Die elektrische Zukunft stolpert gerade ziemlich sichtbar über die Gegenwart. General Motors verlängert den Produktionsstopp in seinem Detroiter Werk Factory ZERO bis zum 13. April und schickt damit 1.300 Beschäftigte vorübergehend nach Hause.
Das ist kein kleiner Betriebsunfall und auch kein bloßes Husten im Ablauf. GM zieht hier die Handbremse, weil die Nachfrage nach Elektroautos nicht so zieht, wie der Konzern es brauchen würde. In dem Werk werden unter anderem der Chevrolet Silverado EV und der Hummer EV gebaut – also genau die Modelle, mit denen GM zeigen wollte: Schaut her, wir können elektrisch auch groß, schwer und amerikanisch.
Der Stillstand kommt nicht aus dem Nichts
Wer die Entwicklung in den vergangenen Monaten verfolgt hat, sieht schnell: Das hier ist kein einmaliger Aussetzer. Der aktuelle Produktionsstopp läuft schon seit dem 16. März. Und bereits im Januar hatte GM die Fertigung dort um rund 50 Prozent gekappt. Anders gesagt: Das Werk läuft schon länger nicht rund.
Offiziell spricht der Konzern davon, die Produktion an die Marktnachfrage anzupassen. Klingt geschniegelt, heißt aber am Ende schlicht: Es werden derzeit nicht genug Fahrzeuge verkauft, um die Bänder vernünftig auszulasten. Genau das ist der wunde Punkt. Denn ein Werk dieser Größenordnung stellt man nicht zum Spaß ruhig.
Teure EV-Wette, altes Geschäft weiter stark
Richtig unerquicklich wird die Sache beim Blick auf die Zahlen. GM hat auf seine Elektroprogramme bereits Abschreibungen von 7,6 Milliarden Dollar verbucht. Das ist kein Schönheitsfehler mehr, das ist ein ordentlicher Brocken. Eine Abschreibung heißt unterm Strich: Geld ist geflossen, die Erwartungen haben sich aber nicht so erfüllt wie gedacht.
Und während das EV-Geschäft stottert, macht GM das, was die großen US-Autobauer in solchen Phasen fast immer machen: zurück zu dem, was Geld druckt. Der Konzern bestätigte am Montag, ab Juni die Produktion schwerer Trucks in einem anderen Werk in Michigan hochzufahren. Pick-ups und große SUVs bleiben eben die Profitmaschinen. Elektrisch ist die Zukunft, klar. Aber Benziner und andere klassische Modelle zahlen gerade noch oft die Rechnung.
Die ganze Branche ringt mit der Realität
GM steht mit dem Problem nicht allein da. Mehrere Autobauer haben ihre E-Auto-Pläne zuletzt zusammengestrichen, verschoben oder vorsichtiger formuliert. Dazu kommen geänderte politische Rahmenbedingungen in den USA unter Präsident Donald Trump. Auch das drückt auf die Planungssicherheit. Wenn Vorgaben, Förderung und Marktstimmung durcheinandergeraten, wird aus der schönen EV-Story schnell ein ziemlich zäher Umbau.
Für Anleger ist das eine Nachricht mit Wucht. Einerseits hält GM am Kurs Richtung Elektroauto fest. Andererseits zeigt dieser verlängerte Werkstopp brutal offen, wie hakelig dieser Umbau in der Praxis läuft. Die entscheidende Frage ist jetzt: Bleibt das nur ein vorübergehender Dämpfer – oder wird Factory ZERO zum Symbol dafür, dass der Hochlauf der Elektroautos deutlich schleppender läuft, als viele Manager und Anleger lange gehofft hatten?

