20 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe sind kein Kleingeld, sondern ein ziemlich lautes Signal. Qualcomm greift tief in die Tasche, weil der Markt die Aktie zuletzt ordentlich verprügelt hat. Neben dem neuen Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Dollar läuft noch ein älterer Plan über 2,1 Milliarden Dollar. Obendrauf hebt der Konzern die Quartalsdividende von 89 auf 92 Cent je Aktie an.
Der Schritt kommt nicht aus einer Laune heraus. Seit Jahresbeginn hatte die Qualcomm-Aktie mehr als 24 Prozent verloren. Am Dienstag sprang sie nach der Ankündigung dann um mehr als 3 Prozent an. Das wirkt fast wie ein Befreiungsschlag, zumindest auf den ersten Blick. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Management will den Aktionären zeigen, dass es den Kursrutsch für überzogen hält und jetzt selbst dagegenhält.
Das Problem sitzt im Kerngeschäft
Die Baustelle ist dabei ziemlich klar. Qualcomm hängt noch immer stark am Smartphone-Markt, und genau dort drückt derzeit der Schuh. Eine weltweite Knappheit bei Speicherchips bremst die Produktion von Handys aus. Wenn die Gerätehersteller langsamer bauen, trifft das am Ende auch den Zulieferer. Genau dieser Gegenwind hat Qualcomm in den vergangenen Monaten zugesetzt.
Das ist für Anleger unangenehm, weil es zeigt, wie abhängig der Konzern trotz aller Umbauversuche noch immer von seinem alten Hauptgeschäft ist. Qualcomm liefert Chips an große Android-Hersteller und auch an Apple. Gleichzeitig versucht der Konzern schon länger, neue Standbeine aufzubauen – etwa bei Rechenzentren und beim autonomen Fahren. Diversifizierung klingt erst mal nach Konzernsprech, heißt aber am Ende schlicht: Qualcomm will nicht mehr nur vom Handygeschäft leben.
Viel Hoffnung, aber noch kein Freifahrtschein
Genau hier wird es spannend. Einerseits hat Qualcomm mit seinen Vorstößen in neue Märkte durchaus Argumente auf seiner Seite. Andererseits bleibt die Frage, wie schnell daraus wirklich stabiles Geschäft wird. Rückkäufe und eine höhere Dividende sind nett für Aktionäre, aber sie ersetzen kein operatives Wachstum. Sie sind eher ein Pflaster als die eigentliche Therapie.
Für die Aktie ist die Nachricht trotzdem relevant. Solche Programme stützen oft die Stimmung, weil sie das Angebot an frei handelbaren Aktien verringern und Vertrauen signalisieren. Doch allzu große Euphorie wäre fehl am Platz. Die entscheidende Frage lautet nun: Reicht dieser finanzielle Schulterklopfer, um den Markt dauerhaft zu überzeugen, oder bleibt es am Ende nur ein kurzer Impuls? Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob Qualcomm beim Umbau wirklich vorankommt – oder ob das Smartphone-Geschäft den Konzern weiter in Geiselhaft hält.

