Wenn Wegovy niest, bekommt Dänemarks Leitindex schnell Fieber. Der OMX Copenhagen 25 hängt so sichtbar an Novo Nordisk, dass aus „starkem Heimatwert“ längst ein Klumpenrisiko geworden ist – und das hat Folgen, die über ein paar wackelige Kurstage weit hinausgehen.
Dänemark steht gerade ohnehin im Scheinwerferlicht – nicht nur wegen der rohstoffreichen Arktisinsel Grönland und Trumps Annexionswünschen. Auch die Börse des kleinen EU-Landes zieht seit Jahren Aufmerksamkeit auf sich. Der Grund ist schnell erzählt: Mit der Abnehmspritze Wegovy hat Novo Nordisk einen Milliardenmarkt aufgemacht und damit eine Welle losgetreten, die den ganzen Markt mitzieht.
Viele Namen, ein Taktgeber
Der OMX Copenhagen 25 klingt nach breiter Mischung, ist es auf dem Papier auch: Neben Novo Nordisk stehen dort Schwergewichte wie der Reedereiriese Maersk, der Logistiker DSV (bekannt durch die Übernahme der DB-Tochter Schenker), der Windkraft-Hersteller Vestas, der Energiekonzern Orsted, die Danske Bank und die Brauereigruppe Carlsberg. Novo Nordisk selbst ist dabei der dickste Brocken – im Text wird der Börsenwert mit 267 Milliarden Dollar beziffert.
Seit der Finanzkrise hat der Index ordentlich Strecke gemacht. Auffällig: Der Corona-Knick wirkt in Kopenhagen fast wie ein Kratzer, deutlich sichtbarer sind der Einbruch nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine – und noch ein weiterer Rücksetzer im Jahr 2024. Und der ist speziell. Denn für Rally und anschließenden Bärenmarkt (also: Kursrutsch, der länger hält) soll im Kern ein einziger Titel verantwortlich sein: Novo Nordisk. Erst schiebt der Wegovy-Hype den Kurs nach oben, dann nimmt die aufholende Konkurrenz dem Ganzen die Luft – und der Index wackelt mit.
Hype vorbei – Abhängigkeit bleibt
Zwischendurch war Novo Nordisk mit rund 650 Milliarden Dollar bewertet und damit das wertvollste Unternehmen Europas. Dann zog die US-Konkurrenz um Eli Lilly nach, dazu kamen Lieferengpässe und Studien-Fehlschläge – und der Zauber war schneller weg, als viele Anleger erwartet hatten. Die Talsohle scheint Ende 2025 jedoch durchschritten worden zu sein: Nach einem guten Start der Pillen-Version von Wegovy zog auch die Aktie wieder an.
Trotzdem bleibt das Grundproblem: das Ungleichgewicht. Novo Nordisk, DSV, Danske und Maersk stehen laut Text für fast zwei Drittel der Marktkapitalisierung aller Unternehmen im OMX25. Marktkapitalisierung heißt simpel: Börsenwert, also Kurs mal Aktienanzahl. Wer als Anleger einen ETF auf den OMX25 kauft – also einen Indexfonds, der den Index nachbaut –, bekommt damit automatisch eine Wette auf wenige Riesen. Diversifikation klingt anders, auch wenn ETF gern so verkauft wird, als sei das Risiko damit schon erledigt.
Das ist mehr als ein Schönheitsfehler. Einerseits macht so eine Dominanz den Markt sexy, wenn der Platzhirsch liefert. Andererseits reicht ein Dämpfer bei Novo Nordisk, und plötzlich sieht der ganze Index aus, als hätte Dänemark grundsätzlich ein Problem – obwohl es oft nur ein Problem von einem Unternehmen ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie stabil ist ein Leitindex, der sich in guten wie in schlechten Phasen so leicht von einem einzigen Kurs ziehen lässt?
Unter dem Strich bleibt Dänemark trotzdem kein Zwerg an der Börse – eher ein Zwerg mit kräftigen Muskeln. Seit 2010 sieht die Bilanz laut Text stark aus: Bis 2024 lief der dänische Index fast im Gleichschritt mit dem amerikanischen S&P 500. Tatsächlich überholte der deutsche Dax den OMX in diesem Vergleichszeitraum erst im Jahr 2025. Und auch beim Preisniveau wirkt Kopenhagen plötzlich bodenständig: Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV – grob gesagt: wie viele Jahresgewinne im Kurs stecken) liegt beim OMX25 bei 16,5 und damit unter dem Dax (aktuell knapp über 19) sowie dem S&P (über 29).
Für ein Land mit knapp sechs Millionen Einwohnern ist das eine bemerkenswerte Börsenvisitenkarte – konkurrenzfähig, teils sogar günstiger bewertet als die großen Indizes. Nur: Solange ein einzelner Konzern den Takt so klar vorgibt, bleibt immer ein Restrisiko im System. Spannend wird, ob sich der Markt 2026 breiter aufstellt – oder ob weiter gilt: In Kopenhagen entscheidet am Ende doch wieder Novo Nordisk, wie gut sich Dänemark gerade anfühlt.

