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9. März 2026

Öl-Schock an den Börsen: Jetzt kippt die Stimmung komplett

DAX Aktienmarkt
Foto: Depositphotos.com / frimufilms

Der Ölpreis schlägt gerade wie eine Abrissbirne in die Märkte ein. Zum Wochenstart sind die Börsen in Asien abgestürzt, der Dollar zieht an, die Renditen steigen – und über allem hängt die Angst, dass der nächste Inflationsschub den Notenbanken die Zinssenkungen verhagelt.

Ölpreis schießt nach oben

Auslöser ist der massive Sprung beim Öl. Brent schoss laut Reuters um 27 % auf 117,58 Dollar je Barrel nach oben. US-Öl legte sogar um 28 % auf 116,51 Dollar zu. Das ist nicht irgendein normaler Preisanstieg mehr, das ist ein echter Schock für alles, was mit Konsum, Transport, Produktion und Zinsen zu tun hat. Benzin dürfte damit ziemlich schnell teurer werden.

Nahost-Konflikt verschärft die Lage

Im Hintergrund eskaliert der Krieg im Nahen Osten weiter. Iran hat Mojtaba Khamenei zum Nachfolger seines Vaters Ali Khamenei als obersten Führer bestimmt. Das Signal ist klar: In Teheran bleiben die Hardliner am Ruder, und zwar mitten im Konflikt mit den USA und Israel. Für US-Präsident Donald Trump ist das politisch alles andere als erfreulich, nachdem er den Sohn bereits als inakzeptabel bezeichnet hatte.

An den Märkten zählt aber vor allem etwas anderes: Es gibt bislang kein Zeichen für ein Ende der Kämpfe, und Tanker meiden weiter die Straße von Hormus. Genau da wird es brandgefährlich für die Weltwirtschaft, denn wenn ein zentraler Transportweg für Öl und Gas ausfällt oder auch nur teilweise lahmt, zieht das die Energiepreise nach oben wie an einem Flaschenzug.

Der schlimmste Öl-Schock seit Jahrzehnten?

Helima Croft von RBC Capital Markets brachte das Problem ziemlich direkt auf den Punkt. Die Welt stehe vor dem schlimmsten Ölangebotsschock seit den 1970er Jahren. Gleichzeitig sei völlig unklar, was in diesem Konflikt überhaupt als Sieg gelten würde. Heißt im Klartext: Niemand kann seriös sagen, ob das ein paar Wochen dauert oder sich über Monate zieht. Und genau diese Unsicherheit macht die Lage an den Märkten so giftig.

Asiens Börsen brechen ein

Die Folge war ein regelrechter Ausverkauf in Asien. Japans Nikkei sackte am Montag um 7,0 % ab, nachdem er schon in der Vorwoche 5,5 % verloren hatte. In Südkorea krachte der Markt um 8,2 % nach unten und hatte zuvor bereits mehr als 10 % eingebüßt. Auch China blieb nicht verschont: Der CSI 300 verlor 1,7 %.

Für Japan ist das doppelt bitter, weil das Land stark von Öl- und Gasimporten abhängt. Steigende Energiepreise wirken dort wie eine Extra-Steuer auf die gesamte Volkswirtschaft. China importiert ebenfalls große Mengen Öl, verfügt aber immerhin über erhebliche Lagerbestände. Allerdings meldete Peking am Montag auch, dass die Inflation schon im Februar angezogen hatte – noch bevor der aktuelle Ölpreisschub überhaupt voll durchschlug. Die Verbraucherpreise lagen 1,3 % über Vorjahr. Das ist für China nicht nur schlecht, weil das Land zuletzt eher mit zu schwacher Teuerung zu kämpfen hatte.

Auch Europa und die USA geraten unter Druck

Auch an den westlichen Märkten war die Richtung eindeutig. Die Futures auf den S&P 500 gaben um 2,0 % nach, die Nasdaq-Futures um 2,3 %. In Europa sah es ebenfalls düster aus: Die Futures auf den Euro Stoxx 50 und den DAX verloren jeweils 3,2 %, die FTSE-Futures 1,4 %.

