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23. Januar 2026

OMV baut um und dreht beim Gas auf – so verändert das den Blick auf die Bonds

OMV
Foto: Depositphotos.com / tupungato

3,4 Prozent Rendite bis 2034 – das ist für viele Anleger genau die Art Zahl, bei der man kurz aufhorcht. Zumal es hier um Euro-Anleihen geht, also um Schuldscheine, die OMV am Markt platziert hat und die an der deutschen Börse handelbar sind.

Steigende Ölpreise geben der OMV-Aktie Rückenwind. Bei den Bonds wirkt der Effekt oft leiser, aber nicht minder interessant: Wer laufende Zinsen kassieren will, bekommt bei OMV derzeit ein Paket, das in der Ölbranche nicht gerade zum Ladenhüter taugt.

Umbau mit Ansage: Chemie raus, Förderung rauf

OMV sortiert sein Geschäft neu. Der Chemie- und Kunststoffableger Borealis wandert in das Gemeinschaftsunternehmen BGI. Das lässt die geplanten Investitionen für die nächsten Jahre auf den ersten Blick kleiner wirken – zumindest auf dem Papier.

Gleichzeitig tritt der Konzern beim Kerngeschäft aufs Gas. Die Öl- und Gasförderung soll bis 2030 um ein Siebtel auf 400.000 Barrel pro Tag steigen. Im Fokus: neue Erdgasprojekte im Schwarzen Meer und in der Nordsee. Dahinter steckt ein ziemlich klarer Plan: mehr Gas, mehr planbare Erlöse – und mehr Cashflow, also schlicht mehr Geld, das am Ende tatsächlich in der Kasse landet.

Wasserstoff als Hebel – klingt sauber, kostet aber

Neben Fossil schiebt OMV auch ein großes „grünes“ Projekt an. In Niederösterreich entsteht die landesweit größte Produktionsanlage für grünen Wasserstoff, die Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Der Nutzen ist greifbar: Grüner Wasserstoff könnte die Produktionskosten der großen Raffinerie in Schwechat senken.

Nur: Um so eine Anlage hinzustellen, reicht kein Sparschwein. Der Umbau bindet Kapital – und genau da wird es für Anleihekäufer spannend. Denn am Ende zählt nicht das schöne Zukunftsbild, sondern ob die Rechnung aufgeht.

Schulden hoch, Puffer noch da

Die Nettoschulden könnten sich 2026 womöglich auf 4,5 Milliarden Euro erhöhen. Selbst bei einer vorsichtigen Schätzung des Ebitda von sechs Milliarden Euro ergibt das eine Relation von 0,75. Ebitda heißt ausgeschrieben: Gewinn, bevor Zinsen, Steuern und bestimmte Buchhaltungseffekte abgezogen werden – eine Art grober „Betriebsgewinn“, der zeigt, wie viel Kraft im Geschäft steckt.

Für Bond-Anleger ist das die entscheidende Baustelle: Wie komfortabel bleibt der Abstand zur Wand, wenn Investitionen und Ausbaupläne weiterlaufen? Moody’s stuft OMV-Anleihen mit A3 als stabiles Investment ein. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob OMV den Spagat schafft – mehr Förderung, mehr Wasserstoff, aber ohne dass aus dem geplanten Schuldenplus ein Dauerproblem wird.