Unilever legt gerade die Axt an einen Bereich, der jahrzehntelang verlässlich Geld in die Kasse gespült hat. Kaum waren die Berichte über beendete Gespräche mit Kraft Heinz verdaut, tauchte schon die nächste Baustelle auf: Laut Wall Street Journal spricht der Konzern über eine Abspaltung seines Lebensmittelgeschäfts und eine Kombination mit McCormick in einem Aktiendeal.
Das wäre kein kleiner Umbau, sondern ein ziemlich dicker Brocken. Unter einem Dach würden dann Marken wie Hellmann’s und Cholula landen – also Produkte, die im Regal nicht irgendein Beifang sind, sondern echte Zugpferde. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig bestätigen, beide Unternehmen hielten sich bedeckt. Trotzdem drängt sich ein Eindruck auf: Unilever spielt die Optionen nicht mehr nur theoretisch durch, sondern testet ziemlich konkret, wie sich das Food-Geschäft neu zuschneiden lässt.
Das Food-Geschäft steht unter Druck
Der Zeitpunkt kommt nicht aus heiterem Himmel. Lebensmittelkonzerne kämpfen seit geraumer Zeit mit schwächerer Nachfrage, weil viele Verbraucher beim Einkauf jeden Euro zweimal umdrehen und lieber zur billigeren Handelsmarke greifen. Dazu kommt ein Trend, der der Branche zusätzlich in die Suppe spuckt: Abnehmmittel bremsen in manchen Bereichen den Konsum. Klingt erst einmal abstrakt, ist aber simpel gesagt schlecht für Hersteller, die davon leben, dass ordentlich gekauft und gegessen wird.
Für Unilever ist das trotzdem kein Geschäft, das man mal eben nebenbei entsorgt. Die Sparte steht für mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes, erreichte zuletzt eine operative Marge von 22,6 Prozent und brachte 2025 rund 2,9 Milliarden Euro operativen Gewinn. Genau darin liegt der Haken: Einerseits passt das Segment immer weniger zur Strategie, mit Beauty und Wellbeing stärker auf margenträchtigere, also profitablere Bereiche zu setzen. Andererseits wirft Food noch immer zu viel Geld ab, um es locker aus dem Fenster zu schieben. Das ist kein Detail, das ist ein echter Zielkonflikt.
Das Muster ist nicht neu
Wer Unilever länger beobachtet, kennt die Richtung. Der Konzern hat sich schon mehrfach von klassischen Lebensmittelsparten getrennt. 2017 ging das Margarine- und Aufstrichgeschäft für 6,83 Milliarden Euro an KKR, 2021 folgte das globale Tee-Geschäft für 4,5 Milliarden Euro an CVC. Die jetzigen Überlegungen wären also keine spontane Schnapsidee, sondern der nächste Schritt in einer Strategie, die seit Jahren sichtbar ist.
Interessant ist vor allem, wie viele Modelle plötzlich gleichzeitig auf dem Tisch liegen. Erst berichtete die Financial Times über Gespräche mit Kraft Heinz über eine Zusammenlegung von Teilen des Lebensmittelgeschäfts, inzwischen sind diese Gespräche beendet. Kurz danach folgte der Bericht über McCormick. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Unilever sucht offenbar nicht nach einer kosmetischen Lösung, sondern nach einem größeren Schnitt.
Für McCormick wäre so ein Deal ebenfalls kein Selbstläufer. Der Gewürz- und Saucenhersteller hatte im Januar einen schwachen Gewinnausblick für 2026 gegeben und dabei auf höhere tarifbedingte Kosten verwiesen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 14,5 Milliarden Dollar ist McCormick zudem deutlich kleiner als Unilever, das mit mehr als 134 Milliarden Dollar bewertet wird. Genau deshalb stellt sich die entscheidende Frage: Entsteht hier am Ende wirklich ein Zusammenschluss auf Augenhöhe – oder baut Unilever seine Foods-Sparte um und nutzt McCormick eher als industriellen Anker für diesen Plan?
Fest steht: Die Sache ist heiß, aber noch längst nicht durch. Erst Kraft Heinz, dann McCormick, dazu Berichte über eine breitere Abspaltung der Sparte – das zeigt vor allem, wie offen die Lage noch ist. Jetzt muss Unilever liefern. Sonst bleibt von der ganzen Debatte am Ende nicht mehr als viel Staub und wenig Substanz.

