Ein Gerichtsurteil kann manchmal alles auf links drehen – und genau das passiert gerade bei Orsted. Der dänische Windkraftkonzern bekommt grünes Licht, weiterzubauen, obwohl die US-Regierung das Projekt erst vor Kurzem abrupt auf Eis gelegt hatte. Der Vorgang zeigt auf deutliche Weise, wie schnell politische Eingriffe Projekte ins Chaos schieben können. Und wie schnell ein Richter dem Ganzen wieder den Stecker zieht – oder in diesem Fall: wieder einsteckt.
Richter macht kurzen Prozess
Richter Royce Lamberth hat der Regierung unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass ein Baustopp, der täglich rund 1,5 Millionen Dollar verbrennt, nicht einfach so durchgewunken wird. Die Begründung der Regierung – angebliche Geheiminformationen zur nationalen Sicherheit – war ihm zu dünn. Wenn ein Projekt fast fertig ist, alles bezahlt wurde und die Maschinen bereitstehen, müsste ein wirklich substanzieller Grund auf dem Tisch liegen. Ein „weil wir das so sagen“ reicht bei solchen Summen nicht.
Orsted lässt das keine Sekunde ungenutzt und will sofort weiterbauen. Das Projekt steht zu 87 Prozent, also kurz vor dem Ziel. Der Strom soll noch dieses Jahr fließen. Für die Branche zeigt der Fall klar: Selbst fast fertige Anlagen können jederzeit politisch ausgebremst werden.
Energiepolitik im Zickzack-Modus
Der Stop-and-Go-Kurs aus Washington passt in das größere Durcheinander der US-Energiepolitik. Ende Dezember hatte das Innenministerium gleich fünf Offshore-Windparks pausiert. Offizielle Begründung: Sicherheitsbedenken. Der inoffizielle Eindruck: unklare Prioritäten und fehlende Linie. Gleichzeitig laufen Klagen von Betreibern und Bundesstaaten, die die Entscheidungen kippen wollen. Und betroffen sind nicht nur Orsted, sondern auch Equinor und Dominion.
Auf der einen Seite bringt das Urteil Rückenwind für die Branche. Auf der anderen macht es deutlich, wie riskant Investitionen werden, wenn politische Entscheidungen sprunghaft erfolgen. Milliardenprojekte lassen sich nicht stabil planen, wenn jederzeit jemand den roten Knopf drücken kann – egal ob aus Ideologie, Taktik oder Wahlkampfgründen.
Blick nach vorn – mit Fragezeichen
Die entscheidende Frage ist nun, ob der Richterspruch eine Ausnahme bleibt oder den Ton für kommende Verfahren vorgibt. Sollten weitere Gerichte ähnlich urteilen, gewinnt der Offshore-Sektor wieder etwas Stabilität. Fallen die Entscheidungen jedoch weiter uneinheitlich aus, wird jedes neue Projekt zum Glücksspiel.
Für Orsted ist die Richtung klar: weiterbauen, fertigstellen und hoffen, dass der politische Wind nicht schon wieder dreht, bevor die ersten Kilowattstunden eingespeist werden.

