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7. Januar 2026

MSCI stoppt den Krypto-Rauswurf: Warum Strategy nachbörslich fast 7 Prozent springt

MSCI world
Foto: depositphotos.com / MauriceNorbert

MSCI hat den Rotstift schon angesetzt – und ihn jetzt erst mal wieder eingesteckt. Der Index-Anbieter legt den umstrittenen Plan auf Eis, Krypto-Firmen wie Strategy aus seinen Indizes zu kippen. Für die Szene ist das eine Nachricht mit Wucht, weil an so einem Indexplatz nicht nur Prestige hängt, sondern knallhart Geld.

MSCI teilte die Entscheidung am Montagabend mit. Und die Börse reagierte, wie sie oft reagiert, wenn ein Damoklesschwert fürs Erste weg ist: Die Strategy-Aktie legte nach Handelsschluss (also nachbörslich) um knapp sieben Prozent zu. Wer den Titel im Depot hat, dürfte erst mal durchatmen – jedenfalls so lange, bis MSCI die nächste Runde einläutet.

Worum MSCI eigentlich streitet

Der Kern ist eine ziemlich technische, aber entscheidende Frage: Sind Firmen, die mehr als die Hälfte ihres Vermögens in Kryptowährungen parken, am Ende eher so etwas wie ein Investmentfonds oder ETF? ETF heißt übersetzt: ein Indexfonds, der stumpf genau die Aktien kauft, die im Index drin sind – ganz ohne Bauchgefühl, einfach nach Regelbuch. Genau diese Einstufung könnte darüber entscheiden, ob solche Firmen in MSCI-Indizes überhaupt etwas zu suchen haben.

MSCI hatte im vergangenen Jahr prüfen lassen, bestimmte Krypto-Unternehmen auszuschließen – besonders die sogenannten Digital Asset Treasuries, kurz DATs. Das sind börsennotierte Firmen, die große Mengen an Bitcoin oder anderen digitalen Währungen in der Bilanz horten. Klingt harmlos, ist aber für Indexmacher ein heikler Mix: Unternehmensaktie vorn drauf, Krypto-Risiko drin.

Warum Strategy so im Fokus steht

Für Strategy wäre ein Rauswurf richtig teuer geworden. Analysten hatten im Vorfeld vor deutlichen Kursverlusten gewarnt. Der Grund ist simpel: Wer im Index ist, bekommt automatisch mehr Nachfrage. Denn ETF-Anbieter müssen die Aktie kaufen, um den Index nachzubauen. Fällt der Titel raus, fällt dieses Pflichtkaufen weg – und dann kann es für den Kurs schnell ungemütlich werden.

Strategy ist derzeit im MSCI World und im MSCI USA vertreten. CEO Michael Saylor trommelt außerdem schon lange dafür, dass sein Unternehmen in den breiten US-Index S&P aufgenommen wird – bisher ohne Erfolg. Und das ist kein Wunder, denn Strategy ist längst kein normaler Softwareladen mehr.

Das Unternehmen war einmal als Software-Anbieter gestartet. Saylor hat es in den vergangenen Jahren aber immer stärker in Richtung Bitcoin gedrückt – bis hin zum Selbstbild als Bitcoin-Unternehmen. In der Bilanz liegen Bitcoin im Wert von mehr als 62 Milliarden Dollar. Laut Artikel ist das mehr als bei jedem anderen börsennotierten Unternehmen. Damit ist Strategy der Musterfall für genau die Debatte, die MSCI gerade nicht zu Ende entschieden hat.

Was als Nächstes zählt

MSCI kündigt nun weitere Untersuchungen und Konsultationen mit Marktteilnehmern an. Auf gut Deutsch: Es wird weiter getestet, diskutiert und an Regeln gefeilt. Der Aufschub ist also kein Freispruch, eher ein wir sind noch nicht fertig.

Ein weiterer Punkt aus der DAT-Welt passt dazu: Diese Firmen erlebten im vergangenen Sommer kurz einen Börsenhype, der aber schnell wieder verpuffte. Zuletzt schnitten mehrere DATs sogar schlechter ab als die Kryptowährungen, die sie selbst in der Bilanz halten. Für Anleger ist das ein Warnsignal: Wer schon den Umweg über eine Aktie nimmt, erwartet normalerweise wenigstens, dass sie nicht noch schlechter läuft als der Basiswert.

Bitcoin selbst zeigte sich von der MSCI-Entscheidung zunächst unbeeindruckt. Am frühen Mittwochmorgen lag die Kryptowährung knapp ein Prozent im Minus bei 92.852 Dollar. Die entscheidende Frage bleibt damit offen: Reicht dieser Aufschub, um Strategy dauerhaft im Index zu halten – oder kommt die nächste Prüfung schneller, als vielen lieb ist?