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18. Dezember 2025

MSCI mischt Börse und Private Equity – aber der Haken steckt im Detail

MSCI
Foto: depositphotos.com / Mehaniq

Wenn Firmen immer öfter privat wachsen und erst gar nicht mehr an die Börse müssen, dann schauen klassische Weltindizes irgendwann blöd aus der Wäsche: Ein Teil der Wertschöpfung spielt sich schlicht außerhalb ihres Spielfelds ab. Genau gegen dieses Problem setzt MSCI jetzt ein neues Produkt – und mischt Börse und Private Equity in einem Index zusammen.

Der MSCI All Country World Index (ACWI) ist das Flaggschiff von MSCI und für viele Privatanleger der bequeme „ein ETF, alles drin“-Ansatz. Normalerweise nervt am ACWI vor allem das US-Tech-Gewicht. Diesmal ist es ein anderer Trend, der am Fundament nagt: Seit Jahren herrscht Flaute bei Börsengängen. Viele Unternehmen kommen heute leichter an Kapital, ohne sich dem öffentlichen Markt mit Transparenz- und Berichtspflichten auszusetzen.

Das sieht man an Namen, die längst reif fürs Rampenlicht wären, aber lieber im Halbdunkel bleiben – im Text wird Elon Musks SpaceX als Beispiel genannt. Für Index-Sparer heißt das unterm Strich: Wachstum findet statt, aber nicht dort, wo der Index zugreift. MSCI will diese Lücke schließen und private und öffentliche Märkte kombinieren.

Private Equity als „Nowcasting“ – und als Katze im Sack

MSCI nennt den Ansatz „Nowcasting“: Verschiedene Indizes werden so aufeinander abgestimmt, dass am Ende ein gemeinsamer Kursverlauf herauskommt. Der Private-Equity-Baustein ist der MSCI Global Private Equity Closed-End Fund Index, der vierteljährlich aktualisiert wird und den Markt für privates Beteiligungskapital abbilden soll.

Wichtig ist, was da eigentlich drinsteckt: Closed-End Funds (CEFs). Das sind geschlossene Fonds, die einmal Kapital einsammeln und Anteile ausgeben. Danach ist im Normalfall Schluss – zusätzliche Anteile gibt’s nur über eine Kapitalerhöhung. Und: Die Fondsgesellschaft kauft Anlegern ihre Anteile nicht einfach zurück. Wer raus will, muss an der Börse einen Käufer finden.

Der Haken: CEFs sind keine ETFs. Es gibt keine Market-Maker, die den Kurs ständig Richtung „fairer Wert“ schieben. Der Preis hängt stärker an Angebot und Nachfrage – und kann damit über oder unter dem tatsächlichen Wert der zugrunde liegenden Anlagen liegen. Übersetzt: Man kauft nicht nur Private Equity, man kauft auch ein Stück Marktlaune mit.

Weil der CEF-Index selbst nur quartalsweise nachgezogen wird, arbeitet MSCI auf der Aktienseite ebenfalls mit einem vierteljährlichen Derivat seines MSCI-ACWI-Indexes. Das ist gegenüber einer tagesaktuellen Bewertung erst mal ein Nachteil. MSCI betont allerdings, dass in die endgültige Mischung aktuelle Nettoinventarwerte der Fondsanteile einfließen, sobald verfügbar – also Werte, die die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten eines Fonds berücksichtigen.

Mix mit Ansage: 85 Prozent Börse, 15 Prozent Private Equity

Bei Fonds ist das Risikoprofil oft schwerer zu durchschauen als bei einem reinen Aktienindex. Ein CEF kann in viele Unternehmen investieren – welche Branchen, Länder oder Unternehmensklassen am Ende dominieren und ob irgendwo ein Klumpen steckt, ist für den Privatanleger nicht auf den ersten Blick klar.

MSCI kann dieses Transparenzproblem nicht wegzaubern, aber es wird durch die Konstruktion gedämpft: Aktien haben im Gesamtindex 85 Prozent Gewicht, Private Equity 15 Prozent. Entsprechend läuft der neue Index laut Rückrechnung sehr nah am MSCI ACWI IMI; nennenswerte Abweichungen zeigen sich demnach erst seit der Finanzkrise 2009.

Der Private-Equity-Teil wirkt im Mix wie ein Stoßdämpfer: Weil der CEF-Index weniger zappelt als der Aktienmarkt, werden die Ausschläge etwas kleiner. Für Langfristanleger zählt aber nicht nur Ruhe, sondern Rendite – und da wird’s spannend.

Auf Jahressicht liefert die neue MSCI-Kreation (Stand 25. November 2025) ein Plus von 16 Prozent. Der MSCI ACWI IMI kommt auf knapp 17 Prozent. Der CEF-Index liegt bei 11,21 Prozent (tagesbasiert) und auf Quartalsbasis sogar nur bei etwas über 10 Prozent. Heißt: Im vergangenen Jahr hätte der Mix weniger Rendite gebracht als der reine Aktienmarkt.

Weiter zurück sieht es laut Text anders aus: Bei einem Anlagehorizont bis 2009 läge das neue Produkt rund 36 Prozentpunkte vor dem MSCI-Standardindex. Das klingt nach ordentlich Musik – aber es ist eben Rückspiegel, nicht Windschutzscheibe.

Unterm Strich wäre ein ETF auf den neuen Index eine einfache Möglichkeit, Private Equity im Depot abzubilden. Wer ohnehin mehrere ETFs kombiniert, kann ähnliche Effekte aber auch anders bauen – und sollte vor allem die Kosten im Blick behalten, weil Private-Equity-nahe Produkte oft teurer sind als klassische Aktien-ETFs.

Die entscheidende Frage bleibt offen: Bringt das Beimischen von Private Equity langfristig wirklich zusätzliche Rendite? Seriös lässt sich das aktuell nicht beantworten. Es hängt daran, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen Private Equity und Börse entwickelt: Wenn der öffentliche Markt weiter an Bedeutung verliert, kann der Index ein Gegengewicht sein. Wenn sich der Trend dreht, wird derselbe Baustein schnell zum Renditekiller.