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19. November 2025

Lockheed Martin: Milliardendeals in Sicht, Aktie hängt hinterher

Lockheed Martin
Foto: depositphotos.com / Bellanoche

Lockheed Martin steht unter Feuer – aber eher im übertragenen Sinn: Während der US-Konzern neue Rüstungsprojekte anstößt und mögliche Milliardenaufträge diskutiert werden, kommt die Aktie nur schleppend voran. Im Zentrum stehen zwei Themen: ein Marineprojekt mit Diehl Defence rund um die Flugabwehrrakete IRIS-T und ein möglicher F-35-Verkauf nach Saudi-Arabien, über den internationale Agenturen berichten.

Marinekooperation mit Diehl: IRIS-T soll auf See gehen

Ausgangspunkt auf europäischer Bühne ist die Berliner Sicherheitskonferenz. Dort haben Lockheed Martin und Diehl Defence ein Memorandum of Understanding unterzeichnet – eine formelle Absichtserklärung, noch kein Liefervertrag. Der Plan: Beide Unternehmen wollen prüfen, wie die in Deutschland gefertigte Flugabwehrrakete IRIS-T in das US-Aegis-Waffensystem und in vertikale Startanlagen wie MK41 integriert werden kann. Nach Angaben von Lockheed wäre IRIS-T damit die erste europäische Rakete, die überhaupt in Aegis zum Einsatz käme.

IRIS-T ist bislang vor allem als bodengebundene und luftgestützte Luftabwehrrakete im Einsatz und hat unter anderem durch Lieferungen an die Ukraine zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen. Diehl führt das Programm auf Industrieseite an und fertigt die Rakete in Deutschland. Mit der Verlagerung auf Überwasserschiffe – etwa Fregatten und andere Kampfschiffe – würde die IRIS-T-Familie einen neuen Einsatzbereich erschließen.

Die WirtschaftsWoche berichtet, dass sich für Diehl ein zusätzlicher Markt im Milliardenbereich ergeben könnte, falls mehrere Nato-Marinen diese Konfiguration aus Aegis-System und IRIS-T wählen. Die Unternehmen selbst nennen in ihren Mitteilungen keine konkreten Volumina, stellen aber den maritimen Markt klar in den Mittelpunkt. Für Lockheed Martin ist die Kooperation ein weiterer Baustein, um im europäischen Beschaffungsumfeld präsenter zu sein und seine Systeme für Kunden jenseits der USA zu öffnen – mit einem etablierten deutschen Partner als Türöffner.

Hinzu kommt: Die neue Vereinbarung baut auf vorhandenen Kontakten auf. Bereits zuvor hatten Lockheed Martin und Diehl eine Zusammenarbeit bei der Lieferkette für Lenkflugkörper des Flugabwehrraketensystems Patriot PAC-3 angekündigt. Auf der Marine-Seite ist die IRIS-T-Prüfung damit ein logischer weiterer Schritt in einer sich vertiefenden Industriebeziehung.

F-35 für Saudi-Arabien: Milliardenpaket in Vorbereitung

Während in Europa über IRIS-T auf See diskutiert wird, geht es auf der internationalen Bühne um den F-35. Nachrichtenagenturen wie Reuters und AP melden, dass die US-Regierung an einem Paket arbeitet, das den Verkauf von bis zu 48 F-35-Jets an Saudi-Arabien ermöglichen soll. Es handelt sich um einen potenziellen Rüstungsdeal im Wert von mehreren Milliarden Dollar, der Teil eines größeren sicherheitspolitischen Gesamtpakets wäre und noch politische sowie formale Hürden nehmen muss.

Aus Agenturkreisen ist zu hören, dass dieses Paket in den Kontext einer breiteren Annäherung zwischen den USA, Saudi-Arabien und weiteren Partnern in der Region gestellt wird. Für Lockheed Martin wäre ein solcher Auftrag ein weiterer Großposten im Kerngeschäft Kampfjet, das bereits heute einen erheblichen Anteil am Konzernumsatz ausmacht. Eine von Barron’s zitierte Schätzung der Jefferies-Analystin Sheila Kahyaoglu geht davon aus, dass ein kompletter Saudi-Vertrag über 48 Maschinen rund 4 Milliarden US-Dollar an Umsatz und grob 1,50 US-Dollar zusätzlichen Gewinn je Aktie über die Laufzeit bringen könnte – kein alleiniger Kurstreiber, aber ein spürbarer Beitrag.

