimatmarkt spürbar zunimmt.

Europa wird für Renault zum Problemfall

Genau dort wird die Luft nämlich rauer. Günstige chinesische Hersteller wie BYD und Chery drücken mit Macht in den Markt, dazu kommt Konkurrenz von alten Bekannten wie Stellantis. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Die Preise geraten unter Druck, die Margen gleich mit. Für Renault ist das eine unangenehme Gemengelage, denn der Konzern gehört eher zu den kleineren traditionellen Autobauern und kann sich teure Fehltritte nicht beliebig leisten.

Die Antwort darauf fällt ziemlich offensiv aus. In den kommenden fünf Jahren will Renault 36 neue Modelle auf den Markt bringen. 14 davon sind für Märkte außerhalb Europas vorgesehen. In Europa setzt der Konzern dabei vor allem auf eigene Technik. In anderen Regionen sollen Partner helfen, das Geschäft schneller hochzuziehen – vor allem Geely in Südamerika und Südkorea.

Große Ziele, harter Wettbewerb

Konzernchef Francois Provost gibt sich entsprechend selbstbewusst. Renault wolle zeigen, dass man langfristig mitspiele und auf globaler Ebene zum Maßstab der europäischen Autoindustrie werden könne. Das klingt groß, fast schon angriffslustig. Ganz aus der Luft gegriffen ist es aber nicht, denn Renault steht heute deutlich stabiler da als noch vor fünf Jahren, als hohe Verluste den Konzern zum Rückzug aus mehreren Auslandsmärkten und zum Abbau tausender Stellen zwangen.

Trotzdem bleibt das Umfeld heikel. Die Branche fährt derzeit auf Sicht. Der Rückzug staatlicher Unterstützung für Elektroautos in den USA unter Donald Trump hat bei einigen Rivalen bereits zu massiven Abschreibungen und abrupten Kurswechseln geführt. Renault ist davon nicht direkt getroffen, weil der Konzern weder in den USA noch in China präsent ist. Gerade das macht die internationale Expansion nun umso wichtiger.

Elektro ja – aber bitte ohne Blindflug

Beim Thema Elektro geht Renault jedenfalls nicht vom Gas. Bis 2030 sollen 16 reine E-Modelle kommen. Das wären 44 % aller geplanten neuen Fahrzeuge. Gleichzeitig bleibt der Konzern pragmatisch und setzt weiter auf Hybride, weil die Nachfrage nach Elektroautos in Europa schwächer läuft als viele Hersteller lange gehofft hatten. Zusammen mit Geely entwickelt Renault über das Gemeinschaftsunternehmen Horse Powertrain deshalb auch kleinere Motoren für Hybridfahrzeuge.

Besonders spannend ist die neue Elektroplattform, die für 2028 angekündigt ist. Sie soll auch als Range-Extender-Version kommen – also als E-Auto mit zusätzlichem Benzinmotor, der die Reichweite absichert. Renault stellt dabei bis zu 1.400 Kilometer in Aussicht. Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass der Konzern nicht blind einer reinen Elektro-Lehre folgt, sondern lieber Lösungen baut, die im Alltag tatsächlich funktionieren sollen.

Neue Modelle sollen den Schub bringen

Noch am Dienstag will Renault außerdem zwei neue Modelle zeigen: den Bridger, ein kleines SUV für den indischen Markt, und den Dacia Striker, einen Crossover-Kombi, der sich unter anderem mit dem Skoda Octavia messen soll. Einerseits sendet Renault damit ein Signal des Aufbruchs. Andererseits wird sich erst noch zeigen müssen, ob neue Modelle, Partner und eine breitere Weltkarte am Ende reichen, um in diesem gnadenlosen Markt wirklich dauerhaft zu bestehen.