Michael Burry macht die Tür zu und knipst das Licht aus: Scion Asset Management ist seit dem 10. November 2025 offiziell bei der US-Börsenaufsicht SEC abgemeldet. Der „Big Short“-Mann zieht seinen Hedgefonds aus der Schusslinie und sorgt dafür, dass niemand mehr so leicht in sein Kartenblatt schauen kann.
Registrierung weg – Burry wird unsichtbarer
Laut Unterlagen der SEC ist der Status von Scion Asset Management als registrierter Investment Adviser seit dem 10. November beendet. Bis dahin lagen die verwalteten Gelder bei rund 155 Millionen US-Dollar, gemeldet im Frühjahr 2025. Mit der Abmeldung fallen die üblichen Pflichtberichte weg, vor allem die vierteljährlichen 13F-Filings, in denen größere Profianleger offenlegen müssen, welche Aktien und Optionen sie im Depot haben.
Für Außenstehende heißt das: Wer Burrys Positionen bisher über die veröffentlichten SEC-Dokumente nachgebaut hat, schaut ab jetzt in die Röhre. Der Mann spielt voraussichtlich weiter, aber nicht mehr mit laufenden Einblicken für die Öffentlichkeit.
On to much better things – Burry zwinkert Richtung 25. November
Burry selbst hat den Schritt nicht still und heimlich durchgezogen. Auf X, früher Twitter, postete er einen Screenshot der SEC-Seite, auf der neben Scion der Status „terminated“ steht, und kommentierte das mit der Ankündigung, er gehe am 25. November zu „besseren Dingen“ über. Damit spielt er klar auf einen Neustart an, ohne zu erklären, in welcher Form er künftig auftreten will.
Investorenbrief: Fonds werden abgewickelt, Geld zurück an die Anleger
Intern war der Kurswechsel zu diesem Zeitpunkt bereits vorbereitet. In einem Schreiben vom 27. Oktober informierte Burry seine Investoren, dass er die Fonds auflöst und das Kapital bis Jahresende zurücküberweist, abzüglich eines kleineren Puffers für Prüfungs- und Steuerkosten.
Als Begründung erklärte er, seine Einschätzung von Aktienbewertungen habe seit geraumer Zeit nichts mehr mit dem zu tun, was der Markt bezahlt. Er hält viele Kurse für deutlich zu hoch und sieht sich mit dieser Sicht am Markt allein auf weiter Flur. Statt dauerhaft gegen diesen Trend anzurennen, dreht er den Hahn zu und räumt das Spielfeld in dieser Struktur.
Tech-Wetten im großen Stil: Palantir und Nvidia unter Beschuss
Kurz vor der Abmeldung war Scion noch mit großen Wetten gegen Tech in den SEC-Daten sichtbar. In den jüngsten 13F-Unterlagen tauchen Put-Positionen auf, die sich auf folgende Aktienwerte beziehen:
- etwa 5 Millionen Palantir-Aktien als Basiswert
- rund 1 Million Nvidia-Aktien als Basiswert
In den Formularen wird dafür ein rechnerischer Wert der zugrunde liegenden Aktien ausgewiesen. Bei Palantir waren das knapp 912 Millionen US-Dollar, bei Nvidia rund 188 Millionen US-Dollar. Dieser Betrag beschreibt den theoretischen Aktienwert hinter den Optionen, nicht den Betrag, den Burry tatsächlich in bar eingesetzt hat.
Viele Schlagzeilen lauteten danach, Burry wette fast eine Milliarde gegen Palantir. Die Größenordnung des Marktexposures stimmt, sagt aber wenig darüber aus, wie viel Geld er wirklich in diese Wette gesteckt hat.
Burry klärt auf: 9,2 Millionen Einsatz – der Rest ist Showgröße
Diesen Unterschied hat Burry inzwischen selbst deutlich gemacht. Auf X erklärte er, er habe 50.000 Put-Kontrakte auf Palantir zu 1,84 US-Dollar pro Kontrakt gekauft. Ein Kontrakt steht in der Regel für 100 Aktien. Damit liegt der reale Einsatz bei 9,2 Millionen US-Dollar, nicht bei 912 Millionen.
Die oft zitierte Milliardensumme spiegelt also nur den Aktienwert wider, den diese Optionsposition abdeckt. Für Privatanleger übersetzt: Die 9,2 Millionen sind der Betrag, der tatsächlich geflossen ist, die 912 Millionen sind die Showgröße für die Hebelwirkung im Hintergrund.
Nach Burrys Darstellung laufen die Put-Optionen bis 2027 und haben einen Ausübungspreis von 50 US-Dollar. Die Wette ist klar: Fällt Palantir in den nächsten Jahren deutlich, bringt der Put Geld. Bleibt der Kurs oben oder legt weiter zu, kann die Position am Ende wertlos verfallen.
Abrechnung mit Bilanztricks der Tech-Riesen
Parallel zu seinen Wetten auf fallende Kurse nutzt Burry X, um die Bilanzierungspraxis großer Tech- und Cloud-Konzerne anzugreifen. Seine zentrale Kritik: Hyperscaler wie Microsoft, Alphabet, Oracle, Meta oder Amazon strecken die Nutzungsdauer ihrer Rechenzentrums-Hardware in den Abschreibungsplänen.
Je länger die offiziell angesetzte Lebensdauer eines Servers, desto kleiner die jährliche Abschreibung. Das senkt die Kosten in der Gewinn- und Verlustrechnung und lässt die Gewinne höher aussehen, obwohl sich an der realen Haltbarkeit der Technik nichts geändert hat.
Burry hat dazu eigene Rechnungen vorgelegt. Nach seinen Schätzungen könnten im Zeitraum von 2026 bis 2028 insgesamt rund 176 Milliarden US-Dollar an Abschreibungen fehlen, weil sie über längere Zeit verteilt werden. Für einzelne Konzerne leitet er daraus deutlich bessere Gewinnzahlen ab, als bei einer vorsichtigeren Abschreibungspraxis zu erwarten wären.
Aus seiner Sicht handelt es sich um eine weit verbreitete Form der Gewinnkosmetik. Zugleich kündigte er an, am 25. November weitere Details zu seinen Berechnungen zu veröffentlichen.
Was die Abmeldung wirklich ändert
Mit der Abmeldung bei der SEC zieht sich Scion Asset Management aus dem öffentlichen Rampenlicht zurück. Ohne 13F-Filings gibt es keine Pflicht mehr, größere Positionen offenzulegen. Wenn Burry künftig weiter aktiv ist, etwa über eine andere Struktur oder ein reines Family Office, das nur sein eigenes Geld verwaltet, bleibt das im Regelfall unter dem Radar.
Fest steht bislang:
- Die bestehenden Fonds werden laut Investorenbrief abgewickelt.
- Das Kapital soll, abzüglich Prüfungs- und Steuerpuffer, bis Jahresende an die Investoren zurückfließen.
- Die öffentlich sichtbaren Wetten auf Tech-Aktien, insbesondere Palantir und Nvidia, laufen aus der bekannten Scion-Struktur heraus.
Was genau hinter den angekündigten „besseren Dingen“ am 25. November steckt, geht aus offiziellen Unterlagen bisher nicht hervor. Klar ist nur: Künftig wird es deutlich schwieriger, Burrys Strategien im Detail nachzuvollziehen. Die beobachtbare Phase seiner Hedgefonds-Story endet, der nächste Abschnitt dürfte weitgehend im Verborgenen stattfinden.

