Nvidia verkauft im KI-Boom gerade die Schaufeln – und trotzdem schaut OpenAI offenbar schon nach anderem Werkzeug. Nach Angaben von acht mit der Sache vertrauten Personen ist der ChatGPT-Entwickler unzufrieden damit, wie schnell Nvidias Chips bei besonders kniffligen KI-Fragen Antworten ausspucken. Gemeint sind diese Anfragen, bei denen das Modell nicht nur einen Satz hinrotzt, sondern mehrere Schritte „durchdenken“ muss – und genau da zählt Tempo.
Wer den Markt beobachtet, merkt: Es geht nicht mehr nur darum, irgendwo noch mehr Rechenpower aufzutreiben. Es geht um die Frage, wer sie am cleversten und am schnellsten auf die Straße bringt. OpenAI soll sich deshalb bereits seit dem vergangenen Jahr bei anderen Anbietern umsehen. Das klingt nach einer simplen Einkaufsrunde – ist aber ein Signal, das Nvidia nicht egal sein kann.
Geld, Macht und ein Deal, der sich zieht
Der Haken: An der Hardware-Frage hängt offenbar auch Geld. Die Verhandlungen über eine im September angekündigte Nvidia-Investition in OpenAI von bis zu 100 Milliarden Dollar ziehen sich laut Bericht hin. Ursprünglich sollte der Deal, der Nvidia eine Beteiligung am Startup verschafft hätte, binnen Wochen stehen. Stattdessen wird daraus ein Tauziehen – und plötzlich wirkt das Verhältnis weniger wie eine Traumhochzeit, eher wie eine Zweckgemeinschaft mit neuen Bedingungen.
Dazu passt: OpenAI hat Verträge mit Nvidia-Konkurrenten wie AMD abgeschlossen. Heißt übersetzt: Man legt nicht mehr alle Eier in einen Korb. Einerseits kann Nvidia weiterhin der Hauptlieferant bleiben. Andererseits zeigt so ein Schritt ziemlich klar, dass OpenAI mehr Auswahl will – und damit mehr Druckmittel.
„Unsinn“ und die Frage, was wirklich dahintersteckt
Nvidia-Chef Jensen Huang tat Berichte über Spannungen am Samstag als „Unsinn“ ab. OpenAI wiederum betonte, man setze für den Großteil der Rechenleistung weiterhin auf Nvidia. Klingt nach Deeskalation – nur bleibt die Kernfrage: Sucht OpenAI nur bessere Konditionen und schnellere Lieferwege, oder steht hier tatsächlich ein Strategiewechsel an, bei dem Nvidia künftig nicht mehr automatisch die erste Wahl ist? Genau das dürften die nächsten Schritte bei Chips, Verträgen und Investitionen zeigen.