Wichtig ist die Einordnung: Der mögliche F-35-Deal befindet sich noch im politischen und behördlichen Prozess. Im Unterschied zum unterschriebenen Memorandum mit Diehl handelt es sich hier nicht um eine bereits fixierte Kooperation, sondern um ein von mehreren Seiten beschriebenes Szenario, das von weiteren Entscheidungen abhängt.

Kursbild: Lockheed Martin im Sektorvergleich

Blickt man auf den Kurs, wirkt die Nachrichtenlage weniger durchschlagend als die Projektliste. Die Lockheed Martin Aktie notiert aktuell im Bereich von rund 475 US-Dollar und damit spürbar unter früheren Hochs. Im Zwölfmonatsvergleich liegt das Papier im Minus, während ein breiter US-Defense-ETF im gleichen Zeitraum deutlich zugelegt hat. Das Anlegermagazin Barron’s beschreibt die Situation mit dem Bild einer Strafbox: volle Projektpipeline, aber eine Kursentwicklung, die hinter dem Sektor zurückbleibt.

Die Ursachen dafür sehen Marktbeobachter in mehreren Punkten. In den vergangenen Quartalen musste Lockheed Martin hohe Aufwendungen und Sonderbelastungen aus einzelnen Programmen verkraften, darunter Abschreibungen auf ein klassifiziertes Luftfahrtprojekt und ein Hubschrauberprogramm. Diese Effekte haben das Ergebnis deutlich gedrückt und Prognosekürzungen nach sich gezogen. Die Folge: mehr Skepsis bei der Frage, wie planbar die Gewinne auf Sicht einiger Jahre sind.

Gleichzeitig bleibt der F-35 als größtes Einzelprogramm ein zentraler Risikofaktor. Das Produkt ist für den Konzern unverzichtbar, jede Verzögerung oder Kostensteigerung wirkt direkt auf Margen und Cashflow. Analysten weisen deshalb darauf hin, dass neue Aufträge zwar positiv sind, aber die strukturellen Risiken aus großen Programmen nicht ausblenden.

Bewertung, Spielraum und offene Fragen

Auf der Bewertungsseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Laut Barron’s wird Lockheed Martin aktuell mit etwa dem 16-fachen des erwarteten Gewinns für 2026 gehandelt – und damit niedriger als mehrere große Wettbewerber, die teils im Bereich des 22-fachen Gewinns liegen. Bewertungsportale und Banken führen diesen Abschlag auf die angesprochenen Programmrisi­ken und die jüngsten Ergebnisbelastungen zurück. Einige Häuser sehen darin einen gewissen Puffer, falls sich die Lage stabilisiert, andere betonen, dass der Abschlag angesichts der Projektstruktur nicht überraschend sei.

Im Zusammenspiel mit den laufenden Projekten ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite stehen der IRIS-T-Ansatz mit Diehl zur See, das mögliche F-35-Paket mit Saudi-Arabien und ein hoher Auftragsbestand. Auf der anderen Seite steht eine Aktie, die in den vergangenen Monaten eher seitwärts bis abwärts tendiert hat und in vielen Analysen vor allem über die Risiken in den Großprogrammen definiert wird.

Für die nächsten Quartale bleibt damit entscheidend, wie Lockheed Martin operative Fortschritte und Projektmeldungen in stabile Kennzahlen übersetzen kann. Ob Kooperationen wie der Marineansatz mit Diehl und ein möglicher F-35-Vertrag tatsächlich zu einer Neubewertung führen, hängt am Ende weniger an den Schlagzeilen, sondern an Umsatz, Margen und verlässlichen Ergebnissen – genau dort wird der Konzern sich messen lassen müssen.