Merck hat 2025 operativ mehr auf die Beine gestellt, als es die nackten Zahlen zunächst vermuten lassen. Das Problem: Der Konzern wurde von Währungseffekten ausgebremst, und die haben einen guten Teil des eigentlich vorhandenen Wachstums gleich wieder aufgefressen.
Das bereinigte operative Ergebnis lag mit 6,1 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau, der Umsatz sank leicht um 0,3 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Das klingt erst einmal nach Stillstand. Ganz so simpel ist die Lage aber nicht. Ohne Währungs- und Portfolioeffekte wäre der Umsatz um 3,1 Prozent gestiegen, das operative Ergebnis sogar um 5,6 Prozent. Heißt übersetzt: Im laufenden Geschäft war durchaus Zug drin, nur kam davon in der Bilanz am Ende zu wenig an.
Operativ läuft es besser, als die Zahlen zeigen
Besonders stark lief das Geschäft mit Produkten für die Arzneimittelherstellung. Genau dort zeigt sich, dass Merck operativ keineswegs schlapp unterwegs ist. Unter dem Strich fiel der Gewinn trotzdem um sechs Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Für Aktionäre gibt es immerhin keine böse Überraschung bei der Ausschüttung: Die Dividende soll unverändert bei 2,20 Euro je Aktie bleiben. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ist kein glänzendes Zahlenwerk, aber eben auch kein Absturz.
Mitten in diese Phase fällt auch noch der Chefwechsel. Die scheidende Vorstandsvorsitzende Belén Garijo sprach von Widerstandskraft trotz geopolitischer Belastungen und starkem Gegenwind bei den Währungen. Im Mai übernimmt Kai Beckmann, bislang Chef der Elektroniksparte. Das ist kein Nebenschauplatz. Wenn ein Konzern zwar stabile operative Grundlagen hat, aber dennoch nicht richtig vom Fleck kommt, schauen Anleger bei einem Führungswechsel besonders genau hin.
2026 wird für Merck kein Selbstläufer
Für 2026 gibt sich Merck vorsichtig, und das hat Gründe. Der Konzern erwartet einen Umsatz zwischen 20,0 und 21,1 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes operatives Ergebnis von 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro. Das ist keine Ansage, die Euphorie auslöst. Einerseits drücken weiter ungünstige Wechselkurse. Andererseits brechen ab März die US-Umsätze mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad weg, weil dort Generika auf den Markt kommen. Generika sind billigere Nachahmerpräparate nach dem Auslaufen eines Schutzes – und sie machen Originalherstellern das Geschäft gern mal kaputt.
Genau darin liegt der Knackpunkt. Merck hat ein robustes Kerngeschäft, aber externe Belastungen hauen kräftig dazwischen. Für Anleger ist das ein ziemlich klares Signal: Die operative Basis stimmt, doch der Konzern muss erst beweisen, dass er aus dieser Stabilität wieder sichtbares Wachstum machen kann. Entscheidend wird nun sein, ob die starken Bereiche genug Wucht entwickeln, um den Gegenwind aus Währungen und Pharmageschäft abzufedern.

