Wenn Donald Trump „morgen früh“ sagt, meint er diesmal tatsächlich die Notenbank – und damit den wohl wichtigsten Posten der US-Wirtschaftspolitik nach dem Präsidentenamt. Am Donnerstag (Ortszeit) kündigte Trump an, am Freitag seinen Kandidaten für die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell zu präsentieren. Powells Amtszeit endet Mitte Mai, aber Trump will die Personalfrage offenbar jetzt schon abhaken.
Auffällig ist, wie offen Trump das Thema spielt: Seit Monaten wird über die Nachfolge spekuliert, nun soll das Rätsel mit einem Satz beendet werden. Und wie so oft, wenn Trump etwas ankündigt, läuft parallel schon die Wette im Hintergrund.
Wettbörsen sehen einen klaren Favoriten
Seit Donnerstagabend gilt Kevin Warsh als Top-Favorit. Warsh saß früher im Board der Fed, also im Leitungsgremium der Notenbank, und war schon 2017 als möglicher Vorsitzender im Gespräch. Auf Prognosemärkten – das sind im Kern Wettbörsen, auf denen Leute auf politische Ereignisse setzen – wurden seine Chancen am Donnerstagabend mit 95 Prozent bewertet.
Dazu passt ein Bericht von Bloomberg: Unter Berufung auf Insider heißt es dort, Trump plane, Warsh zu nominieren. Gleichzeitig der wichtige Zusatz: Fix ist es erst, wenn Trump es formal verkündet. Bei dieser Art Personalien kann bis zur letzten Minute noch etwas kippen.
Kandidaten schrumpfen, Druck wächst
Trump hatte dem Sender CNBC vergangene Woche gesagt, das Kandidatenfeld sei von elf auf zwei bis drei Personen geschrumpft. Und er legte nach: „Und ich kann Ihnen wahrscheinlich sagen, dass meiner Meinung nach nur noch ein Kandidat bleibt.“ Übersetzt: Er tut so, als sei die Entscheidung praktisch gefallen.
Zuletzt wurden vor allem fünf Namen gehandelt – und alle eint ein Punkt: Sie stehen eher für niedrigere Zinsen. Genau das fordert Trump seit Monaten. Neben Warsh zählt dazu Blackrock-Manager Rick Rieder, der bis Mittwoch an den Wettmärkten noch als Favorit galt. Auch die amtierenden Fed-Gouverneure Christopher Waller und Michelle Bowmann werden genannt. Dem Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Kevin Hassett, werden dagegen nur noch geringe Chancen eingeräumt.
Zinsstreit mit harter Kante
Der Streit ist längst nicht mehr nur ein Twitter- und Talkshow-Thema. Trump drängt die als unabhängig geltende Fed, die Zinsen zu senken – und zuletzt wurde eine neue Eskalationsstufe bekannt: In Washington wurde diesen Monat eine strafrechtliche Untersuchung gegen Powell wegen der 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierungskosten des Fed-Gebäudes eingeleitet. Powell bezeichnete das als „Vorwand“, um ihn in der Geldpolitik unter Druck zu setzen.
Gleichzeitig ist die Ausgangslage bei den Zinsen klar: Die Fed legte am Mittwoch nach drei Zinssenkungen im Jahr 2025 eine Pause ein und ließ den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Der Leitzins ist vereinfacht gesagt der Taktgeber fürs ganze Zinsniveau im Land – von Krediten bis Hypotheken. Trump will aber zwei bis drei Prozentpunkte weniger. So ein Niveau steht normalerweise eher für eine Wirtschaft, die lahmt oder schwächelt.
Nur passen die Konjunkturdaten im Text nicht zu diesem Alarmton: Nach Angaben des Handelsministeriums ist die US-Wirtschaft im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 4,4 Prozent gewachsen – „aufs Jahr hochgerechnet“ heißt: Die Quartalsdynamik wird so getan, als würde sie ein ganzes Jahr anhalten.

