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8. April 2026

Ölpreis stürzt unter 100 Dollar: Trumps Iran-Wendung schockt den Markt

Öltanker
Foto: Depositphotos.com / Kanoke46

Der Ölpreis hat den Rückwärtsgang eingelegt – und zwar mit Wucht. Nachdem US-Präsident Donald Trump eine zweiwöchige Waffenruhe mit Iran verkündet hat, sackten die Notierungen am Mittwoch wieder unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Brent fiel um 14,51 Dollar oder 13,3 Prozent auf 94,76 Dollar. Die US-Sorte WTI rutschte um 17,16 Dollar oder 15,2 Prozent auf 95,79 Dollar ab. Der Markt feierte die Nachricht erst einmal wie einen Befreiungsschlag.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Trump erklärte, die Feuerpause sei an eine Bedingung geknüpft – die Straße von Hormus müsse sofort und sicher wieder geöffnet werden. Genau dort wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert. Wer dieses Nadelöhr kontrolliert, hält dem Markt im Zweifel die Luft ab. Noch kurz vor Ablauf seines Ultimatums an Iran hatte Trump mit drastischen Worten gedroht, falls Teheran die Passage nicht freigibt. Wenig später dann die Kehrtwende: Auf sozialen Medien sprach er von einer „doppelseitigen“ Waffenruhe.

Teheran sendet Signale – aber das Pulverfass bleibt

Auch aus Teheran kamen Signale in Richtung Entspannung. Iran erklärte laut Außenminister Abbas Araqchi, man werde die eigenen Angriffe einstellen, wenn die Attacken auf das Land aufhören. Zudem solle ein sicherer Transit durch die Straße von Hormus für zwei Wochen möglich sein – in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften. Das klingt erstmal nach Deeskalation. Nur: Ganz so sauber und beruhigend, wie es auf dem Papier aussieht, ist die Lage eben nicht.

Denn parallel meldeten mehrere Golfstaaten weiter Raketenstarts, Drohnenangriffe oder warnten ihre Bevölkerung davor, ungeschützt zu bleiben. Mit anderen Worten: Die Waffenruhe steht, aber das Pulverfass ist noch lange nicht aus dem Raum geräumt. Genau deshalb bleibt am Ölmarkt ein geopolitischer Risikoaufschlag bestehen. Das ist nichts anderes als ein Krisenzuschlag im Preis, weil Händler einkalkulieren, dass die Lage jederzeit wieder kippen kann.

Analysten warnen vor vorschneller Euphorie

Analysten sehen das ähnlich. Saul Kavonic von MST Marquee verweist darauf, dass Iran selbst bei einer Einigung in Zukunft womöglich noch häufiger mit der Sperrung der Straße von Hormus drohen könnte. Der Markt dürfte dieses Risiko daher dauerhaft stärker einpreisen. Auch Vivek Dhar von der Commonwealth Bank dämpft jede vorschnelle Euphorie: Selbst wenn ein umfassenderes Abkommen zustande kommt, kann sich daraus für längere Zeit ein spürbarer geopolitischer Aufschlag im Ölpreis festsetzen. Übersetzt: Die Nachricht ist gut, aber sie räumt das Problem nicht aus der Welt.

Dass die Nervosität so groß ist, hat auch mit dem Ausmaß der vorherigen Rally zu tun. Der Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen sowie Iran auf der anderen Seite hatte den Ölpreis im März so stark nach oben getrieben wie noch nie in einem einzelnen Monat. Entsprechend brutal fällt nun die Gegenbewegung aus, sobald auch nur ein Hauch von Entspannung im Raum steht.

Trump legt nach – doch der Markt bleibt misstrauisch

Trump legte noch nach und sagte, die USA hätten von Iran einen Zehn-Punkte-Plan erhalten. Diesen bezeichnete er als brauchbare Grundlage für weitere Verhandlungen. Nach seiner Darstellung seien beide Seiten einem endgültigen Abkommen für einen langfristigen Frieden bereits ziemlich nahe. Das klingt groß. Aber gerade an diesem Markt gilt: Zwischen Ankündigung und belastbarer Realität liegt oft ein ziemlich tiefer Graben.

Auch Tony Sycamore von IG sieht in der Entwicklung erstmal nur einen Anfang. Die Richtung stimmt aus seiner Sicht, mehr aber auch nicht. Es könne der Weg zu einer dauerhafteren Öffnung der Straße von Hormus sein – wenn alles gutgeht. Und genau an diesem „wenn“ hängt im Moment fast alles.

Warum WTI plötzlich teurer ist als Brent

Interessant ist außerdem der ungewöhnliche Preisabstand zwischen WTI und Brent. Normalerweise notiert Brent höher. Diesmal liegt WTI vorne. Das hat damit zu tun, dass sich der WTI-Kontrakt auf Mai-Lieferungen bezieht, Brent aber auf Juni. Fässer mit früherer Lieferung sind aktuell also begehrter. Auch das zeigt, wie angespannt die kurzfristige Versorgungslage zuletzt war. Der Markt beruhigt sich gerade ein Stück weit – aber von echter Normalität kann noch keine Rede sein.