Musk baut offenbar am großen Firmen-Baukasten – und diesmal geht’s nicht um eine neue Rakete, sondern um einen möglichen Mega-Deal: SpaceX soll laut Berichten mit dem KI-Start-up xAI zusammenrücken, noch bevor ein Börsengang (IPO) über die Bühne geht.
Wenn das durchgezogen wird, wäre es mehr als ein hübsches Machtspiel. Dann würden Musks Raketengeschäft, die Starlink-Satelliten, die Plattform X und der Chatbot Grok unter einem Dach landen – ein Konglomerat, das nach außen wie „alles aus einer Hand“ wirkt, intern aber erst einmal verdammt viel Sortierarbeit bedeutet. Von offizieller Seite kommt bislang: nichts. SpaceX reagierte demnach nicht, Musk und xAI wollten sich ebenfalls nicht äußern.
Deal-Mechanik: Tauschgeschäft statt Kassensturz
Im Kern soll es bei der Transaktion (also dem Deal) darum gehen, xAI-Anteile gegen SpaceX-Aktien zu tauschen. Damit würden xAI-Investoren nicht ausgezahlt, sondern bekämen Stücke an SpaceX. Berichten zufolge wurden dafür am 21. Januar zwei Gesellschaften im US-Bundesstaat Nevada gegründet – ein typischer Schritt, wenn man juristisch schon mal die Schienen legt.
Wie weit diese Pläne wirklich sind, bleibt aber offen. In den Berichten heißt es, die Umsetzung sei alles andere als sicher. Übersetzt: Das Ding kann genauso gut morgen wieder in der Schublade landen, wie es auf einmal Fahrt aufnimmt.
Und Tesla? Auch da wird offenbar rumgerechnet
Darüber hinaus ist von Überlegungen zu einer möglichen Fusion von SpaceX mit Tesla die Rede. Die Machbarkeit werde diskutiert, und einige Investoren sollen eine Fusion sogar vorantreiben. Ob das am Ende Vision oder Wunschdenken ist, lässt sich aus den Berichten nicht herauslesen – aber allein die Richtung zeigt, wie sehr Musk offenbar über „Zusammenlegen“ nachdenkt.
Was bringt ihm das? Marktbeobachter sehen drei Motive – alle mit Sprengkraft, aber keines ohne Haken.
Motiv 1: Loyalität auszahlen lassen – und zwar richtig
Am stärksten würde so ein Zusammenschluss zuerst die Aktionäre betreffen. Musk hat den Ruf, Investoren zu belohnen, die ihm die Stange halten – auch dann, wenn es zwischendurch wehtut. Wagniskapitalgeber wie Sequoia, Andreessen Horowitz und Valor halfen 2022 bei der 44-Milliarden-Dollar-Übernahme von Twitter mit Fremdfinanzierung. Als später die Werbeeinnahmen beim inzwischen in X umbenannten Portal einbrachen, sah das für diese Investoren zeitweise ziemlich bitter aus.
Der Text verweist darauf, dass Musk sie am Ende entschädigte: Twitter-Investoren erhielten bevorzugt xAI-Anteile und kamen damit wieder auf eine Bewertung, die dem damaligen Privatisierungspreis von 44 Milliarden Dollar entsprach. Im aktuellen Fusionsszenario würden xAI-Investoren SpaceX-Aktien bekommen – also Anteile an einem Unternehmen, das als wertvoll und schnell wachsend gilt und im Raumfahrtgeschäft eine annähernde Monopolstellung hat.
Nur: Eine solche Großfusion kann den Börsengang bremsen. Und genau das ist der Punkt, an dem aus dem Traum vom Turbo schnell ein Stau werden kann. Aus Finanzkreisen heißt es, ein IPO könnte womöglich schon im Sommer stattfinden – also bevor an der Börse mögliche Bewertungsblasen platzen oder die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht.
Motiv 2: KI-Rechenzentren im All – klingt irre, ist aber eine Rechenaufgabe
Der zweite Treiber wirkt wie Science-Fiction, ist aber knallhart ökonomisch gemeint: Rechenzentren im Weltraum, um bei Künstlicher Intelligenz gegenüber Google und Meta aufzuschließen. Musk sagte vergangene Woche in Davos: „Der kostengünstigste Ort für KI wird der Weltraum sein.“ Die Idee dahinter ist simpel erklärt: Oben ist es kalt, Solarenergie gibt’s reichlich – also könnte man Strom- und Kühlkosten drücken, die beim Training und Betrieb von KI-Modellen wie Grok brutal hoch sind.
Allerdings warnt der Text: Der Bau solcher Systeme ist riskant. Es ist teuer, Technik in den Orbit (Erdumlaufbahn) zu bringen, und die KI-Entwicklung rennt so schnell, dass heutige Hardware morgen schon alt aussehen kann. Marktexperten zweifeln daher, ob die Einsparungen beim Energieverbrauch die Zusatzkosten für Entwicklung und Transport überhaupt wettmachen.
Der Wettbewerb schläft auch nicht. Blue Origin, die Weltraumfirma von Jeff Bezos, kündigte zuletzt ein neues Hochkapazitäts-Kommunikationsnetz aus Tausenden Satelliten an. Google forscht zudem mit dem Projekt „Suncatcher“ an weltraumgestützten Rechenzentren. Das macht klar: Die Idee ist nicht nur ein Musk-Fiebertraum – aber das heißt noch lange nicht, dass sie sich rechnet.
Motiv 3: Rüstungsgeschäft – kurzfristig der wohl greifbarste Hebel
Der dritte Punkt ist politisch und finanziell brisant: eine bessere Ausgangslage für Verteidigungsaufträge. Das Pentagon will KI in militärische Netzwerke drücken – und da kann ein Konzern, der Raketen, Satelliten und ein KI-Modell im Angebot hat, plötzlich sehr attraktiv wirken. Im Text wird die Einschätzung zitiert, eine Fusion könnte die Position bei Rüstungsaufträgen stärken.
Der Artikel nennt dazu ein konkretes Signal: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth besuchte Anfang Januar die SpaceX-„Starbase“ in Texas und erklärte dort, Grok solle als Teil der „KI-Beschleunigungsstrategie“ in militärische Netzwerke integriert werden – um Entscheidungsfindung und Planung zu beschleunigen. Dazu passt: xAI hat bereits einen Vertrag über bis zu 200 Millionen Dollar zur Lieferung von Grok-Produkten an das Pentagon abgeschlossen.
Nicht die erste Operation am offenen Konzern
Für Musk wäre das kein Neuland. 2025 wurde die Plattform X, das frühere Twitter, bereits in xAI integriert. Und auch Tesla hängt mit drin: Der Autobauer sagte erst am Mittwoch eine Investition von zwei Milliarden Dollar in xAI zu. Zuvor habe – laut Berichten – auch SpaceX zwei Milliarden Dollar in xAI investiert.
Die Bewertungssprünge zeigen, warum das alles überhaupt diskutiert wird: SpaceX kommt auf 800 Milliarden Dollar, xAI auf 230 Milliarden Dollar. Ein gemeinsamer Börsengang des kombinierten Unternehmens könnte damit auf mehr als eine Billion Dollar hinauslaufen – und den Konzern in die Top 10 der höchstbewerteten US-Unternehmen schieben. Die spannende Frage ist nun: Wird daraus ein echter Plan – oder bleibt es ein weiterer Musk-Move, der vor allem zeigt, wie weit er bereit ist, sein Imperium neu zu verkabeln.

