Aktie.com - Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


23. März 2026

Pentagon macht Ernst: Warum Palantir jetzt den ganz großen Wurf landen könnte

Palantir
Foto: Depositphotos.com / rokas91

Aus einem heiklen KI-Projekt wird plötzlich ein fester Baustein der US-Kriegsführung: Palantirs Maven-System soll im Pentagon offenbar offiziell zum Dauerprogramm werden. Das ist kein technischer Verwaltungsakt für Aktenordner und Sitzungsräume, sondern ein ziemlich klares Signal. Washington will künstliche Intelligenz nicht mehr nur testen, sondern tief in die militärische Praxis drücken.

Genau das geht aus einem Schreiben von Vize-Verteidigungsminister Steve Feinberg hervor. Demnach soll Maven bis zum Ende des laufenden Fiskaljahres im September als offizielles „program of record“ geführt werden. Übersetzt heißt das: Das System bekommt einen festen Platz im Apparat, langfristige Finanzierung und deutlich bessere Chancen, in allen Teilstreitkräften breit ausgerollt zu werden. Für Palantir ist das ein dicker Brocken.

Brisant ist vor allem, was Maven überhaupt macht. Die Plattform zieht Daten aus Satelliten, Drohnen, Radaren, Sensoren und Geheimdienstberichten zusammen und filtert daraus mögliche Bedrohungen oder Ziele heraus. Anders gesagt: Die Software soll in einem Datenchaos in Sekunden Dinge finden, für die Menschen sonst deutlich länger brauchen würden. Genau diese Beschleunigung macht das System militärisch attraktiv – und politisch so explosiv.

Laut Reuters ist Maven schon jetzt das wichtigste KI-Betriebssystem des US-Militärs. In den vergangenen drei Wochen soll es im Zusammenhang mit tausenden gezielten Angriffen gegen Iran genutzt worden sein. Wer da noch von einem Zukunftsprojekt spricht, liegt daneben. Das Ding läuft längst im Echtbetrieb.

Ein Volltreffer für Palantir

Für Palantir ist die Sache deshalb ein strategischer Jackpot. Der Konzern hat sich in Washington ohnehin vom Datenspezialisten zum immer tiefer verankerten Rüstungspartner hochgearbeitet. Ein im vergangenen Sommer bekannt gewordener Army-Auftrag mit einem Volumen von bis zu 10 Milliarden Dollar hat bereits gezeigt, wohin die Reise geht. Dass die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten kräftig gestiegen ist und der Börsenwert laut Reuters inzwischen bei fast 360 Milliarden Dollar liegt, kommt nicht aus dem Nichts.

Mit dem neuen Status würde Maven noch fester im Pentagon einbetoniert. Die Aufsicht soll binnen 30 Tagen von der National Geospatial-Intelligence Agency an das Chief Digital and Artificial Intelligence Office wechseln. Künftige Verträge mit Palantir soll die US Army abwickeln. Das klingt sperrig, ist aber in Wahrheit ziemlich simpel: weniger Provisorium, mehr Dauerlösung.

Der alte Streit ist damit wieder voll da

Gerade das macht die Entwicklung so heikel. Project Maven startete 2017 ursprünglich als Programm zur Auswertung von Drohnenbildern. Schon damals war klar, dass daraus deutlich mehr werden könnte. 2018 zog sich Google nach lautem internen Protest aus dem Projekt zurück. Tausende Mitarbeiter wollten nicht, dass ihre Technik mit militärischer Zielerfassung verknüpft wird. Was damals vielen noch als rote Linie galt, scheint heute im Pentagon eher als neue Normalität durchzugehen.

Ganz unproblematisch ist das natürlich nicht. UN-Experten warnen seit Längerem vor ethischen, rechtlichen und sicherheitspolitischen Risiken, wenn KI in Zielprozesse eingebunden wird. Denn solche Systeme übernehmen nicht nur Muster, sondern auch mögliche Verzerrungen aus ihren Trainingsdaten. Palantir betont zwar, dass die Software keine tödlichen Entscheidungen treffe und am Ende immer Menschen Ziele auswählen und freigeben müssten. Trotzdem bleibt die Frage im Raum, wie groß der menschliche Einfluss noch ist, wenn die Maschine vorher schon die Richtung vorgibt.

Hinzu kommt ein technischer Stolperstein. Maven nutzt laut Reuters auch den KI-Dienst Claude von Anthropic. Genau dieses Unternehmen wurde vom Pentagon zuletzt als Lieferkettenrisiko eingestuft. Das ist mehr als eine Randnotiz, weil es zeigt, dass selbst auf der Zuliefererseite noch nicht alles geschniegelt und gebügelt ist. Einerseits bekommt Palantir also mächtigen Rückenwind aus Washington. Andererseits steckt in genau diesem Ausbau bereits der nächste Konflikt: über Ethik, Kontrolle und darüber, wie viel Krieg man einer Maschine eigentlich überlassen will.