Inflationsangst trifft den Anleihemarkt

Am Anleihemarkt zeigte sich die gleiche Logik. Normalerweise flüchten Anleger in Krisen gern in Staatsanleihen. Diesmal überwog jedoch die Sorge, dass teurere Energie die Inflation neu anfacht. Deshalb stiegen die Renditen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog um 6 Basispunkte auf 4,204 % an. Zum Vergleich: Vor einer Woche lag das Tagestief noch bei 3,926 %.

Notenbanken stecken im Dilemma

Damit geraten die Notenbanken in ein klassisches Dilemma. Eigentlich sprechen schwächere Konjunkturdaten und enttäuschende US-Arbeitsmarktzahlen eher für Unterstützung durch niedrigere Zinsen. Wenn aber gleichzeitig Öl und damit die Inflation wieder anspringen, wird es für die Federal Reserve deutlich schwerer, die Geldpolitik zu lockern.

Am Mittwoch stehen in den USA neue Verbraucherpreisdaten an. Erwartet wird, dass die Jahresrate im Februar bei 2,4 % verharrt. Am Freitag folgt dann der von der Fed besonders beachtete Kerninflationsindikator. Hier rechnen Analysten mit 3,0 % – also immer noch klar über dem 2-%-Ziel der Notenbank. Einige sehen sogar das Risiko, dass die Zahl noch höher ausfällt.

In Europa wird die Sache ebenfalls heikel. Die Märkte wetten inzwischen darauf, dass der nächste Schritt der Europäischen Zentralbank sogar eine Zinserhöhung sein könnte – möglicherweise schon im Juni. Für die Bank of England haben sich die Erwartungen ebenfalls verschoben. Statt mehrerer Zinssenkungen ist aktuell nur noch eine geringe Chance auf eine weitere Lockerung eingepreist.

Dollar gefragt, andere Währungen unter Druck

Parallel dazu suchten nervöse Anleger Schutz im Dollar. Nicht, weil die USA plötzlich sorgenfrei wären, sondern weil der Greenback in Stressphasen eben der Liquiditätshafen ist. Unter Druck gerieten vor allem Währungen von Ländern, die viel Energie importieren müssen – also etwa Japan und große Teile Europas.

Vishnu Varathan von Mizuho brachte es auf eine schlichte Formel: Asien bekommt den Preisschock besonders brutal ab, und es gibt kaum Verstecke. Der Dollar müsse in so einer Lage fast zwangsläufig besser laufen, weil Japan und Südkorea besonders exponiert seien und Brent-Preise jenseits der 100-Dollar-Marke dort richtig wehtun.

Am Devisenmarkt stieg der Dollar um 0,6 % auf 158,72 Yen. Der Euro verlor 0,8 % auf 1,1525 Dollar. Der australische Dollar, der in unruhigen Marktphasen ebenfalls oft unter Druck gerät, fiel um 0,9 % auf 0,6964 Dollar.

Selbst Gold gerät ins Rutschen

Auffällig war auch die Reaktion beim Gold. Obwohl das Metall eigentlich als Krisenschutz gilt, fiel der Preis um 1,8 % auf 5.075 Dollar je Unze. Händler vermuteten, dass Anleger Gewinne mitnahmen, um an anderer Stelle Verluste zu stopfen oder Margin Calls zu bedienen. Anders gesagt: Wenn es an den Märkten richtig kracht, wird selbst der vermeintlich sichere Hafen manchmal erstmal zu Geld gemacht.

Die Börsen hängen am Öl

Unterm Strich zeigt der Wochenstart ziemlich gnadenlos, wie schnell ein geopolitischer Konflikt in einen globalen Markt- und Inflationsschock kippen kann. Solange kein Ende der Kämpfe in Sicht ist und die Straße von Hormus blockiert bleibt, dürfte genau dieses Thema die Börsen weiter im Würgegriff halten.